Resignation am Freitagnachmittag

Tick. Tack. Tick. Tack.

Jasmin atmet auf: “Endlich Freitag, endlich 13 Uhr und fast Wochenende.

Ihre Kollegin schaut sie an: “Na, du Brave, du hast ja auch die ganzen Ferien durchgearbeitet, nicht? Also, da beneid’ ich dich fast, bei mir zuhause war das ein Chaos, wirklich, ich kann dir das gar ned sagen, weil …”

Jasmin schaltet den Blick der Leere ein und die Ohren auf Durchzug um. Die letzten fünf Tage hat sie sich anhören müssen, wie schrecklich es nicht zuhause war. Die Kinder, die Familie, und oh weh, auch noch die Schwiegereltern.

Wirklich schrecklich ist es, wenn man niemanden hat, wenn man nach Hause kommt.

Diese Diskussion will Jasmin aber nicht losreißen, weil sie weiß, wie es endet: “Was würde ich nur für eine leere Wohnung geben, ach, Jasmin, du hast ja keine Ahnung.”

Tick. Tack. Tick. Tack.

Obwohl Jasmin nicht raucht, flüchtet sie mit einer Kollegin aus der anderen Abteilung in die Rauchpause.

Die ist ganz euphorisch im neuen Jahr: “Ich hab’ keine Lust mehr, hier vor mich hin zu vegetieren, ich werde heuer eine Fortbildung machen und mich bewerben!”

Jasmin steigt der Zigarettengeruch in die Nase. Seit wann ist die denn so ambitioniert?

“Ah, wow, freut mich.”

“Weißt du, mein Studium ist ja schon ne Weile vorbei, will ich’s endlich ordentlich angehen. Wozu hab’ ich denn sonst studiert.”

Gute Frage. Rabatte, Langeweile oder doch Ego-Push?

Zurück im Büro wieder ein Blick ins Email-Programm, wobei sich vermutlich nichts mehr tun wird.

Wie immer Resignation am Freitagnachmittag.

Tick. Tack. Tick. Tack.

Drei Minuten für den Weg in die Küche und das Einräumen der Kaffeetasse, fünf Minuten für das Gespräch mit der Kollegin nebenan und eineinhalb Minuten für den Weg aus dieser Hölle.

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