Was wirklich Einfluss auf dein Lernen hat

Immer wieder stellt sich die Frage, was Einfluss auf das Lernen hat, vor allem, am Ende auf deine Leistung hat – in Form von einer Prüfung oder anderen Bereichen. In diesem Bereich gibt es eine ganz berühmte Publikation der 2000er Jahre – John Hatties umfassende Studie. Fast jeder, der Lehramt studiert, wird von ihr wohl oder übels gehört haben, als Studentin habe ich immer wieder eingetrichtert bekommen, dass vor allem die Lehrpersone einen enorm großen Einfluss auf das Lernen hat.

Wer sind Hattie und Anderman?

John Hattie und Eric M. Anderman sind Pädagogen, die sich viele, viele Studien genau angesehen und ermittelt haben, was wirklich Einfluss hat auf Lernen und Leistung.

Visible Learning and Teaching occurs when teachers see learning through the eyes of students and help them become their own teachers.

John Hattie

An der Uni Wien kannst du dir das Buch gratis ansehen und durchlesen, wenn du als Bibliotheknutzer*in registriert bist (wie das funktioniert, findest du hier).

Für die Transparenz ist mir aber noch ganz wichtig: Visible Learning (2019), das Buch, aus dem ich gleich ein paar Ergebnisse präsentieren werde, hat Kritik hinsichtlich der Berechnung von Effektgrößen erhalten, mehr kannst du hier lesen.

Was haben Sie herausgefunden?

Unten findest du die Ergebnisse mit den Seitenzahlen in Klammer, falls du nachrecherchieren möchtest.

Einflüsse auf den Schüler:

  • Die Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen sind nur minimal (44)
  • Schüler*innen sollen unbedingt lernen, wie sie angemessene Ziele setzen können, da man sie dadurch leichter erreicht, wenn sie spezifisch, erreichbar und stetig evaluiert werden (45)
  • Die Selbsteffizienz (Vertrauen in eigene Fertigkeiten) ist für die Schüler*innen sehr wichtig (46)
  • Physische Aktivitäten (Sport, Spazieren, …) können nicht nur das akademische, sondern auch das emotionale Wohlbefinden steigern (48)

Einflüsse von Zuhause:

  • Die Leistung ist höher, wenn Eltern den Wert von Bildung anerkennen und somit die Kinder unterstützen und ermutigen, beispielsweise regelmäßig zu lernen und Hausaufgaben zu machen (72)
  • Sozioökonomische Status hängt mit Leistung zusammen – je höher, desto besser(73)
  • Der Einfluss von Fernsehen ist auf die Leistung eher klein, wobei damit aber oft andere Faktoren in Verbindung stehen, wie Fernsehprogramm, Schlaf, … (73)

Einflüsse von der Schule:

  • Klassengröße hat nicht so den großen Einfluss, wie man zunächst ahnen könnte (111)
  • Die Größe der Lernräume hat auch einen Einfluss, da hier oft vermehrt Bewegung für die Lernenden einhergeht (111)
  • Wenn mentales Wohlbefinden unterstützt wird, ist die Leistung der Schüler*innen auch höher (111)

Einflüsse vom Lehrenden und Klassenzimmer:

  • Lehrende sollten dazu ermutigt werden, reflektierend zu arbeiten, sowie ihre Glaubenssätze, Verhaltensweisen und Biase regelmäßig zu Überprüfen (181)
  • Führungskräfte (Direktor*innen beispielsweise) sollten Lehrende dazu ermutigen, autonom zu handeln und, ebenso wie die Lernenden, sich spezifische Ziele stecken und positive Beziehungen zwischen den Lernenden zu schaffen
  • Lehrer*innen können helfen, indem nicht nur die Ziele der Lernenden, sondern auch soziodynamische Aspekte, wie Freundschaften, im Unterricht berücksichtigt werden (48)
  • Fortbildungen für Lehrkräfte wirken sich auf die Leistung von Lernenden aus und sollten regelmäßig gemacht werden (182)

Einflüsse vom Curriculum:

  • Spielbasierte Curricula sind mehr effektiv als direkte Instruktion, wie beispielsweise der Frontalunterricht (243)
  • Die Kreativität der Lernenden sollte nicht evaluiert werden, besonders nicht das Endprodukt, sondern eher auf dem Prozess (243)
  • Bildung sollte auch draußen stattfinden, wie beispielsweise durch Abenteuerprogramme (243)
  • Beim Sprachenlernen ist wiederholtes Lesen nur dann effektiv, wenn es Feedback für spezifische Worte gibt und somit spezifische Ziele gesetzt werden können
  • Lernstrategien sollten im Fokus stehen, damit Vokabeln leichter gelernt oder andere Inhalte besser gemerkt werden können (245)
  • Nicht nur eine Art von Instruktion ist gut (spezifisch wird hier über Mathematik gesprochen) (246)

Einflüsse von Lehrtechniken:

  • Metakognitive Strategien sind im Unterrichtsgeschehen sehr wichtig, wie beispielsweise Monitoring, Planen, Selbstreflektieren oder auch Evaluieren. Die Lehrenden sollten sie nicht nur vorzeigen, sondern auch selbst verwenden (320)
  • Feedback ist dann hilfreich, wenn es spezifisch ist und Ideen für Verbesserungen vorschlägt (322)
  • Inhalte und Fertigkeiten, die gelernt werden sollen, sollten nicht nur einmal präsentiert werden, sondern wiederholt immer wieder auftauchen, auch von den Lernenden (322)
  • Offene Fragen, also nicht nur Informationen wiederzugeben, sondern auch das Wissen aktiv anwenden sind besser, als geschlossene Fragen (Ja oder Nein Fragen) (323)
  • Technologie sollte nicht die Instruktion an sich sein, sondern eher als Unterstützung verwendet werden (324)

Grafischer Überblick

Was lernen wir daraus?

Lernen und Leistung sind komplexe Bereiche, die von mehr als einem Faktor beeinflusst werden.

Meiner Meinung verdeutlichen die Ergebnisse von Hattie und Anderman, dass das Lernen von außen, aber auch von innen beeinflusst werden. Ideal wäre es, wenn wir Lehrende haben, die uns spezifische Ziele geben und Feedback individualisiert verteilt, allerdings kann man, wenn man sich dessen bewusst ist, auch selbst mehr dabei helfen, besser zu lernen.

Mehr von mir:

Nachdenkliches Schule und Studium

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