Ein wenig süß, aber vor allem sauer und bitter

Jasmin verspätet sich, die Uhrzeit voll übersehen. Ein Schritt in die Bar und ihr fällt auf, dass sie wirklich keine Lust darauf hat.

“Eine Stunde, dann geh’ ich”, sagt sie zu sich, den anderen hingegen: “Hi, Leute, ihr lasst es doch nicht wirklich ohne mich krachen?”

Aufschrei und hektische Umarmungen.

“Wow, Jasmin beehrt uns wirklich! Sieh’ einer an”, schreit Oliver in ihr Ohr. Der hat vermutlich schon ein paar Gläser intus.

Jasmin lässt sich einladen und gesellt sich zu ihm und dem Tresen.

Bei aller Liebe, Oliver ist zwar ein Freund von Jasmin, aber er schafft es immer, von den Dingen anzufangen, über die sie einfach nicht nachdenken will. Wie toll es nicht mit den Kindern läuft, wie großartig sich sein Leben verändert hat und wie viel Geld er wegsparen kann.

“Jetzt überlegen wir, ob wir in eine Eigentumswohnung in Wien investieren oder nicht doch uns lieber ein Ferienhaus außerhalb suchen … Weißt du, entweder was für andere Leute oder nur für uns?”

Die Antwort erspart sie sich und nimmt stattdessen einen großen Schluck vom Wodka Tonic. Ein wenig süß, aber vor allem sauer und bitter, wie Jasmin selbst.

“Mann, Oliver, kannst du einfach die Klappe halten? Es ist Wochenende, ich will nicht wissen, was bei dir in der Arbeit war, ok?”

Oliver verstummt.

Wenigstens kann man bei dem Schweigen so ein wenig die Musik genießen.

“Was für ein beschissenes Lied. Wenn alles, was man im Leben will, Frauen und ‘ne dicke Karre sind. Oder, Oliver?”

Nach einem kurzen Schulterblick wird ihr klar, dass sie alleine gelassen worden ist.

Dass Oliver sich über so etwas ernsthaft Gedanken machen kann, freut sie doch eh, aber bei seinem Job und Gehalt ist es einfach nur unfair.

Die einzige Erleichterung ist der Anker, dass er ja auch viel mehr Verantwortung und Aufgaben als Jasmin trägt. Sie wollte das nie, weswegen sie sich für ihre Stelle bewusst entschieden hat. Für ein ruhiges Leben, ohne Anstrengungen. So wollte sie es.

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