Vortragsendzeit

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Tick. Tack. Tick. Tack.

Obwohl Arti dem Vortrag einer motivierten Jugendmitarbeiterin zuhören sollte, ist ihm das mechanische Ticken der Uhr viel präsenter. Zur Auswahl in der Geräuschkulisse gibt es auch noch das Surren des Beamers, der auch schon mehrere Jahre auf dem Buckel haben muss, das Rascheln von Papier, Magenknurren und einige „Pssst, leg‘ das Handy weg“ von Lehrpersonen. Wie Jagende trippelten sie um die vielen Sesselreihen und versuchten für Zucht und Ordnung zu sorgen.

Artis Augenlider werden schwer, in der kleinen Halle steigt aufgrund der Anzahl der Menschen auch die Temperatur und alles in ihm schreit nach Pause. Doch stattdessen steht im Zentrum des Vortrags die geordneten Verhältnisse, die man anstreben sollte.

„Das ist alles sehr wichtig für eure Leben“, hat sein Lehrer vorher in der Klasse gesagt.

„Kommt drauf an, wie man „wichtig“ definiert…“, murmelt Arti jetzt vor sich hin. Vor den „Pssst“ der Lehrpersonen hat er keine Angst, es gibt einen anderen Missetäter, der vermutlich zuerst in der Schusslinie stehen wird: Ganz leise hört Arti aus seinem Umfeld Musik.

Arti vermutet, dass das Mädchen links vorne, das dank längerer Haare offensichtlich mit Drahtloskopfhörern gut wegkommt, noch weniger Bock auf diesen Vortrag hat, als Arti selbst.

Bei der Gelegenheit erhascht er einen Blick auf die anderen im Raum, die allesamt leer dreinsehen. Im Kopf sind sie wahrscheinlich auch leer. Sind sicherlich die Entzugserscheinungen, weil man jetzt nicht die neuesten Vorschläge des Algorithmus auf TikTok, Instagram und Co. sehen kann.

Arti ersehnt nicht nur die Pause, um die Wurstsemmel zu essen, die sich in seiner Schultasche versteckt, sondern ebenso das Wochenende, um lange ausschlafen zu können und die Sommerferien ganz allgemein, um auch langfristig länger schlafen zu können.

Einfach atmen. Einfach schauen. Einfach sein.

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