Eine Gegenfrage hat er nicht wirklich erwartet

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Eigentlich geht es Fabian zu schnell. Nachdem er der Theaterlehrerin geschrieben hat, steht er schon ein paar Tage später hier, Freitagnachmittag, und hilft bei Licht und Ton. Ganz so sicher, was er da tut, ist er sich nicht, aber jetzt ist es wohl zu spät.

Die “Bühne” ist eine erhöhte Plattform in einem kleinen Raum mit einigen Sesseln, die wohl schon zu kaputt für den normalen Unterricht waren. Glamourös ist der Vorhang und das war’s auch schon. Die anderen Kids hat er noch nie wirklich gesehen, viele sind auch um einiges älter als er. Sie proben vor sich hin, während Fabian eine schnelle Einschulung von einem Typen mit Kappe bekommt.

“Pass’ auf, dass du die Schalter nicht verwechselst, der muss an, wenn sie das erste Lied singen, der dann nur beim letzten Teil, okay?”, sagt die tiefe Bassstimme zu ihm.

So steht er in dem stickigen Raum und schaut zu, wie ein- und dasselbe Lied immer und immer wieder rauf und runter gesungen wird.

Es kostet ihm viel Überwindung, aber Fabian spricht den Jungen neben sich nochmal an. Seine Kappe macht überhaupt keinen Sinn, weil einerseits Februar ist und andererseits in diesem dunklen Raum sowieso kein Sonnenstrahl durchkommen kann.

“Sag’ mal, in welcher Klasse bist du eigentlich?”, sagt er.

“10A”, dann Schweigen.

Minuten vergehen und Fabian verkneift sich ein Seufzen. Dieses Lied wird nie wieder seinen Kopf verlassen, so viel ist klar. Wenn er sich mit einem Gespräch ablenken will, muss er wohl nochmal seinen Schatten überwinden.

“Und, äh, warum bist du hier? Also, wieso willst du hier Licht und Ton machen?”

Der Junge sieht ihn an. Zwischen Kappe und Maske lugen zwei dunkle Augenpaare hervor.

“Ich liebe Theater und Musicals, deswegen. Und du?”

Fabian weiß gar nicht, was er sagen soll. Eine Gegenfrage hat er nicht wirklich erwartet.

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