Wieso ich seit drei Jahren keinen Alkohol mehr trinke

Seit April 2017 trinke ich keinen Alkohol mehr. Es ist nicht aufgrund meiner veganen Ernährung oder aus religiösen Gründen.
Auch nicht, weil ich schwanger werden möchte oder einst alkoholkrank war.
Aber wieso denn dann?

Meine Alkoholgeschichte

Meine erste richtige Erfahrung mit Alkohol hatte ich an meinem 16. Geburtstag, danach ging es für mich regelmäßig auf Partys, vor allem in den Sommermonaten. Die „Feiertage“ wie Halloween, Ostern oder Fasching waren für mich wichtig, genauso wie die Geburtstage meiner Freundinnen, wochenlang habe ich mich darauf gefreut und die Abende sehnsuchtsvoll erwartet.

Das Thema Jungs ist eng verknüpft mit meiner Alkoholgeschichte, weil es ein Gesprächsbeginn ist, wenn jemand dich auf etwas einlädt und man ihm gefallen will, indem man zeigt, was für ein „cooles“ Mädchen man ist.
Das war es vor allem – man war cool, wenn man Alkohol trank, wenn man viel vertrug. Im Laufe der Zeit wollte ich kein Wodka Red Bull mehr, sondern nur Tequila und Jägermeister. Ich muss heute wirklich schmunzeln, wenn ich das schreibe, weil ich es nicht zum Beispiel getrunken habe, weil ich den Geschmack mochte, sondern, weil ich andere damit beeindrucken wollte, wie viel ich trinken kann.
Meine innere Romantikerin hat auch immer darauf gehofft, dass der Alkohol bei den Herren nicht nur die Gesprächsbereitschaft erhöht, sondern auch das Tanzbein – in der Realität ist das (leider) nie geschehen.

Mit 16 hatte ich meinen ersten Kuss und habe mich so sehr gefreut, hatte so hohe Erwartungen, wollte das Feuerwerk, wie es mir in allen Disneyfilmen vorgeschwebt wurde. Langfristig hatte ich weder eine Beziehung mit diesem Jungen noch großartig eine Erinnerung, weil ich mich nicht mehr wirklich daran erinnern kann – auch hier war Alkohol im Spiel.

Mit 17 war es dann unheimlich cool, wenn man „restfett“ (also mit einem Hangover) in die Schule ging, deswegen habe ich das auch ein, zwei Mal gemacht.

An das letzte Mal, als ich betrunken war, kann ich mich noch genau erinnern: Wir schreiben März 2017, ich bin 19, ein paar Tage bevor ich das erste Mal nach Japan fliege um meinen Lebenstraum zu erfüllen. Ich war so froh und hatte das Gefühl, endlich wieder auf einer guten Schiene zu sein, auf dem Weg zu Wolke 7, so glücklich, dass ich mir dachte: „Joa, das muss man ja jetzt zelebrieren – her mit dem Jägermeister“.
Am nächsten Tag ging es mir, so wie jedes Mal, nicht so gut, müde und ausgelaugt, mental habe ich mich gefühlt wie in einem kleinen, staubigen Kasten, gefangen in meinen Gedanken. Ich war gerädert, musste aber noch weiterpacken – konnte nicht, weil ich schlaff und schlecht gelaunt war… Es war nur eine leise Stimme, aber sie war da: „Das wars. Ich will nicht mehr trinken.“

Ich akzeptiere meine Geschichte mit Alkohol, erinnere mich gerne an die Zeit meiner Jugend, die Situationen und die Menschen zurück, wie an einen Sonnenaufgang im ländlichen Niederösterreich, weil ich bis 5 Uhr unterwegs war.

Aber wieso trinke ich dann nicht mehr?

Ich werde wohl nie den Moment vergessen, als ich ein paar Monate später das erste Mal in die Wohnung eines Mannes kam, den ich sehr mochte, natürlich voller Aufregung, aber das Einzige, was ich roch, war der Geruch von alten Bierdosen und anderen Spirituosen. Da wurde mir klar, dass meine innere Stimme nicht mehr so leise war, ich fühlte mich unwohl – das Thema Alkohol würde uns als Paar vermutlich sehr trennen.

Natürlich kann Alkohol verdammt viel Spaß machen – Dopamin wird ausgeschüttet, die Zunge wird locker und man ist mutig. Viele Erlebnisse in meinem Leben entstanden nur, weil ich und andere getrunken haben.

Für mich persönlich hat sich aber an diesem einen Märzabend 2017 herauskristallisiert, dass Alkohol langsam zu etwas geworden war, das ich brauchte, um eigentlich ganz andere Dinge zu tun: Mit jemandem ehrlich zu sein, mich zu melden, stolz auf mich zu sein und einfach mal wieder so richtig zu tanzen oder zu weinen. Ich will das alles tun und sagen können ohne vorher etwas intus haben zu müssen.

Früher hatte ich am selben Abend oft das Gefühl, dass ich langsamer denke, meine Motorik lässt nach und entgegen dem Glauben werde ich nicht kreativer, sondern aggressiver. Es waren immer die Momente, wo ich aufhören hätte sollen zu trinken, in denen ich auf die glorreiche Idee kam zu dem Jungen zu gehen, der meiner Freundin das Herz gebrochen hat und „endlich für Gerechtigkeit“ zu sorgen.
Und wie es mir am nächsten Tag geht, habe ich schon angedeutet: müde, gereizt, Stimmungsschwankungen… Keine Kraft für die Dinge, die ich auch tun will, wie Sport, lernen oder rausgehen.
Und um ganz ehrlich zu sein: Am Ende des Tages will ich mein Geld lieber für Essen ausgeben.

Das alles heißt nicht, dass ich andere Leute verurteile, die Alkohol trinken, regelmäßig oder zu bestimmten Anlässen, im Gegenteil, ich respektiere ihre Entscheidung.

Und heute?

Drei Jahre später bin ich mit meiner Entscheidung immer noch sehr zufrieden. Ich gehe noch immer gerne auf Partys und tanzen, auch wenn ich manchmal ein wenig das Gefühl habe, dass ich komisch angesehen werde – aber auch das ist okay, wenn ich dafür im Einklang mit mir und meinem Körper sein kann.

Es ist auch deine Entscheidung was du tust und was nicht, was du isst und was du abends trinkst.

Tu einfach das, was sich für dich richtig anfühlt!

Mein Leben

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