Und nun… Omeed

Es ist 6:30 und Omeeds Wecker klingelt. Er dreht ihn ab.

Es ist 6:33 und Omeeds Wecker klingelt. Er dreht ihn ab.

Es ist 6:36 und Omeeds Wecker klingelt. Er dreht ihn ab.

Er ist einfach viel zu müde, er war noch bis zwei Uhr in der Früh auf.

Es ist 7:30 und Omeeds Vater kommt in sein Zimmer. „Sag mal, bist du verrückt? Deine Weihnachtsferien haben noch nicht begonnen?“

Nachdem seine Eltern ihn zusammengestaucht haben, kommt er eine Stunde zu spät in die Schule, rechtzeitig zu Englisch – Omeeds Lieblingsfach. Weil alle anderen diese Sprache auch lernen, ist er nicht so dämlich.

Dann sieht er sie, kurz, auf dem Weg in die Stunde. Sie sieht Omeed nicht an und er ist davon überzeugt, dass das auf der Hand liegt, einfach, weil er nicht in ihrer Liga spielt. Er bringt nicht einmal Worte heraus, weil er sie nicht hat.

Beim Mittagessen versteckt er sich immer mit dem Handy und dem Essen. Omeeds Mutter kochte sher geruchsintensiv und es war ihm peinlich. In der Jungentoilette im dritten Stock war in der Mittagspause niemand und er hatte seine Ruhe. 

Nach dem Essen sieht er sich David Dobriks neuestes Video an, danach ein Newsvideo und das neue Lied von Eminem. „Das Video ist so cool!“, denkt er sich, als er auf den kalten Fliesen sitzt. 

Die Zeit vergeht wie im Flug. Niemand sucht ihn. Hier konnte er alleine sein, ohne Geschwister, die ihn ständig umarmen wollen. Omeed will einfach weg, weg nach Madrid. Ein weiter Weg, den er alleine genießen kann.

Zuhause ist Omeeds Vater immer noch gereizt aufgrund der Ereignisse in der Früh und erteilt ihm eine Standpauke. Die Noten werden immer schlechter und Omeed sei immer nur am Handy.

Er schaltet auf Durchzug, so wie immer und freut sich, wenn gleich niemand mehr in seinem Zimmer ist.

Später will er ein wenig auf Instagram Videos ansehen. Nach ein paar Stunden sieht er sich auf Youtube ein Video mit Tipps für Introvertierte an und wie auch sie Herzen erobern können. Omeed denkt an sie.

Warum auch immer, heute blieben die Worte des Vaters besonders lange hängen. Omeed spürt fast, wie sie sich in seinem Kopf eingenistet haben. 

Omeed steigen die Tränen in den Augen. Er denkt darüber nach, wie er immer alleine sein will.

„Nur, damit ich nicht alleine gelassen werden kann.“


Es ist 6:30. Omeed steht auf und streckt den Kopf aus dem Fenster. Die Luft ist sehr kühl und es riecht nach Schnee. 

 

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