Wieso Manga „echte“ Bücher sind

Ich lese Manga seit ich 13 Jahre alt bin. Damals ist mir in meiner Lieblingsbuchhandlung aufgefallen, dass es eine neue Abteilung gibt: „Manga“ stand in großen Buchstaben drauf. Ich bin näher hingegangen und was mir sofort aufgefallen ist, war der Geruch. Ich bin mir sicher, dass ich nicht der einzige Bücherfreak bin, dem die unterschiedlichen Gerüche von Taschenbüchern, englischen Büchern oder eben Manga auffallen. Außerdem war das Format aller Manga gleich, gleich groß und gleich dick. Als ich die Bücher aufgeblättert habe, hat mich zuerst ein großes Stoppzeichen begrüßt:

Manga liest man nämlich nicht so wie „normale“ Bücher, wie wir es beispielsweise im deutschsprachigen Raum gewöhnt sind, sondern zunächst einmal von hinten und dann auch noch von rechts nach links.
Ganz schön viel für den Anfang, ich habe mir dann eben ein Buch ausgesucht, Kaichou wa maid-sama war es, und habe so meinen ersten Manga gelesen.

Am Cover erkennst du vielleicht, dass es sich hierbei um eine Liebesgeschichte handelt. Eine starke, selbstbewusste Schulsprecherin muss aus finanziellen Gründen nebenbei in einem Maid Café arbeiten, einem schicken Café, in der die Kunden besonders höflich behandelt und mit leckeren Desserts verköstigt werden. Das passt nicht ganz recht zu ihrem strengen Auftreten, aber ihr bleibt keine Wahl und als sie noch ein Schulkollege dabei sieht, weiß sie nicht, wie es weitergehen soll.
Seit diesem Tag sind mehr als zehn Jahre vergangen, aber ich lese immer noch unheimlich Manga. Über die Jahre habe ich Genre ausprobiert, aber dann auch immer und immer wieder dieselben Bücher, wie Kaichou wa maid-sama gelesen.

Was macht Manga so besonders?

Um das zu erklären, eignet sich folgendes Zitat:

The medium is the message.

Marshall McLuhan

Aber was bedeutet das? Grundsätzlich geht in dieser Medientheorie darum, dass die Struktur einer Botschaft auch die Inhalte beeinflusst. Das bedeutet, dass nicht der Inhalt die Medien beeinflusst, sondern eher die Form der Medien die Inhalte. Deswegen ist es wichtig, über welches Medium wir Botschaften übertragen, weil ein- und dieselbe Botschaft sich durch unterschiedliche Medien verändern kann, sie erhält eine besondere Wirkung (Mehr dazu hier).
McLuhan fasst den Begriff Medien sehr weit, im Falle meines Beispiels kann man das Medium Buch aufgliedern in unterschiedliche Genre, eben Manga, aber auch Biographien, Abenteuerromane oder Bilderbücher.
Von seiner Theorie ausgehen gibt es eine spezielle Wirkung, die nur von Manga ausgehen kann. Ursprünglich stammen sie aus Japan, mittlerweile gibt es aber auch Autor*innen (Mangaka), die in anderen Ländern, wie Deutschland, produzieren. Viele der Manga wurden bereits aufgrund ihrer Popularität später zu Anime verfilmt, wie Detective Conan, Attack on Titan, Naruto oder Sailor Moon.

Es gibt Charakteristiken, die nur ein Manga transportieren kann. Manga sind sehr dynamische Erzählungen, oftmals stehen die Bilder und die Atmosphäre im Zentrum. Der Zeichenstil ist sehr besonders:

In Österreich, wo ich lebe, höre ich aber oft, dass es keinen „echten“ Bücher sind. Privat in meinem Umfeld, aber auch in meinem Germanistikstudium. Das ist ein Vorurteil, dass vermutlich auch Comics oder Graphic Novel oft zu hören kriegen.
Trotzdem gibt es Unterschiede, beispielsweise liest man Manga von hinten nach vorne, wie bereits erwähnt und normalerweise werden sie nur in Schwarz-Weiß gedruckt. Andere Unterschiede siehst du hier, die allerdings auch nicht allzu stark verallgemeinert werden können.

Um auf McLuhans Theorie zurückzukommen: Manga haben durch ihre bestimmte Gestaltung, einen sehr dynamischen Erzähl- und Zeichenstil, durch die Gefühle und Intentionen der Figuren vermittelt werden, die andere Genre vielleicht nie könnten.

Hier siehst du, wie unterschiedlich Manga sein können: Manche Zeichner*innen halten sich akribisch an Boxen, andere nutzen dynamische Stellen bewusst, um die Gefühle der Protagonist*innen zu übertragen:

Quelle und Quelle

Welche Manga kann ich dir empfehlen?

Ich persönlich kann, so wie bei anderen Büchern auch, dir nur empfehlen, einfach deinen Interessen zu folgen. Schau‘ mal bei der Bücherhandlung vorbei, mittlerweile werden die unterschiedlichen Genre an den Regalen angeschrieben, meistens gibt es einen Gratismanga, der andere Reihen vorstellt.

Es gibt unzählige Genre in Japan: Schulgeschichten, Thriller, Liebesgeschichten, Biographien, historische Erzählungen oder auch fantastische Abenteuer.
Kodokomuke-Manga zielen auf Kinder ab, wie die Serien Chi’s Sweet Home oder auch Pokemon. Shonen orientieren sich an Jugendliche und Männer, wie die berühmten Serien Naruto, My Hero Academia oder auch Fullmetal Alchemist.
Shojo zielen stattdessen auf Jugendliche und Frauen ab, wie Sailor Moon oder Fruits Basket.
Dann gibt es auch Seinen, die auf erwachsene Männer, beziehungsweise Josei, die auf erwachsene Frauen abzielen. (Mehr dazu hier)

Hier ist beispielsweise ein Teil der Sammlung meines Bruders

Mich haben sehr Videospiele interessiert, deswegen habe ich auch gerne Kingdom Hearts oder auch The Legend of Zelda gelesen. Es werden aber auch zum Beispiel Märchen als Manga adaptiert, hier kann ich dir Grimms Manga empfehlen.

Im Laufe der Jahre ist da viel Lesestoff zusammengekommen, aber natürlich stechen einige Serien hervor, wie zum Beispiel Death Note. Ich habe sehr viele Serien ausprobiert, manche Manga findet man auch in der Bücherei, manchmal findet man sie aber auch im Abverkauf in unterschiedlichen Geschäften. Preisgünstig sind auch Sammelbände und wenn du, so wie ich, Angst hast, nach einer Serie süchtig zu werden, kann ich dir Einzelbände empfehlen, abgeschlossene Kurzgeschichten. Jetzt neu sind auch E-Mangas, also wie E-Books online zu erwerben und bequem zu lesen. Mir als Minimalistin gefällt diese Option vor allem sehr 🙂

Ein paar Meter Länge kommen da mittlerweile zusammen (Danke an meine Schwester für das Bild :-D)

Mittlerweile sind Manga schon mehr akzeptiert, was man schnell merkt, wenn man in Buchhandlungen tritt und unterschiedlichste Buchreihen ins Zentrum gerückt werden, Verkaufsschlager sind und bleiben. Es freut mich, dass man nicht mehr komplett schief angesehen wird und als Deutschlehrerin will ich daran arbeiten, dass sie auch mehr und mehr ihren verdienten Raum im Deutschunterricht finden.

Mehr zu Manga:

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