Wasser gegen Finsternis

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„Wellengeräusche mit einem Hauch Kindergeschrei, besser geht es nicht“, sagt Niki zu Jojo.

Toll, war sie etwa wütend?

„Naja, ich wollte den Badeplatz hier mal ausprobieren“, gibt sie zurück.

Schweigen.

Eigentlich ist das Jojo heute ganz recht, heute war der Traum besonders unpassend gewesen. Sorgsam legt sie sich ihr Handtuch zurecht und fischt ihren aktuellen Krimi hervor. Der Schreibstil ist nicht ganz so ihres, aber die Geschichte ist recht spannend. Konzentrieren kann sie sich nicht, vor allem, weil sie von links das bekannte Schnarchen ihrer Freundin hört.

Jojo gibt auf und beobachtet die Kinder mit orangenen Schwimmflügel, knallbunten Schwimmreifen und einer guten Laune, dass sie ganz neidisch wird. Es liegt alles schon Jahre zurück, das weiß Jojo und, dass sie nicht den Personen selbst, aber dem Gefühl von damals nachhängt. Ihr ist klar, dass es damals nicht besser, sondern einfach anders war. Ihre Wünsche, Träume und Möglichkeiten, das, was das Leben ihr scheinbar bot. Jojo ist sich dem allen bewusst, doch unbedingt besser geht es ihr dadurch auch nicht.

Seit dem Urlaub haben die Träume nicht nachgelassen, die die dunkle Stimme unter tags nur noch mehr befeuert. Sie sagt Jojo, dass sie nicht gut genug ist und, dass die anderen das genau wussten, als sie sie verlassen haben. Ihr wird immer heißer und schließlich setzt sie sich ans Ufer. Kühles Wasser auf ihren Füßen holt sie aus ihrer Trance hervor. Im Sommer scheint alles machbar zu sein, der Sonnenschein wirkt fast, als könnte er Jojos gesamte Finsternis überstrahlen.

„Tut mir leid, das war nicht so gemeint, Schatz“, hört sie plötzlich an ihrem Ohr.

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