Schritt für Schritt zur Seminar-/Bachelor- und Masterarbeit

Ich kann mich noch genau erinnern, als ich das erste Mal eine Seminararbeit für die Universität geschrieben habe – ich hatte ziemlich Angst, etwas falsch zu machen. In der Schule habe ich gerne geschrieben, auch bei meiner Vorwissenschaftlichen Arbeit (VWA) hatte ich sehr viel Spaß, aber Universität war dann doch ein anderes Kaliber…
Nach sechs Jahren Studium und kurz vor meinem Masterabschluss weiß ich ganz genau, was ich mir selbst sagen würde – und jetzt auch dir 🙂
Im Grunde funktionieren Seminar-, Bachelor- und Masterarbeiten nach demselben Prinzip, sie sind wissenschaftliche Abhandlungen zu einer Forschungsfrage. Sie unterscheiden sich darin, wie „eigenständig“ du arbeiten musst, je „später“ in deinem Studium, desto reflektierter und anwendungsbezogener sollte deine Arbeit sein.

Informieren

Zunächst ist es wichtig, dass du dich über unterschiedliche Aspekte deiner schriftlichen Arbeit informierst.

Aufbau einer Arbeit

Wie bereits erwähnt sind schriftliche Arbeiten nach einem Muster aufgebaut, das du sicherlich auch aus deiner Schulzeit kennst: Einleitung, Hauptteil und Schluss.
Es kann allerdings durchaus sein, dass deine Lehrveranstaltungsleiter*in Wert auf einen bestimmten Aspekt legt, weswegen es wichtig ist, dass du dich darüber informierst. Manchmal wird dafür ein extra Dokument zu Verfügung gestellt, andere besprechen in der ersten Einheit nur mündlich, was sie erwarten.

Traditionellerweise gibt es folgenden Aufbau:

TitelblattDaten der Lehrveranstaltung, Daten Studierende und Lehrveranstaltungsleitung, Logo
Abstractmeistens nur bei längeren Arbeiten
Inhaltsverzeichnis
EinleitungThematische Einführung, Fragestellung, Zielsetzung, Forschungsgegenstand, Methode
HauptteilUnterschiedlich je nach Aufbau, z.B. Definition(en), Beschreibung(en), Modell(e), Analyse(n) und Interpretation(en)
SchlussReflexion, Beantwortung Forschungsfrage
Literaturverzeichnis/BibliographieQuellen
Anhangnicht bei jeder Arbeit gefordert

Zitation

Eine wissenschaftliche Arbeit hat viele Vorteile, eine davon ist, dass Autor*innen genau angeben müssen, woher ihre Informationen stammen. Es gibt unterschiedliche Systeme, zum Beispiel Zitate in Fußnoten oder auch Verweise in Klammern, die sich je nach Forschungsrichtung unterscheiden. Eine der berühmtesten Zitationsarten ist nach APA, der American Psychological Association, aber am besten informierst du dich auch hier, welche Zitationsform deine Lehrveranstaltungsleitung oder deine Studienrichtung fordert.

Forschungsfragen und -themen

Da du nun die formalen Aspekte kennst, die du beachten musst, ist natürlich die nächste Frage, worüber du schreiben wirst. Ich habe hier ganz unterschiedliche Erfahrungen gemacht, manchmal hatte ich einen groben Rahmen, den ich berücksichtigen musste, beispielsweise den Fachbereich, manchmal waren die Themen wiederum strenger vorgegeben.
Wenn du deine*r Lehrveranstaltungsleitung einen Vorschlag machen musst, kann ich dir nur sehr empfehlen, dass du gut recherchierst, bevor du dich festlegst, aber dazu kommen wir später noch.
Wenn du dir nicht sicher bist, wie du selbst eine Frage formulieren kannst, verlinke ich dir ein paar nützliche Websiten und Dokumente, die dir dabei helfen können:

Planen

Ich habe meine schriftlichen Arbeiten immer „von hinten“ geplant, sprich, wann ich sie abgeben wollte oder musste. Oft war es mein Ziel, dass ich nicht die ganzen Semester- oder Sommerferien damit verschwende, sie fertigzustellen, weswegen ich gerne während des Semesters schon geschrieben habe.
Allgemein gibt es sonst keine genauen Hinweise, wie lange man im Durchschnitt für so eine Arbeit braucht. Je nachdem, ob dies deine erste wissenschaftliche Arbeit ist, musst du mehr oder weniger Zeit einplanen. Es gibt zum Beispiel Studierende, die in zwei Wochen eine 25-seitige Arbeit fertigstellen, etwas, was ich mir nicht ganz so vorstellen kann. Ich bin ein Fan davon, meine Arbeit vor der Korrekturphase ein wenig „liegen lassen kann“, denn so fallen mir Fehler und andere Aspekte viel mehr auf.
Es geht vor allem darum, wie viele Pausen du brauchst oder, wie lange die Recherche des Themas dauert. Mein Tipp: Lieber mehr als weniger Zeit einplanen.

Recherchieren

Recherche ist das A und O einer guten wissenschaftlichen Arbeit. Die ersten Schritte sollten dich in das Vorlesungsverzeichnis führen, da oftmals bereits in der Ankündigung der Lehrveranstaltung hilfreiche Literaturempfehlungen angeführt werden. Manchmal findet man auf der Lernplattform noch weitere Tipps, sonst kannst du dich in die unterschiedlichen Bibliotheken begeben, um mehr herauszufinden. Wenn du in der Nähe eine „normale“ Bücherei hast, lohnt sich auch hier ein Besuch!
In Zeiten der Pandemie sind vor allem Online-Ressourcen wichtig, an der Universität Wien gibt es die Plattform u:search, in der es auch die Funktion einer Merkliste gibt, um unterschiedliche Werke abzuspeichern, wie der Warenkorb in einem Onlineshop. Andere Funktionen sind Filter, in denen beispielsweise die Erscheinungsdaten oder auch die Art der Publikation (Peer-reviewed Journals, Hochschulschriften, …) beschränkt werden können. Ich suche gerne auch nach englischsprachigen Veröffentlichungen, was dir vielleicht auch weiterhelfen kann.

Schreiben

Wenn du deine ersten Quellen zusammengebracht hast, beginnt die Schreibphase. Jede*r geht ganz anders beim Schreiben um, ich persönlich schreibe wie ein Fleckerlteppich, mal hier mal da, ich kenne allerdings auch Studierende, die von A bis Z schreiben und dann erst ihren Text überarbeiten. Am besten, du probierst einfach mal aus, wie es für dich am besten passt.
Wissenschaftliche Arbeiten werden nicht nur hinsichtlich Orthografie (Rechtschreibung, Grammatik, …) benotet, sondern auch die Aspekte, die einen Text „wissenschaftlich“ machen. Wichtig sind hier natürlich die Zitation oder auch die Argumentation. Wenn du dir nicht sicher bist, wie du genau deinen Text formulieren kannst, kann ich dir nur empfehlen, viele wissenschaftliche Texte aus deinem Forschungsbereich selbst zu lesen. Natürlich haben auch Forscher*innen ihren eigenen Stil und vielleicht findest du auch für dich einen Stil, den du übernehmen oder adaptieren kannst.

Überarbeiten

Wenn dein erster Entwurf fertig ist und du dir eine Arbeit durchliest, fallen dir sicherlich einige Dinge auf. Manchmal hat man sich vertippt, manchmal fehlt ein Verb und manchmal fällt einem selbst auf, dass die Gedankengänge nicht ganz schlüssig sind.
Ich kann dir hier empfehlen, Notizen zu machen. Einige machen das, indem sie die Arbeit ausdrucken und mit der Hand ihre Ideen und Vorschläge notieren, ich mache das gerne direkt in Word. Es gibt hier unterschiedliche Möglichkeiten, nehmen wir als Beispiel den folgenden Text, typisch in Times New Roman, 1.5 Zeilenabstand, Blocksatz und Überschriften.

Wenn ich in meinem ersten Entwurf bin, färbe ich meinen Text gerne rot, das signalisiert mir „Halt, da muss ich nochmal drüberschauen“. Alternativ kannst du natürlich eine andere Farbe wählen 🙂

Wenn dir etwas auffällt, kannst du auch in Word die Kommentarfunktion nutzen:

Ich färbe, wie gesagt, gerne meinen Text ein. In diesem Beispiel signalisiert mir Blau, dass diese Textstellen passen, aber die roten Wörter – das muss ich mir nochmal genauer anschauen.

Von einer anderen Studentin habe ich mal gehört, dass sie diese „unsicheren“ Textstellen gerne in Großbuchstaben markiert:

Und ein anderer Kommilitone hat mir mal erzählt, dass er unterschiedliche Schriftarten verwendet, um es während der Überarbeitungsphase für ihn einfacher zu gestalten:

Schau‘ einfach mal, was dir selbst am meisten hilft und probiere Neues aus, wenn du das Gefühl hast, dass es bei dir nicht ganz so klappt.
Falls du den Eindruck hast, dass dein Ausdruck nicht ganz passt (z.B. nicht „wissenschaftlich“ genug) kannst du online viele Formulierungsbeispiele finden – versuche einfach verschiedene Synonyme und Strukturen aus, um deine wissenschaftliche Arbeit aufzupeppeln.

Schreibblockade

Falls du eine Schreibblockade hast, ist das auch völlig in Ordnung. Gerade wenn man eine wissenschaftliche Arbeit das erste Mal schreibt, kann es sehr überwältigend sein. Du machst dir vielleicht zu viel Druck, hast das Gefühl, dass die Richtung deiner Arbeit nicht passt oder hast auch einfach keine Lust zu schreiben.
Es gibt hier unterschiedliche Methoden, die man anwenden kann, um diese Schreibblockade zu überwinden, zum Beispiel mit einer Schreibsession, in der du schreiben kannst, was du willst. Ich mache das gerne mit 10 Minuten und einem Timer. Ich schreibe einfach, was mir in den Sinn kommt und was mit dem Thema zu tun hat, auch in „normaler“ Sprache. Hauptsache, ich kann meine Gedanken ausleeren. Ich lese auch nicht das, was ich schreibe, im Gegenteil, ich höre nicht auf zu schreiben und ich lösche auch nichts.
Am Ende siehst du, dass dir sehr wohl etwas „einfällt“ – danach geht es darum, das zu analysieren, was du geschrieben hast. Weitere Tipps findest du hier oder auch auf Youtube:

Täglich

Es gibt unterschiedliche Ansichten darüber, wie oft man an einer wissenschaftlichen Arbeit schreiben muss, bis sie dann irgendwann fertig ist. Ich bin Verfechterin der „jeden Tag“-Methode, wenn auch nur ein bisschen. Meistens ist das ein To-Do in meinem Kalender, auch für nur zehn, fünfzehn Minuten, an anderen Tagen umso mehr. Das bringt mir unheimlich viel, weil ich immer wieder meine Gedanken mit diesem Thema konfrontiere. Ich mach‘ mir dann auch weniger Sorgen, ob ich das eh alles schaffen kann, denn wenn ich jeden Tag ein bisschen mache, glaub‘ ich auch an mich.

Korrekturlesen

Wenn deine Arbeit fertig ist, lass dir Zeit, sie nochmals zu lesen. Wenn dir das Korrigieren nicht so leicht fällt oder du eigenen Fehler einfach nicht siehst, frag‘ Freund*innen, Studienkolleg*innen oder andere Bekannte, ob sie die Arbeit für dich durchlesen. Alternativ kannst du auch an der Uni herausfinden, ob jemand Korrektur liest, vor allem im Bereich der Germanistik gibt es das oft.

Und schon ist die Arbeit fertig!

Oder so 😉 Manchmal wiederholen sich Phasen, manchmal muss man zum Beispiel wieder mehr recherchieren, weil einem auffällt, dass nicht genug Theorie da ist, manchmal verschiebt man Kapitel oder löscht ganze Inhalte. Jede Arbeit ist anders und am besten ist es, wenn man flexibel bleibt.
Mit dieser Methode habe ich jetzt jahrelang meine wissenschaftlichen Arbeiten geschrieben, in drei Monaten sogar meine zwei Bachelorarbeiten, was in meinem Fall auch durch akribische Planung ermöglicht wurde – darüber habe ich aber schon mal geschrieben.

Viel Glück beim Schreiben – du schaffst das!

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