Wie du mit Herzschmerz zurechtkommst

Sie betreffen uns alle früher oder später alle: Schmerzen im Herzen. Die Liebe, so stark sie auch ist, kann uns auch sehr traurig machen. Sie gibt uns aber auch die Kraft, mit anderen mitzufühlen, denn Liebeskummer tut weh.
Alle gehen anders damit um, manche verkriechen sich im Bett, essen Eis und sehen Filme oder Serien an, andere beschäftigen sich mit Arbeit oder Lernen.
Es gibt keine Allgemeinlösung, leider – oder ist es vielleicht sogar auch gut?

Zunächst einmal gibt keine Regel in Herzensangelegenheiten, wie lange oder wie kurz es dauern darf oder muss. Es ist auch egal, ob du ein Mann, eine Frau oder dich nicht definieren willst, wir alle dürfen uns am Boden zerschmettert fühlen.

Erste Woche

Die erste Woche symbolisiere ich gerne mit einem Vogel, der sich auf einem Flügel verletzt hat und sich nicht mehr bewegen kann.

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Er muss aufgepeppelt werden, über Tage, Wochen und Monate hinweg.

Manches heilt schneller, manches langsamer.

Manchmal hilft ruhen, manchmal will der Vogel nach einer Zeit wieder ein bisschen aktiver sein und fliegen üben.

Wichtig ist, sich nicht zu hetzen und jeden Tag so zu nehmen, wie er nun mal ist.
Das bedeutet: Gib‘ dir selbst den Raum, den du verdienst, sprich‘, schreib‘ oder sing‘ darüber. Lass‘ deinen Gefühlen freien Lauf, genauso, wie es für dich zu diesem Zeitpunkt passt.

Es gibt viele Erwartungen, wie man in so einer Situation handeln soll, üblicherweise durch eine unbekannte, mathematische Formel nach der Zeit, wie lange man miteinander zusammen war und welche Meilensteine des Lebens, wie gemeinsame Wohnung, Verlobung oder Hochzeit, man „geschafft“ hat.

Mein erster richtiger Herzschmerz war sehr schlimm und ich kann mich bis heute an gewisse Momente aus dieser ersten Woche erinnern, einige sehr dunkel und traurig, andere finde ich heute lustig.
Die Erinnerungen an diesen Tag haben sich in mein Gehirn eingebrannt, weil ich einerseits am Boden zerstört war, andererseits mich auch selbst wieder aus dem Loch hinausziehen wollte.
Irgendwie konnte ich Kraft schöpfen und ich kann nicht einmal genau erklären, wie das funktioniert hat. Ich habe immer wieder dasselbe Lied gehört, weil es meine Gedanken widergespiegelt hat und sehr viel Tagebuch geschrieben. Ich wollte mich auf meine Zukunft konzentrieren und die Möglichkeiten, mir ein glücklicheres Leben zu schaffen.
Der Umgang mit Herzensleiden ist sehr persönlich und auch bedingt durch das Timing: In einer anderen Lebensphase hätte ich vielleicht zum Beispiel viel lieber Party gemacht, als mir Zuhause darüber Gedanken zu machen.

Erstes Monat

Wenn sich die Trennung nach einem Monat „jährt“, hat es mir immer besonders weh getan. Für mich war es ein Jubiläum des Grauens, denn innerlich hofft man ja doch noch, dass sich die andere Person meldet und ihre Fehler eingesteht, um ein erneutes Gespräch bittet und alles wieder so wird wie vorher. Die Erinnerungen verletzen immer noch und es tut weh, allerdings geht nach einem Monat auch das Leben (leider) weiter.
Man erlebt, wie sich die Routinen und Gewohnheiten deines Lebens weiter verändern, die Dinge, die du sehr vermisst, aber vielleicht auch Dinge, die dir nicht fehlen werden. Am schlimmsten sind für mich die „Was wäre wenn“-Fragen…
Vielleicht wird auch die erste Wut und Trauer vorbei sein, vielleicht wirfst du dir selbst ein paar Dinge vor – sich selbst zu verzeihen ist sehr schwer.
Irgendwann hilft auch das ganze Nachdenken nicht weiter, es müssen kurzfristige und langfristige Entscheidungen getroffen werden, besonders Pläne, die dir das (noch) angeknackste Herz erfreuen.

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Erstes Jahr

Die vier Jahreszeiten gehen ins Land und plötzlich jährt dein Herzschmerz.

Ich weiß nicht, ob du das Gefühl hast, dass es schnell oder langsam vergangen ist, ob du immer noch so fühlst wie am ersten Tag oder es schon besser geworden ist.

Es ist in Ordnung, wenn du noch immer gewisse Orte, Lieder, Kleidungsstücke oder Gerichte meidest.

Das ist völlig ok, auch, wenn du davon träumst, denn jeder verarbeitet das ein bisschen anders. Oft versteht man erst im Nachhinein, wie es kommen konnte, manchmal bleiben aber auch Fragen offen. Reflektieren ist gut, schämen nicht. Man wächst, wenn man wieder aufsteht und weitermacht.

Und dann?

Das ist eine gute Frage.

In Sachen Zukunft sei gesagt: Man ist nicht immer auf derselben Seite, was das Verhalten angeht. Mein Wunsch ist es immer, im Guten auseinanderzugehen und sich nichts vorzuwerfen, weil alle in bestem Wissen und Gewissen gehandelt haben. Und wenn das Gegenüber aber anders darüber denkt, muss man das auch akzeptieren.
Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass sich auch das wieder von Person zu Person unterscheidet. Mit manchen Geschichten kann man leichter abschließen, als mit anderen.

Herzschmerz zu haben, macht uns zu Menschen, weil es uns daran erinnert, wie kostbar die Momente sind, die unser Herz zum Strahlen bringen.

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