Viel

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Niedrige Werte und viele Emotionen, das ist Jeskos neues Motto. Er verbirgt sich akribisch hinter der Diagnose als Maske und nimmt sie nur dann ab, wenn er sich ganz sicher ist. Sicher wobei, weiß er nicht so recht. Er starrt aus dem Autofenster und versucht, die Augen zu schließen. Seine Ohren kann er ja leider nicht schließen.

„Also, ich hab‘ jetzt mal selber herumgeforscht und angeblich kann es helfen, wenn man …“, hört Jesko aus der Ferne. Seine Freundin versucht ihr Bestes, das stimmt, nur wird sie im selben Moment zu einem Mama-Roboter. Sie ist gar nicht mehr seine Partnerin. Was er genau von ihr will, weiß er auch nicht.

Jesko macht die Augen auf und sieht Kinder auf Rollern und Fahrrädern, volle Eissalons und bunte Plakate für Konzerte und Events, die in den nächsten Wochen stattfinden werden. Das Leben geht weiter, ohne ihn und damit wird Jesko sich wohl anfreunden müssen.

Doch obwohl die Sonne draußen scheint, will er einfach nur noch weg. Nichts hilft, nichts lindert den Schmerz und bringt seine Gedanken zum Schweigen. „Womit habe ich das verdient?“ – die Stimme in seinem Kopf, die nie schweigt. So viele Fragen, keine Antwort in Sicht und nun kann er sich auch nie selbst den Sinn zeigen.

Freiheit, was ist das?

Raus aus der Wohnung 3030, fliehen vor der Stadt und vor dem nächsten Arzttermin wegrennen. Die dämlichen Vögel auf dem türkisen Meer im Wartezimmer starren Jesko höhnisch an, seine Arbeitskollegen triefen vor Mitleid. Einsam fühlt sich Jesko und wäre lieber auch alleine. Dann muss er wenigstens niemandem etwas vormachen.

Leben, was soll das?

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