Wie du Prüfungen meisterst

Es ist Anfang Januar, 2021 hat gerade erst begonnen und eigentlich sind wir noch motiviert. An den Unis macht sich allerdings ein wenig „Panik“ breit, man sieht mehr und mehr Leute in den Bibliotheken (zumindestens wäre das der Fall ohne dem Coronavirus), denn die Prüfungswoche naht.
Nach mehr als 45 erfolgreich abgelegten Prüfungen in meinem Bachelor- und Masterstudium an der Universität Wien dachte ich mir, dass ich dir verrate, wie du dich am besten für Uniprüfungen vorbereiten kannst (das gilt aber auch für Schularbeiten oder Tests in der Schule 🙂 ).

Was musst du alles lernen?

Bevor wir uns fragen, wie wir lernen, sollten wir wissen, was es überhaupt alles zu lernen gibt. Manchmal gibt es nur Powerpointfolien, manchmal solltest du zusätzlich ein Buch lesen, manchmal musst du einen fertigen Essay zur Prüfung mitnehmen. Wenn du weißt, was alles zu tun ist, kannst du dich mit gutem Gewissen ans Lernen machen. Üblicherweise findet man das im Moodlekurs, auf den Folien/Notizen aus der ersten Einheit.

Wenn du deine Materialien beisammen hast, kannst du dir einen Überblick verschaffen, ich mache das gerne mit einem Wochenplan und rechne mir aus, bis wann ich meine Materialien durcharbeiten muss, um noch genug Zeit zum Wiederholen zu haben Idealerweise bin ich gerne eine Woche vor der Prüfung spätestens fertig mit dem Lernen und wiederhole nur mehr.
Dieser Zeitplan ist für mich wie ein Inhaltsverzeichnis, ich versuche, die Themen sinnvoll aneinanderzureihen, normalerweise ist ja aber auch die Vorlesung oder das Seminar in einer logischen Reihung abgehalten worden.

Bevor es aber wirklich ans Lernen geht, überlege ich mir, wie es mir mit der Prüfung geht. Das hört sich jetzt ein bisschen sinnlos an, mir hilft diese Reflexion aber, weil ich genau weiß, welchen Themen ich vielleicht mehr Zeit geben sollte. In diesem Schritt merkst du spätestens, ob dir der Prüfungsstoff Spaß macht, ob es dich annervt, ob du Angst hast.

Wie lerne ich?

Wenn es online Materialien gibt (was im Moment vermutlich der Fall sein wird mit Distance Learning), kannst du dich fragen, ob du es ausdrucken willst oder ob du sozusagen vom Bildschirm lernen kannst, vielleicht willst du aber auch dir mit der Hand Notizen machen. Musst du dir aber vielleicht die Pflichtlektüre aus einer Bibliothek ausleihen oder Rechnungen wiederholen, dir Formeln merken?
Wenn du weißt, was dein Lernstoff ist und wie es dir damit geht, wird dir auch langsam klar werden, wie du lernen solltest. Ich persönlich lerne anders bei einer Multiple Choice Prüfung in Psychologie als bei einem Prüfungsessay in Philosophie. Hier geht es um die Nuancen im Lernmaterial: Wenn ich einen zusammenhängenden Text schreiben soll, überlege ich mir vorher, welche Zusammenhänge zwischen den Konzepten und Autor*innen vorhanden sind, welche Zugänge vielleicht besonders interessant sind; bei einer Multiple Choice Prüfung allerdings lege ich mehr Fokus auf Faktenwissen und Jahreszahlen. Dieser Punkt richtet sich auch jeweils nach dem Studium, das du belegt hast, da es viele Unterschiede in den Lernmethoden in Medizin, Rechtswissenschaften, Chemie oder aber auch Geisteswissenschaften, wie mein Studium, gibt.

Früher habe ich mich gerne tagelang in der Bibliothek eingesperrt, heute bin ich aber nicht mehr so ein Fan davon. There is a time and place for that, zum Beispiel als ich meine Bachelorarbeiten letztes Jahr über Weihnachten fertig geschrieben habe, aber es kann da manchmal an der Ausdauer scheitern – entweder wird man kurz davor noch krank, weil das Immunsystem aufgibt (schlechtes Essen und kaum Bewegung), man gereizt, unglücklich oder die Nerven aufgebraucht sind und man im Endeffekt die Prüfung im schlimmsten Fall tatsächlich versemmelt. Ich würde dir nach jahrelanger Erfahrung stattdessen raten, einen Zeitplan zu erstellen, der kann zum Beispiel so aussehen: Das ganze Monat 2021 Januar ist abgebildet, wichtige Termine wie eine Geburtstagsfeier (online natürlich) und Arbeitstermine. So siehst du den Monat realistisch und nicht idealistisch. Auf diesem Terminplan gibt es eine Extraspalte für deine Lerntermine und kleiner Tipp am Rande: Plane dir ein, zwei Puffertage ein, denn falls etwas dazwischenkommen sollte, gibt es keinen Grund um zu verweifeln, weil du ja vorgesorgt hast. Du kannst den Tag dann entweder doch lernen oder dir einen Pausentag gönnen, weil du weißt, dass sich trotzdem alles gut ausgehen wird.

Zu Beginn meines Studiums war das Zusammenfassen für mich die einzige Methode, mit der ich gelernt habe. Ich muss heute ein bisschen darüber lachen, weil die Wissenschaft immer und immer wieder gezeigt hat, dass die Methode gar nicht so erfolgreich ist, sondern Active Recall.

Active recall is a principle of efficient learning, which claims the need to actively stimulate memory during the learning process. It contrasts with passive review, in which the learning material is processed passively.

Quelle

Das bedeutet, bei Active Recall geht es vor allem darum, das Gelernte zu wiederholen und Pausen zuzulassen, also genau das gegenteilige Nächte-durch-Lernen, das so oft an der Uni vorkommt. Ich verlinke dir dir unten zwei Videos, die das im Detail erklären. Ich weiß nicht, wann deine Prüfung ansteht, allerdings wäre es eine gute Überlegung deine Lernroutine upzudaten, um in der Zukunft weniger Stress zu haben. Ich persönlich bin ein echt großer Fan davon. Ich benutze dafür die App Anki, in der man sich digitale Lernkarten erstellen kann. Die physische Variante habe ich aufgegeben, als ich mehr als 3000 Wörter für meine Lateinprüfung lernen musste (die digitale Version lässt sich auch schneller schreiben 😉 ).

Du verstehst die Materialien nicht ganz?

Falls dir gewisse Bereiche auch nach dem Überblick, Zusammenfassungen oder Anki unklar sind, kann ich dir empfehlen, „einfachere“ Bücher zu lesen, ein Tutorium zu besuchen, zusätzlich im Internet zu recherchieren (ich mache das gerne mit Youtube) oder zumindestens in einer Facebook Gruppe deiner Studienrichtung nachzufragen. Kläre für dich die Fremdwörter und Fachbegriffe, die bei dir nur große Fragezeichen auslösen. Falls es eine Prüfung sein sollte, die du schon zum zweiten Mal schreiben musst, kannst du dir auch vielleicht eine Nachhilfe suchen, die dir 1:1 helfen kann (auch hier einfach mal in der Facebook Gruppe nachfragen).

Tipps zum Schluss

An der Stelle ist es auch wichtig nachzusehen, wie der Professor*in die Prüfung gestaltet, meistens erwähnen sie das bereits in der ersten Einheit des Semester, du kannst aber auch eine Email senden oder bei Studienkolleg*innen online nachfragen. Bei großen Vorlesungen kursieren auch Altfragen im Internet, die du ruhig zum Lernen nutzen kannst, dich aber nicht vollständig darauf verlassen solltest.

Wann muss ich mich anmelden?

Das wäre dann auch der Zeitpunkt sich für die Prüfung anzumelden. Wo findet sie statt, hast du vorher noch einen anderen Termin oder bist du in der Arbeit? Schau nochmal nach, ob du Stifte und deinen Studienausweis hast – auch das kann einmal passieren. Vielleicht darfst du auch ein Lexikon mitnehmen, wie zum Beispiel ich bei meiner Lateinprüfung, deswegen lieber doppelt kontrollieren als dann ausrasten. Achte auch darauf, dass du was im Magen hast (Kaffee/Tee, Müsliriegel, Mittagessen) und die Nacht früh zu Bett gehst, damit sich dein Kopf erholen kann.

Was, wenn ich Angst habe?

Falls du Prüfungsangst hast, ist das in Ordnung. Du bist da nicht alleine. Mir hilft vor allem in der Gedanke, dass ich mich ja gut für die Prüfung vorbereitet und proaktiv gehandelt habe.
Wenn du eine kommissionelle Prüfung hast, noch ein paar Extraworte an dich: Eine kommissionelle Prüfung kann man ein wenig mit einer Wiederholungsprüfung am Schulbeginn, um in die nächste Klasse aufsteigen zu können oder sitzen bleiben – nur, dass man eine zeitlang für die Prüfung danach blockiert ist und man deswegen Studienzeit und Lebenszeit verliert. Ich hatte so eine Prüfung im Juni 2019 und die Monate davor waren richtig, richtig schrecklich. Gefühle wie Scham, Angst und Selbstzweifel schwirren einem durch den Kopf, ich habe mich dumm und wertlos gefühlt. Ich kann dir nur mit auf den Weg geben, dass du es schaffen kannst, wenn du einen kühlen Kopf behältst. Es geht nicht nur um die Inhalte, sondern auch um starke Nerven, dass du dir eingestehst, bei deinem Lernen umdenken zu müssen und – so kitschig es auch ist – an dich glaubst.

Viel Glück beim Lernen!

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