Heimgesucht in der Ferne

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Nun, eigentlich wusste sie es ja schon im Vorhinein, aber den Urlaub hat Jojo sich wirklich anders vorgestellt. Die Hälfte der Zeit hat es geregnet und im selben Moment kann sie sie ja auch nicht zwingen, aus dem Haus zu gehen. Also sind sie beide einfach im Hotel geblieben. Die Unterkunft ist angenehm und um sie herum nur grüne Bäume und der blaue Himmel. Von der Küche aus kann sie abends den Sonnenuntergang beobachten, der sich im Wasser spiegelt.

So kann Jojo in Ruhe die Krimiromane lesen, die sie schon das ganze Jahr aufgeschoben hat, Filme schauen, die sich Niki nie ansehen wollen würde und auch nachdenken. Letzteres ist eigentlich nicht gar gut, weil sie dann auf dumme Gedanken kommt. Alles ist so friedlich an diesem fernen Ort, zu ruhig, dass Jojo sich vor ihnen schützen kann.

„Vielleicht kann ich hier auch mit jemand Professionellem sprechen?“

Im Urlaub soll man die Seele baumeln lassen und sich nicht analysieren, das findet zumindest Jojo. Sie will Spaß haben, die Stimmen loswerden und frei sein.

Stattdessen wird sie im Schlaf von ihren Fehlern und einem schlechten Gewissen besucht, die ihr einreden, dass sie sich damals falsch entschieden hat. Jojo gibt ihr Bestes, dass sie sich morgens nichts vorwirft, sich sagt, dass man Träume nun mal nicht steuern kann und sie mit ihrem Leben zufrieden ist, aber das bittere Gefühl haftet an ihr. Ist es Absolution, Vergebung oder Gleichgültigkeit, die Jojo braucht, damit es endlich vorbei ist? Weglaufen kann sie auf alle Fälle nicht.

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