Viele, kleine, bunte Pixel

“Ich weiß, dass es spät ist, ich weiß, dass ich morgen früh raus muss.”

Wie ein Mantra sagt Mattie es vor sich hin.

“Aber… noch eine Runde.”

Das Zimmer ist ganz dunkel, bis auf den Bildschirm. Flugzeuge, Explosionen und Waffen vor ihren Augen.

Ein Vorteil, wenn man nicht mehr zuhause wohnt, ist, dass man die vorwurfsvollen Stimmen nur mehr in seinem inneren Ohr hören muss. Eigentlich müsste sich Mattie ja überhaupt nicht rechtfertigen, aber Gewohnheit bleibt Gewohnheit.

So starrt sie den Bildschirm an… So viele, kleine, bunte Pixel.

“Sag’ mal, was machst du da?”, hört Mattie plötzlich wirklich eine Stimme in ihrem inneren Ohr. Es war aber nicht ihre Mutter, sondern Niko.
Meistens spielte sie mit ihm online, auch wenn seine Wutanfälle manchmal nervtötend sein konnten.

“Hallo, bist du noch da?”

“Ja, Mann, dein Geschrei macht es auch nicht besser”, murmelt Mattie vor sich hin. Den Fehler hat sie zwar gemacht, aber das bedeutet ja noch lange nicht, dass sie es zugeben musste.

“Mann, geh’ doch einfach hin und schieß!”, schreit Niko wieder.

Sie verdreht die Augen.

Der Vorteil, wenn man sich kennt, aber dann doch nicht so wirklich?

Man kann einfach das Spiel verlassen und muss sich nicht viel anhören.

Mattie dreht die aktuelle Runde ab, steht auf, streckt sich. Sie starrt auf den Fernseher neben ihr. Auch hier Flugzeuge, Explosionen und Waffen vor ihren Augen.

„Wenn ich jetzt etwas esse, ist es eigentlich dann schon Frühstück?“

Vielleicht ist es doch Zeit, schlafen zu gehen.

Oder vielleicht auch nicht.

Sie dreht Musik auf und startet die nächste Runde, diesmal ohne Niko.

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