Die Universitätskrise, die mein Leben nun schon seit Monaten plagt

Wichtig ist es, ehrlich zu sein, vor allem mit sich selbst. Es ist okay zu zweifeln, denn nur aus Konflikten kann Großes werden. Manchmal erkennt man, wo das Problem liegt und kann versuchen, etwas zu ändern. Und manchmal weiß man dann einfach nur Bescheid, auch das ist gut.

So ist das bei mir und meiner Unikrise. Seit mehreren Monaten befinde ich mich in dem Sumpf der Unzufriedenheit. So richtig reden konnte ich mit niemanden darüber: Meine Eltern würden sich unnötig Sorgen machen und Außenstehende würden, so dachte ich, sich nicht richtig hineinversetzen können. Also habe ich viel Tagebuch geschrieben und leider auch viel in mich hineingefressen. Ich habe öfters versucht, meine Perspektive zu ändern und auf die Geschichten anderer zu hören.

Vor drei Jahren wollte ich nichts weiter mehr, als studieren zu dürfen. Ich habe es mir erkämpft und war überglücklich. Leider ist es nun so, dass meine Erwartungen zu hoch waren (eine Eigenschaft, die ich mir abgewöhnen will): an der Uni gibt es nur die Klügsten der Klügsten, die Kompetentesten der Kompetentesten. Und weil ich Lehrerin werden will, gibt es natürlich auch die besten Lehrerinnen und Lehrer an der Uni.

Nun, so ist es nicht ganz. Die Uni ist auch ein „normaler“ Ort mit Highlights und Blooperreels. Manchmal landet man in guten Kursen, manchmal landet man in schlechten Kursen. Manchmal macht man Gruppenarbeiten, die einem den letzten Nerv rauben, manchmal macht man Gruppenarbeiten, die einen motivieren. Auch die Lehrenden sind einfach nur Menschen, haben schlechte Tage oder wir schwimmen nicht auf einer Wellenlänge. Manchmal hören sie sich auch gerne selbst reden.

Wenn mir eine Freundin so etwas erzählen würde, würde ich sie fragen, ob sie noch das Ende haben will – lohnt es sich noch?

Die Sache ist die, bei den meisten Ausbildungen hat man vermutlich in der Ausbildung den „Alltag“, den man später auch im Beruf haben wird. Wenn da einem jeder Tag den letzten Nerv raubt, ist das ein Alarmzeichen.

Ich studiere Deutsch, Psychologie und Philosophie um später Lehrerin zu werden und kann es nicht abwarten, Jugendlichen und jungen Erwachsenen helfen zu können. Mein Studium hat mit diesem Alltag aber nicht sehr viel zu tun. Ich weiß aber trotzdem, dass das Lehrerinnen-Dasein meine Zukunft ist – das zweifle ich nicht an.

So ist meine Unikrise nicht von Dauer, weil ich weiß, dass nur der Weg gerade schwer ist. Ich dachte, dass er immer spannend sein wird und mich antreibt (, dass er mich fordert, stimmt ja aktuell), aber diese Gefühle, die meine Krise nun ausmachen, kommen aus dem Inneren. Sie dürfen nicht abhängig sein von meiner Umgebung, weil mich das niemals glücklich machen wird.

Manchmal ist es schwer, sich so eine Enttäuschung einzugestehen. Man sagt war, dass einen rund um die Uhr das Leben stresst, dass es Dinge gibt, die einen annerven – aber wirklich ein Problem anzuerkennen ist für mich schon etwas anderes. Eine Kategorie schwerer…

Seltsam war auch für mich die Erfahrung, dass Leute in den Kursen sitzen und einen ganz anderen Eindruck davon haben können, dass sie glücklich sind mit den Lehrmethoden der Seminarleiter und Seminarleiterinnen. Instinktiv habe ich mir gewünscht, sie würden meine Missmut teilen und so könnten wir uns dann gemeinsam aufregen. Dass die Gruppe einfach mit einem selbst konform ist. Dass das niemals der Realität entsprechen kann, ist klar.

So lebe ich also mit dieser Unikrise. Seit einigen Wochen geht es mir wieder besser, weil ich aktive Entscheidungen über meine zukünftige Zeit beschlossen – wie viel Zeit ich in was investiere anhand von der Freude, die ich damit haben werde. Natürlich verändert sich so vieles…. Aber:

„Verloren zu sein ist die beste Art, um auf den richtigen Weg zu treffen.“

 

Über mein Studium habe ich schon einmal gesprochen, hier kannst du die Beiträge darüber lesen:

Ein Studium sie zu knechten, sie alle zu finden, ins dunkle Wien zu treiben und ewig zu binden

Ein ehrlicher Ratschlag für dich zum Studienbeginn

3 Comments

  1. Mein Studium hatte auch wenig mit meinem Arbeitsalltag zu tun. Das ist so ein generelles Problem des Studiums und wahrscheinlich auch ein Grund, warum alle erst mal Praktika machen müssen, wenn sie fertig sind. Ich hab mir damals halt gedacht, dass ich das Studium durchziehen muss, weil ich den Abschluss brauche und das Beste draus gemacht.

    Und jetzt nachdem ich schon ein paar Jahre Berufserfahrung habe, denk ich auch manchmal wehmütig an meine Studentenzeit zurück, weil es auch angenehm war viel Freizeit und weniger Verantwortung zu haben.

  2. Diese Art von Krise kenne ich sehr gut, so ging es mir während meines Bachelors leider unglaublich oft. Das hatte allerdings damit zutun, dass ich an 50% des gesamten Programs (BWL) null Interesse hatte und tatsächlich nie wusste, wie ich die an der Uni mehr schlecht als recht gelernte Theorie später im echten Leben anwenden soll.
    Das weiß ich auch 1 Jahr nach dem Abschluss noch nicht. 😉 Aber wenn man, wie du, etwas aus Herzblut studiert mit klarem Ziel vor Augen, kommt man sicherlich unbeschadet aus solchen Krisen heraus. Lehrerin zu werden ist eine unglaublich tolle Vision, ich drück dir ganz doll die Daumen dafür!

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