4. Woche Selbstisolation in Wien

Wir schreiben Freitag, den 10.4., und ich bin seit über vier Wochen isoliert. Nicht mehr in der Arbeit, nicht mehr in der Uni, generell nicht mehr so viel draußen. Wie es mir in den letzten Wochen damit so ergangen ist, kannst du in meinem Beitrag heute lesen.

Was hat sich in diesen vier Wochen getan?

Vier Woche, 28 Tage, 672 Stunden oder aber auch 40320 Minuten.

Zu Beginn änderte sich in den Nachrichten Tag für Tag die Situation. Deswegen habe ich die meiste Zeit auf Webseiten verbracht und mir das Steigen der Infektionszahlen sehr zu Herzen gehen lassen. Wirklich auf das Studium konzentrieren konnte ich mich nicht. Die Umstellung auf Home-Office gelang mir durch viel Disziplin.

So verging ein wenig Zeit, doch die dritte Woche war schwer für mich, weil meine „Trotzphase“ eingesetzt hat: Mir fehlte alles, was draussen und woanders, als meine Wohnung war, sehr:

Meine Universität, das Büro, das Hinfahren und sich das Treiben der Stadt im Vorbeifahren in der Straßenbahn ansehen und einen kleinen Spaziergang an der Donau machen. Geburtstage von meinen Liebsten, mit dem Zug zu meiner Familie fahren, ein Wochenende mal die Seele dort baumeln lassen und die emotionalen Batterien aufladen.

Stattdessen sah ich, wenn ich versuchte, mich auf Studium oder auf die Arbeit zu konzentrieren, Werbungen der österreichischen Bundesregierung: „Schau auf dich, schau auf mich“. Ich begann, aus dem Fenster zu sehen, als wuerde dahinter das Paradies liegen. Und ich schaute meinen Pflanzen beim Wachsen zu.

In der vierten Woche tragen die Leute in meinem Wohnhaus, im Lift, im Stiegenhaus und beim Spazieren Masken, ein Anblick, der mich persönlich ein bisschen melancholisch macht, da ich es sonst nur von meinen Besuchen in Japan kenne.

Was kann ich dir empfehlen?

Wir alle durchleben zur Zeit Ähnliches, doch zieht jeder andere Schlüsse, wie man damit umgehen kann. Was mir momentan sehr wichtig ist: Stay busy.

In den ersten Wochen, als ich mich nicht sehr auf die Uni konzentrieren konnte, habe ich die Nachrichten laut laufen gelassen und einfach zusammengeräumt und ausgemistet. So konnte ich zum Beispiel meine Wasserfarben wieder finden und mich fragen, wieso ich nicht eigentlich öfter male.

In den Momenten, in denen ich nicht „busy“ war, kamen nämlich Gedanken, die manchmal unangenehm sein können. So etwas wie Reue, wieso man etwas Bestimmtes nicht getan hat. Vielleicht ist es auch die Angst, die man vermehrt spürt, einfach Dinge, die im Alltagsstrudel sonst leicht untergehen.

Du hast vielleicht auch schon Listen gehört von Dingen, die man jetzt tun kann: Seine Kreativität ausleben mit dem Üben von Instrumenten oder auch Basteln.
Vielleicht willst du einen Fokus auf tägliche Bewegung setzen durch Sport, wie einer Yoga Morning Challenge oder auch Pilates.
Du kannst deinen Horizont aber auch mit Podcasts oder Hörbüchern erweitern.
Manche wollen analytisch vorgehen und einplanen, welche Dinge sie nun, in dieser gewonnen Zeitblase, abarbeiten können, seien es Dinge im Haushalt, Lernen oder auch Privaten.

Vielleicht geht es dir so wie mir in der dritten Woche, als ich das Gefühl hatte, dass alles egal ist: Jeder Tag ist gleich, jeder Tag ist wie Samstag oder Sonntag, es ist gleichgültig wann ich etwas tue – aber das stimmt nicht. Gerade jetzt ist es wichtig, was wir tun, wie wir es tun und was wir uns dabei denken.

Für mich ist es eine Übung um zu realisieren, welche Aspekte meines Lebens in meiner Kontrolle stehen und welche nicht. Was kann ich beeinflussen, was sollte ich beeinflussen und worauf sollte ich mich besser nicht fokussieren denken, weil es mich nur runter ziehen würde. Gratitude is key.

Und wenn ich dann mal draußen bin, betrachte ich die Natur und genieße die Architektur – und fühle es. Und die Dinge, die mir jetzt so unendlich fehlen, die Menschen, die Orte, die Aktivitäten, schreibe ich auf und überlege mir, wann und wie ich sie wieder umsetzen kann – mein Kompass wird neu eruiert.

Wir sind alle gemeinsam in dieser Sache, das ist kein Krieg im „klassischen“ Sinne, weil wir einen gemeinsamen Gegner haben.

Wir sind ein Team und schaffen das.

So oft wollen wir in Kontrolle leben – was aber, wenn wir mit Ungewissheit konfrontiert werden?
Was unterscheidet Angst und Liebe in Zeiten wie diesen? Wofür entscheidest du dich?

Mein Leben Nachdenkliches Ratschläge

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