Flashbacks von dir, lass‘ sie gehn…

Mit Ohrwurm im Kopf sitze ich also, schon wieder, an der Bettkante, mit beiden Füßen auf dem kalten Boden. Es ist zwei Uhr in der Früh.

Ich atme aus und bin frustriert. Verdammt frustriert.

"Lass sie gehn, lass sie gehn, lass sie gehn..."

Ich starre in die Dunkelheit und versuche mich an die letzten Bilder zu erinnern. Ich bin auf alle Fälle zu wach, um wieder einschlafen zu können.

Ich tapse durch die Dunkelheit, suche die Hausschlapfen und setze mich auf den Teppich im Wohnzimmer, decke mich zu. Noch einmal atme ich schwer aus und versuche Abschied zu nehmen, von dem, was ich diesmal geträumt habe.

Am Anfang fand ich es ja noch recht spannend. Immer, wenn ich aufwachte, fragte ich mich: „Oh, woher kam das denn?“ Jetzt, viele Nächte später, will ich es nicht mehr sehen, nur meine Ruhe haben.

So verrückt es sich anhört, ich werde von Träumen gejagt, genauer gesagt von Flashbacks. Ich rede mit niemandem darüber, weil ich weiß, wie beschissen sich das anhört, als würde ich mich darüber lustig machen. Diese Erinnerungen springen mich an, aus dem Nichts, ohne, dass ich sie gerufen habe. Ich wache nachts auf, erschricke, als würde Glas zerbrechen. Ich wache mit Worten im Mund auf, vergeblich, weil ich nichts ändern kann. Eine kindliche Stimme in mir fragt sich, ob ich durch die Zeit reise.

Es ist dieses Gefühl des Verloren seins, der Hilflosigkeit, das mich danach nicht sofort wieder einschlafen lässt. Die Bilder in meinem Kopf, sie spielen sich immer wieder von selbst ab. Im halbdunklen Zimmer erinnere ich mich daran, was passiert war.
Ich sehe auf den Boden, den Staub, der sich langsam dort unten sammelt.

"Lass sie gehn, lass sie gehn, lass sie gehn..."

Eine Nacht später will ich schon gar nicht mehr schlafen gehen, ich drücke mich davor. Ich habe das Gefühl, dass mich diese Erinnerungen benutzen. Gefangen in der Vergangenheit.
Ich erinnere mich an burgunderfarbene Pullover, Tomatensalat im Sommer, das große Poster im Zimmer, schneeweiße Schuhe und viel Lachen. Ich beiße mir auf die Lippe. Mir geht das so richtig am Arsch.

Manchmal merke ich, dass ich es verstehen will und manchmal merke ich, dass es mir egal ist.

Ich sehe mir die knallgelbe Verpackung der Schlaftablette an und überlege, ob ich wirklich so weit gehen soll. Zugeben, dass ich wirklich nicht mehr einschlafen kann und darauf hoffe, dass ich in Ruhe gelassen werde.
Ob ich selbst Schuld bin, dass ich das träume? Mich an Details erinnere, die ich lieber vergessen will? Oder ist irgendetwas mit ihm? Braucht er Hilfe?

„Und wie hast du geschlafen?“, fragt mich mein Freund beim Frühstück. Ich bin mir nicht ganz so sicher, wie ich antworten soll.

"Lass mich gehn, lass mich gehn, lass mich gehn..."

Geschichten Nachdenkliches

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