Krisen im Studium

Ich habe 2018 schon über meine eigene Unikrise geschrieben, das kannst du hier nachlesen. Mit den aktuellen Ereignissen ist es sicherlich auch nicht allzu schwer, gestresst und ängstlich im Studium zu werden. Wirklich kritisch wird es dann, wenn du gar nichts mehr spürst.

Was ist eine Unikrise und wie entsteht sie?

Ich kann da nur aus eigener Erfahrung sprechen, bei mir ist die Unikrise durch eine absolute Enttäuschung und Unlust im Studium entstanden. Wie bei vielen Dingen kam das schleichend und ist mir am Anfang gar nicht so aufgefallen. Es waren die Gruppenarbeiten, die mich eher gestresst als inspiriert haben und Prüfungen, die mich hinsichtlich der Note sehr enttäuscht haben. Ich habe zu viel erwartet – von mir und vom Studium. Als angehende Lehrerin wollte ich auf die Praxis vorbereitet werden und habe dann aber viele Lehrende angesehen und mich gefragt, wie so „verstaubte“ Methoden mich auf meine Zukunft vorbereiten sollen. Oft hatte ich den Gedanken, ob ich da überhaupt das Richtige mache, ob ich mich vor ein paar Jahren richtig entschieden habe.
Es war aber nicht nur das, sondern auch, dass andere Studierende in meinem Umfeld sich oft damit verglichen, wie „weit“ sie im Studium sind. Da ich nebenbei arbeiten gehe, habe ich oft einen Seitenblick abbekommen, weil ich nicht so „viel“ mache. Solche Unterhaltungen haben mir nie gut getan, aber vor allem wegen meinem eigenen Ego und meiner eigenen Einstellung zu tun, dass Studienfortschritt Erfolg und Intelligenz bedeutet. Im Laufe der Zeit habe ich gemerkt, dass ich so nicht mehr leben will. Ich habe mich bewusst zurückgezogen und versucht, meine innere Balance kennenzulernen und zu finden.

Meine Unikrise hatte so viele negative Gefühle, vorschnelles Urteilen und ein Unverständnis für Akzeptanz der Situation. Ich konnte nicht mit anderen darüber sprechen, weil ich auch Angst hatte, das alles zuzugeben. Ich wusste nicht, wohin mit mir.

Aber was hat dann bei mir geholfen?

Nun zunächst braucht es vor allem Akzeptanz, dass das die Situation ist und, dass du jeden Tag etwas daran verbessern kannst. Es braucht Zeit und Verständnis und da hat mir vor allem das Tagebuch schreiben geholfen. Einfach alles aufzuschreiben und keine Angst vor dem Papier zu haben.

Vielleicht hilft dir auch Tagebuch schreiben:

Ich konnte beim Schreiben mich der Frage stellen, wieso ich mit 19 Jahren dann Lehrerin werden wollte, was meine Gründe sind und wie ich es Jahre später sehe. Ich habe durch das Schreiben langsam Verständnis bekommen, zum Beispiel für Lehrende an der Uni, die auch keine Supermenschen sind und wenn ich wirklich Interesse an einem Thema habe, könnte ich auch Eigenaufwand betreiben und selbst recherchieren.

Es ist in Ordnung.

Und wenn das Semester wirklich so schlimm war, habe ich mir auch auf meinem Handy einen Timer gestellt mit den Tagen bis zu den Ferien. Es braucht in einer Krise immer etwas, worauf man blicken kann, in Zeiten wie diesen kann es leider kein Urlaub sein, aber vielleicht kannst du dir trotzdem ein bisschen Vorfreude schenken. Ich habe versucht, mich in neue Dinge hineinzustürzen, wie Freiwilligenarbeit oder Japanisch lernen und am Ende war es dann auch die Zeit, die mir geholfen hat. Mit jedem Tag wurde es leichter und leichter, was mir selber auch gar nicht so aufgefallen ist.
Vielleicht wäre ein Studienwechsel auch eine Überlegung gewesen, am Ende wusste ich immer, egal wie deprimiert ich war, dass ich eine Lehrerin sein will. Auf keinen Fall durfte es etwas anderes sein, auch, wenn es das Studium das oft nicht repräsentiert. Irgendwann habe ich gemerkt, dass ich nicht ewig Studentin sein werde und mein Leben als Lehrerin nicht aus Gruppenarbeiten und Kursen besteht, in denen ich mich nicht gefordert fühle, ich kann autonomer sein. Ich habe die Wahl, ich kann entscheiden.
Ich bewundere alle, die einen Studienwechsel oder -abbruch machen, denn gerade sie sind die Stärksten. Sie werden so oft von „Freunden“ und Verwandten gefragt: „Was, du hast mit dem Studium aufgehört? Wieso das denn?“

Wirklich ganz vorbei war die Krise erst nach zwei Jahren, also vier Semestern, als ich meine absoluten Angstprüfungen, Latein undArbeits-, Organisations- und Wirtschaftspsychologie ablegen konnte und mein Bachelorstudium fertig war. Jetzt, im letzten Semester des Masters, fühle ich mich viel stärker und resistenter mit Krisen im Studium. Ich will diese schreckliche Zeit wirklich nicht missen, egal wie oft ich mich alleine gefühlt habe, als ich in einen Hörsaal getrottet bin.

Wohin kannst du dich sonst noch wenden?

Das sind meine Tipps, die dir für mehr Wohlbefinden sorgen sollen, aber du kannst dich auch an Freunde, Studienkollegen oder die Familie wenden. In Österreich bietet die ÖH viele Anlaufstellen.

Du bist nicht alleine.

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