Und nun… Beatrice

„Im Supermarkt Pflanzen einkaufen ist nicht das, was ich mir unter dieser Stelle vorgestellt habe“, denkt Beatrice, als sie zwischen den Gängen steht. „Was hatte die alte Frau noch einmal gesagt? Eine lila Pflanze sollte es werden, genau.“

Sie hebt den Topf und versucht, die Informationen zur Pflege zu finden. Sie wird ungeduldig, da will man eine Pflanze kaufen und der Zettel lässt sich nicht finden. Sie  zückt ihr Handy, um online zu recherchieren. Als sie ihr Handy öffnet, merkt sie, dass ihr Sohn Alex geschrieben hat.

„Hey Ma, ich komme gerade aus einer Prüfung und habe Zeit. Willst dich treffen?“

Beatrice gähnt, letzte Nacht konnte sie wieder nicht sehr gut schlafen. Langsam weiß sie nicht mehr weiter. Alex schreibt ihr immer nur, wenn er Geld braucht, was oft vorkommt und, wenn er Zeit hat, was selten vorkommt. So überweist sie mittlerweile mehr Geld, als dass sie sich sehen.

Beatrice beißt sich auf die Lippen, schnappt sich den Blumentopf und beginnt, für sich selbst einzukaufen. Wenn sie schon einmal hier war, kann sie das ja auch gleich erledigen.

An der Kasse grüßt die Kassiererin sie mit einem breiten Lächeln, sie erwidert nichts. Sie hat selbst an der Kasse gearbeitet, sie weiß, dass das alles nur ein Spiel ist. Die Kassierer leisten Knochenarbeit, berühren all dieses Essen ohne Händewaschen, voll mit Hunger und stopfen sich in der 30-minütigen Pause alles nur so hinein.

Und, dass das Pärchen neben ihr miteinander streitet, macht es nicht besser. Beatrice schielt nach links und versucht herauszufinden, um welches Lebensmittel es geht – Schokolade.

„Wie peinlich“, murmelt Beatrice und kann sich das Lachen nicht verkneifen. Sich wegen solchen Kleinigkeiten aufzuregen scheint ihr so müßig.

Beatrice denkt an ihre Vergangenheit und fühlt sich wie im Gefängnis.  Die Ausbildung, die Ehe, die Wünsche und Träume nach mehr. „Genug Erfahrungen habe ich sicherlich schon, genug, um zu wissen, dass es niemals etwas rein Gutes geben kann“, denkt sie. Gedanken stehlen ihr die Freude.

Sie bezahlt diese völlig überteuerte Pflanze, fragt sich schon, welche sie als nächstes für die alte Frau kaufen soll. Eins war sicher, wenn sie einmal in Pension ist, wird sie sich nicht eine bezahlte Aushilfe holen müssen, Alex wird sich um sie kümmern, das beruhigt sie.

Auf dem Weg nach draußen steigt sie auf ein Stück Papier, das auf ihrem Schuh kleben bleibt. Nachdem es nicht heruntergeht, auch wenn sie mehrmals am Boden streift, hebt sie den Fuß und nimmt das Papier mit den Fingern herunter. „Jetzt muss ich auch noch Dreck entfernen, wer bin ich denn eigentlich?“

„Buchhaltung für Quereinsteiger – erfüllen Sie sich Ihren Traum!“, liest sie auf diesem schwarzweißen Zettel. Sie schnauft, Träume gibt es keine mehr, für sie ist dieses Kapitel beendet.

Sie sieht den Flyer wieder an, ihre Hand ist über dem Mülleimer. Eigentlich will sie schon längst loslassen.

Stattdessen steckt sie sich den Flyer in die linke Jackentasche.

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