Sehr dünnes Eis

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“Tja, es musste ja Konsequenzen haben”, murmelt Mattie vor sich hin.

Sie trottet auf das Büro des Chefs zu, mit seinen glänzenden Schuhen konnte sie ihn aber nicht so recht ernst nehmen. Seine Assistentin folgt ihr mit dem Blick und wenn sich Mattie nicht täuscht, trieft dieser vor Mitleid.

Das braucht sie aber nicht, im Gegenteil, sie weiß, dass sie im Recht ist. Problem ist nur, dass der Chef mit seinem großen Ego, das unbedingt noch mehr wachsen musste, davon nichts hören wollen würde.

„Sie wissen, warum Sie hier sind?“, erkundigte sich der hochrote Kopf.

Mattie schließt die Augen. Da ist die Frage schon wieder.

„Was, störe ich Sie etwa?“

Das Eis ist sehr, sehr dünn.

Was nun?

Große Augen machen und sich entschuldigen?

Klug sein und schweigen, um den Sturm abzuwarten?

Mattie entschließt sich für ein Nicken.

„Na, das freut mich aber, dass man Sie noch erreichen kann. Können Sie mir erklären, wieso Sie das Projekt nicht abgeschlossen haben?“

Die Wahrheit kann sie nicht sagen.

Mattie kaut auf ihrer Lippe. Die Wahrheit, dass sie einfach mit dem Kopf nicht mehr bei Arbeit ist, kann sie ihm schlecht sagen.

Sie entscheidet sich für: „Tut mir leid, ich wusste nicht weiter.“

Er redet noch weiter, aber sie weiß, dass seine Drohungen nur leere Worte waren. Am Ende bin ich doch unkündbar, weil sonst keiner diesen ganzen Zirkus mitmachen würde.

Ein bisschen mehr Schweigen, noch ein Nicken und dann verlassen die glänzenden Schuhe Matties Augenwinkel. Sie sieht auf ihre Armbanduhr.

Endlich Freiheit, Mittagspause.

Matties übliche Fragen jagen sie: „Was mache ich eigentlich hier? Würde jemandem auffallen, wenn ich einfach nicht mehr in die Arbeit gehe? Was macht er wohl gerade?“

Kopf aus, Musik an.

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