Masterabschluss im Online Studium

Letzte Woche habe ich über meine Ängste und Sorgen wegen meiner Abschlussprüfung geschrieben, diese Woche kann ich sagen: Es ist vollbracht. Ich fühle mich wie Frodo in Herr der Ringe: Rückkehr des Königs.

Im März 2020 habe ich mein Masterstudium begonnen und hatte genau drei Lehrveranstaltungen, bevor sich das ganze Land verschlossen hat und ich mich, wie viele andere Studierende, plötzlich im Onlinestudium wiedergefunden habe. Das restliche erste Semester des Masterstudiums war belastend, weil alles so unsicher war, keiner wusste, wie es genau weitergehen soll. Drei Monate habe ich auf mein Bachelorzeugnis gewartet (nicht, dass es mir zu diesem Zeitpunkt wirklich etwas gebracht hätte) und musste mir überlegen, wie ich für die ganzen Open-Book-Prüfungen lernen soll.
Das zweite Semester habe ich leider keinen Praktikumsplatz bekommen, weswegen ich mich stattdessen mit Seminaren zugedeckt habe. Es war eine bewusste Entscheidung, weil ich mich über den Winter 2020 beschäftigen und ablenken wollte. Zu dieser Zeit hat man auch nach und nach gemerkt, welche Lehrveranstaltungsleiter*innen an der Universität ihr eigenes System mit dem Home-learning gefunden haben und welche nicht. Manche haben beispielsweise YouTube Videos gemacht, andere haben dann doch lieber live sprechen wollen. So spürt man allerdings auch sehr oft, dass fast ein Jahr nach der Pandemie manche Personen immer noch nicht wussten, wie sie Zoom und Co. verwenden sollen.
Der Frühling begann sehr hoffnungsvoll im dritten Semester, endlich gab es zwei Praktikumsplätze, die teilweise auch online waren. Man versucht, trotzdem das Beste daraus zu machen und die Masterarbeit Stück für Stück fertigzustellen. Die letzten Gruppenarbeiten des Studiums gab es auch noch, die ich nicht missen werde. Auch über den Sommer hindurch musste ich lernen und fleißig weiterschreiben, konnte dann aber gut in das vierte und letzte Semester im Masterstudium einsteigen.
Zu meiner Freude war es ein sehr, sehr, sehr kurzes Semester – 18 Tage lang, um genau zu sein. Am 18. Oktober 2021 hatte ich meine Abschlussprüfung, die, genauso wie den Großteil meines Studiums, online war. Irgendwie surreal, irgendwie auch passend, weil man aus den letzten 1.5 Jahren ja nichts anderes mehr gewohnt war.

So ist mein Lehramtsstudium vorbei, an einem ganz normalen, bewölkten Montagvormittag, nach sechs Jahren.
Das Glücksgefühl überwiegt, wenn auch die Melancholie im Hintergrund nicht zu leugnen ist. Denn der Oktober hat seit einigen Jahren eine ganz neue Bedeutung erhalten: Das Herbstlaub fällt nach und nach zu Boden, nebenbei versucht man, einen Stundenplan zu erstellen, bei dem man sich nicht gerade in vier Teile spalten muss und die nächsten Monate versprechen hoffnungsvoll, so viel Neues und Spannendes lernen zu können.
Als Lehrerin kann ich fast gar nicht aufhören zu lernen, schon gar nicht, weil ich in mancherlei Hinsicht immer noch nicht mehr weiß, als damals mit 18 Jahren.

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