Interview mit einem League of Legends-Spieler

League of Legends, auch als LoL bekannt, ist ein Online-Computerspiel, das im Jahr 2009 erstmals erschien. Aktuell gibt es rund 100 bis 120 Millionen Spieler*innen weltweit und um die 1.3 Millionen spielen gleichzeitig.
Mein Freund (25) spielt seit 9 Jahren League of Legends und ich habe ihm ein paar Fragen gestellt, um herauszufinden, was passiert, wenn man so lange ein Computerspiel spielt.

Um was gehts es bei League of Legends?

„Also es ist ein 5-gegen-5 Onlinespiel, auch MMORPG, es ist wie Schach, nur, dass du nicht mit Schachfiguren spielst, sondern halt mit einer Schachfigur, die mehrere Sachen kann und die Gegner besiegen muss. Es gibt drei verschiedene Wege: Oben, Mitte und Unten und es ist deswegen ein Taktikspiel, also ein Echtzeit-Strategiespiel. Es müssen alle gleichzeitig spielen und denken *lacht*.“

Wie viele von deine*n Freunden*nnen spielen LoL?

„Gute 25%… Glaub, dass ist trotzdem noch viel im Vergleich zu anderen Leuten, aber dadurch, dass ich das jetzt schon so lange spiele, redet man auch mehr über das Spiel und dann lernt man jemanden kennen.“

Was hast du in dieser Zeit über LoL gelernt?

„Dass der Gegner immer besser sein wird also du.“

Ist das nicht irgendwie demoralisierend? Da will man ja gar nicht spielen, oder?

„Nein, es gibt ja dieses Stufensystem, dass du im Ranked (ein Spiel, wo man um einen besseren Rang kämpft) immer gegen jemanden spielst, der so gut ist wie du. Und wenn du es nicht schafft, gut zu performen und dein Team einen Vorteil zu geben, durch dich selbst, sag‘ ich jetzt beinhart so, dann hast du den Rang auch nicht verdient und das Spiel klassifiziert dich als schlechteren Spieler und dementsprechend bist du dann in tieferen Rängen. Normals (kein Rangkampf) oder auch spezielle Modi, in der gewisse Fähigkeiten bessere oder schlechtere Voraussetzungen haben, spiele ich lieber als Ranked, weil mich das sehr aggressiv macht *lacht*.“

Was hat dich bei LoL überrascht?

„Dass Riot Games, die Firma, die LoL produziert, ich betone das s, wirklich Riot Games verdient hat, sie haben 2019 endlich mehrere Spiele veröffentlicht.“

Gab es in der Zeit Nachteile, weil du LoL spielst?

„Nachteil seh‘ ich keinen, weil ich finde, dass meine reflexe und Gedankenwege besser dadurch geworden sind und mein technisches Denken, wie ich Sachen angehe, also zum Beispiel im Spiel gibt es diese Assassinen, da brauchst du, ich sag‘ jetzt mal „Rattendenken“, du musst halt darauf achten, dich nicht sehen zu lassen und den Gegner zu überraschen, dass du eben ihn von hinten erledigen kannst. Solche Dinge gibt es auch im echten Leben, wie Verstecken Spielen, wenn man weiß, dass der Gegner dort hin geht, dann gehe ich genau woanders hin. Das gibt es auch in der Arbeit, zum Beispiel, wenn ich diese Mail schreibe, dann mache ich mir so den Weg zu meinem Ziel. Wenn ich überfordert bin denke ich mir, ok, ich mache das jetzt, das ist das Wichtigste, dann kommt das Nächste und so weiter.“

Was hältst du von Klischees, dass Leute, die Videospiele spielen, herumschreien und Sachen durch die Gegend werfen?

„Um ehrlich zu sein muss ich sagen, dass viele Leute aggressiv durch das Spiel werden, aber nicht durch die Gegner, sondern, dass man schlechter ist als der Gegner. Weil du schlechter bist als der Gegner, du aber besser sein willst, du es aber nicht schaffst, weil die Internetverbindung schlecht oder der Gegner einfach um ein paar Hundertstel Sekunden schneller war.“

Ist das dann so wie bei Mensch-ärgere-dich-nicht, wenn man mit dem Würfel Pech hat?

„Nein, weil zum Beispiel eine schlechte Internetverbindung nicht Glück ist, sondern das kann man organisieren, wie gute Laufschuhe. Aber wie du selbst performst oder Bugs im Spiel, das ist dann wieder Glück.“

Hast du das Gefühl, dass das Spiel absichtlich Gegner nicht ganz auf Augenhöhe einschätzt?

„Ja, das Spiel war früher, wo ich angefangen hab, wirklich unbalanciert, es wurden verschiedene Ränge gemischt. Es ist ein bisschen unfair gemacht, man wird mit ein bisschen besseren Spielern verglichen. Wenn das Spiel merkt, du hast fünf Spiele gewonnen, kommst du zu einer schwierigeren Partie, wenn du fünf Spiele verlierst, sinkst du.“

Wie ist das mit Frauen und Videospielen? Ein veraltertes Klischee? Wie nimmst du das als Spieler wahr?

„Also ich kenn schon ein paar Frauen, die LoL spielen, ich glaub‘ über die Jahre sinds vielleicht 15 an der Zahl, mehr nicht.“

Und wieso glaubst du das ist das so?

„Ich hab‘ das Gefühl, die sind nicht so begeistert davon, da sind zu viele Männer im Umlauf und vielleicht können sie sich auch nciht so gut unterhalten.“

Das heisst, es geht bei LoL nicht nur darum zu gewinnen, sondern miteinander zu kommunizieren?

„Ja, ich finde, es macht am meisten Spaß, wenn man mit vier, fünf Freunden gemeinsam spielt und gemeinsam eine Taktik plant. So kann man sich auf seine Aufgabe konzentrieren und gemeinsam gewinnen.“

Kann jede*r LoL spielen?

„Ja, es kann jeder spielen , so wie bei Mensch ärgere dich nicht, wenn du die geistige Kraft hast, dich nicht zu sehr darüber zu ärgern oder es zumindestens wegstecken kannst, weil es ist ja immer noch ein Spiel, dann funktioniert das ganz gut. Ich finde nicht, dass es da eine Altersbeschränkung gibt. Weil ich kenn auch zwei, drei Leute, die sind über 50 und sie spielen teilweise besser als die Jüngeren, weil sie mehr Erfahrung haben.“

Wie wird man zu einem*r besseren Spieler*in?

„Sich Videos von Profis anzuschauen, das ist mein Ratschlag, für alles, was du lernen willst, wie zum Beispiel Klavier lernen, was ich gerade mache. Schau‘ dir Leute an, die es können, die zeigen dir was und du kannst es dir abschauen. So habe ich auch Jungle gelernt, ich hab mir den besten Spieler angeschaut und dann habe ich mir überlegt: „Ah, wieso macht er jetzt das, wie kauft er das und geht dorthin?“ Sobald man es nachvollzogen hat, kann man es selbst auch machen. Und ja, dadurch bin ich auch besser geworden und auch generell mit dem Spiel.“

Was sind deine Statistiken?

„Ich habe den Silberrang und am meisten spiele ich die Champions Rengar, Kha’zix und Lee Sine.“

Wo kann man mehr über Lol lernen?

„Also das Spiel hat sich ja sehr entwickelt, es gab zum Beispiel keine Tutorials und man wurde ins kalte Wasser geworfen und alle waren besser als du, klarerweise. Mittlerweile gibt es eine Einweisung, es ist sehr gut geworden und am Anfang spielt man nicht gegen echte Spieler, sondern Roboter sozusagen und man wird vorbereitet. Ich würde mir auch Videos ansehen, wie man das Spiel am besten spielen kann.“

Und gibt’s ein Vorurteil, was du gerne über LoL aufräumen würdest?

Ein Vorurteil ist wahrscheinlich, dass alles kleine Kinder sind, so 13-Jährige, die sich nicht auskennen, aber in Wahrheit ist die Quote über 16 höher als unter 16, also LoL ist kein Kinderspiel, auch, wenn man das oft hört.

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