Wie du deine VWA schreiben wirst

Was ist die VWA?

Seit dem Schuljahr 2014/2015 ist es in Österreich verpflichtend, dass Schüler*innen der allgemeinbildenden höheren Schulen (AHS) eine vorwissenschaftliche Arbeit (VWA) schreiben, um ihre Matura, auch Reifeprüfung genannt, zu erhalten.
Das Thema dieser Arbeit wird von den Schüler*innen gemeinsam mit den betreuenden Lehrer*innen festgelegt und hat am Ende rund 15 bis 25 Seiten (40.000 und 60.000 Zeichen – mit Leerzeichen). Man schreibt diese Arbeit aber nicht nur, sondern präsentiert sie wenige Wochen vor der schriftlichen und mündlichen Reifeprüfung.
Wenn deine VWA negativ bewertet wird, musst du dir ein anderes Thema aussuchen und sie nochmals verfassen – denn selbst wenn du die mündliche und schriftliche Reifeprüfung bestehst, erhältst du ohne positive VWA kein Abschlusszeugnis.

Vom Auswählen deines Themas bis zur Präsentation vergeht viel Zeit, bis zu 1 1/2 Schuljahre. Auf der AHS-VWA Website gibt es einen Zeitstreifen, der das toll visualisiert:

Aber wie schreibe ich jetzt meine VWA?

So viel zur Theorie, jetzt geht es in die Praxis. Ich werde dir jetzt in sechs Schritten erklären, wie du deine VWA schreiben wirst.

  • 1. Thema

    Zu Beginn der 7. Klasse, also dem Jahr vor der Matura, findest du dein Thema. Dafür gibt es unterschiedliche Methoden:

    • Welches Schulfach interessiert dich am meisten?
    • Welches Thema würdest du gerne näher kennenlernen und erforschen?
    • In welchem Schulfach hast du die besten Noten?
    • Was macht dir am meisten Spaß in der Schule und in deiner Freizeit?


    Falls dir diese Fragen nicht weiterhelfen, kann ich dir einen Besuch deiner Schulbücherei empfehlen. Das Internet hat viele Vorteile, ein Nachteil ist aber, dass das Wissen nicht ‚physisch‘ bei dir ist. Wenn du durch eine Bücherei (oder die Buchhandlung deines Vertrauens) gehst, merkst du mit der Zeit, in welche ‚Ecken‘ es dich zieht.
    Im Falle der Schulbücherei kann es vielleicht sogar sein, dass alte VWA’s ausgestellt sind. Wenn du dich von anderen Themen und Bereichen inspirieren lässt, findest du automatisch dein Thema viel leichter.

  • 2. Betreuer*in

    Wenn du grob dein Thema hast, folgt schulintern eine Anmeldung, die unterschiedlich verlaufen kann, bei mir musste ich Wunschbetreuer*in und Wunschthema oldschool auf ein Blatt Papier aufschreiben. Es gehörte aber schon eine ordentliche Portion Risiko dazu, da eine Lehrperson nur fünf Schüler*innen gleichzeitig betreuen durfte, in meinem Fall hat es dann noch eine zweite Runde mit Losen gegeben. Da habe ich es dann aber tatsächlich geschafft, bei meiner Wunschbetreuerin zu bleiben – Risiko kann ich dir da nur ans Herz legen 🙂 Am Ende bekommst du nämlich zu 100% einen Betreuer für dein Thema, das muss die Schule dir garantieren.

    Wenn du dann eine Lehrperson hast, die dich beim Schreiben deiner VWA betreut, gratuliere ich dir erst einmal, denn Schritt 1 ist geschafft ;-)Wie es mit der Zukunft weiter geht, kann ich dir nicht genau sagen: Manche Betreuer*innen wollten, dass man sich einmal monatlich trifft und ein paar Seiten vorweist, andere waren lockerer unterwegs und wollten sich nur dann treffen, wenn es konkrete Frage gab.
    Wichtig ist, dass du dich selbst einschätzt – vielleicht tun dir ja mehr Treffen ja ganz gut, weil sie dich motivieren? Sprich‘ am besten offen mit deinem*deiner Lehrer*in.

  • 3. Formale Aspekte
    Ich kann dir wirklich raten, dass du dir schon vor dem Schreiben und Recherchieren einmal die formalen Regeln (also wie dein Text aussehen muss) ansiehst.
    Du musst noch nicht gleich alles von Anfang an so befolgen, aber es hilft dir beim Recherchieren (Tipp #3).
    Auf der AHS-VWA Website, die ich schon weiter oben erwähnt habe, gibt es eine tolle Übersicht. Zum Beispiel brauchst du eine Plagiatserklärung (ein ‚Versprechen‘, dass du nicht abgeschrieben hast), ein Literaturverzeichnis (mit all deinen Quellen, wie Bücher, Zeitschriften, Internetquellen oder aber auch Filme) und musst die Quellen nach einer bestimmten Zitationsweise nennen.

  • 4. Recherche
    Es gibt viele unterschiedliche Orte, um die Informationen zu finden, die du in deiner VWA verwenden willst:

    • Das Internet und Wikipedia sind vermutlich der erste Stopp. Zitieren würde ich sie nicht, aber es kann dir eine Hilfe sein beim Finden von Quellen (ganz unten sind immer welche genannt) oder Ansichtsweisen.
    • Der zweite Stopp ist das Nachfragen bei deinem*deiner Betreuer*in, vielleicht gibt es konkrete Buchempfehlungen für dich, so kann man auch gut starten.
    • Stopp Drei ist die Schulbücherei – vielleicht findest du auch andere VWA’s zur Inspiration (Tipp #1).
    • Der vierte Stopp ist deine Stadtbücherei, es gibt eine größere Auswahl und manchmal sogar ein Archiv mit älteren Artikel aus Zeitungen und Magazinen, wenn du sie benötigen würdest.
    • Der fünfte und letzte Stopp ist die Universitätsbibliothek. Wenn du in erreichbarer Nähe solch einer lebst, ist es wirklich die Mühe wert, dorthin zu fahren. (Achtung, eventuell musst du dir einen Ausweis machen – an der Universität Wien funktioniert das so).


    Aber warum solltest du so viele unterschiedliche Orte mit Büchern aufsuchen? Nun, es gibt zunächst viel mehr Bücher in einer Universität, als in der Stadtbücherei und in deiner Schulbücherei. Der zweite Vorteil ist, dass man mit dem Bibliotheksausweis einer Uni auch an sogenannte Fachbereichsbibliotheken darf – das sind Büchersammlungen für ganz spezifische Themen. An der Uni Wien gibt es zum Beispiel:

    • Astronomie
    • Mathematik
    • Wirtschaftswissenschaften
    • Romanistik
    • Psychologie
    • Ostasienwissenschaften
    • Botanik


    … und viele mehr.

    Du kannst dir die Bücher ausleihen, aber weit weg wohnst, kopiere dir die wichtigen Seiten, eine andere Option ist das Einscannen. Ganz im Sinne des 21. Jahrhunderts kannst du die Inhalte auch abfotografieren. Aber Achtung: Wichtig ist es, dass du bei der Recherche schon deine Quellen aufschreibst (Tipp #3). Das sind:

    • Autor*innen
    • Herausgeber*innen
    • Jahr
    • Name des Werks, des Artikels, …
    • Verlag
    • Auflage
    • Seitenanzahl


    Wieso brauchen wir aber diese Quellen? Der Sinn ist, dass interessierte Lesende deiner Arbeit alles nachrecherchieren können, es soll aber auch zeigen, dass du nicht abgeschrieben und kein Plagiat hats (Tipp #3).

  • 5. Erwartungshorizont
    Wenn du Thema, Betreuer*in und die erste Recherche hinter dir hast, wird es Zeit, den Erwartungshorizont zu schreiben und einzureichen. Der Unterschied zu deiner ersten Anmeldung ist, dass eine konkrete Idee vorhanden sein muss.
    Zum Beispiel:

    • Physik -> Erneuerbare Energien -> Solarzellen
    • Biologie -> Photosynthese -> Photosynthese bei einer bestimmten Pflanze
    • Deutsch -> Gedichte -> Liebeslyrik bei Goethe
    • Geschichte und Politische Bildung -> Amerika und Politik -> Überblick der Wahl 2016 (Theorie) und online Fragebogen zur Erhebung von Daten (Praxis)


    Achtung: Das, was in deinem Erwartungshorizont steht, sollte am Ende auch in deiner VWA zu finden sein. Schreib‘ also lieber nicht zu viel unsichere Ideen hinein, wo du am Ende nicht weißt, ob und wie du sie umsetzen sollst. Spätestens beim Erwartungshorizont brauchst du einen Titel und mein Tipp ist, etwas zu finden, was leicht über die Lippen geht (also nicht allzu lang oder kompliziert).
    Das hilft dir später dann auch sehr dabei, wenn du mit anderen Personen über deine Arbeit sprichst und ihr Feedback haben willst. Denn du bist ‚ganz drinnen‘ in deinem Thema, andere aber nicht. Falls du besorgt bist, deswegen hast du deinen*deine Betreur*in und man kann mehrere Male diesen Text überarbeiten.

  • 6. Schreibblockade
    Auch das spannendste Thema kann einmal weniger spannend wirken. Das Problem ist, dass man die Arbeit fast 1 1/2 Jahre an seiner Seite hat und manchmal kann man sie einfach nicht mehr sehen, das ist völlig in Ordnung.
    Wenn du eine Schreibblockade hast, gibt es unterschiedliche Ansätze sie zu überwinden:

    • Babysprache: Wenn du noch nicht die richtigen Worte findest, suche nicht nach ihnen – schreib‘ einfach das auf, was dir durch den Kopf geht, auch, wenn es Babysprache ist. Es hilft dir vielleicht dabei, über deinen Schatten zu springen.
    • Alltagssprache: Wenn dir nichts ‚Neues‘ mehr einfällt, kannst du die Zeit nutzen, den Sprachstil deiner Arbeit zu überarbeiten, das geht dann von Alltagssprache in Wissenschaftsprache über, das bedeutet, du verwendest Fachbegriffe. Aber wo findest du die Fachbegriffe?
    • Neue Literatur finden: Eine Schreibblockade zu lösen und Fachbegriffe zu finden kannst du mit einem Schlag klären, indem du neue Literatur findest. Versuche, deinen Horizont zu erweitern und neue Orte des Wissens zu deinem Thema zu finden (Tipp #4).
    • Auf AHS-VWA Website finden sich auch gute Tipps für Zeiten mit Schreibblockaden.

Und wie war das bei mir?

Das Schulfach, in dem ich meine VWA geschrieben habe, war schnell gefunden – das, was mich am meisten interessiert hat. Am Ende ging es dann in meiner VWA um Gedichtsanalysen an ausgewählter Lyrik von Johann Wolfgang von Goethe, weil mir besonders Textinterpretationen und -analysen im Deutschunterricht immer besonders Spaß gemacht haben.


Ein Tipp am Ende von mir ist es noch, dass du versucht, über den Tellerrand zu blicken. Jedes Thema ist einzigartig, jeder Zugang auf seine eigene Art und Weise spannend – das wird dir vielleicht schon im Laufe deiner Schulkarriere aufgefallen sein, vielleicht wird es das noch später in Studium und Beruf.

An der Stelle kann wünsch‘ ich dir Glück bei deiner VWA – du schaffst das!

Falls du dich fragst, wieso ich so gendere….

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