Für meinen Opa

Vor ein paar Wochen wandelte ich durch das Haus meines Großvaters. Viel kleiner wirkte es so nun auf mich. Das Haus fühlt sich nicht nur kleiner, sondern auch anders an.

Es ist vertraut und unbekannt zugleich. Spüren konnte ich noch, wie ich früher in den dunklen Ecken des Hauses Angst hatte. Opa war da und hat mir geholfen.

Jetzt aber ist es anders.

Ich höre die Geräusche von Kleidung, wie sie in einen Karton gestopft wird.

Ich höre auch, wie in einem Berg von Zettelwerk gestöbert und nach Antworten gesucht wird.

Ich sitze am Tisch, der mir früher auch viel größer vorkam, sehe die Kerze an.

Langsam verliere ich mich in den Flammen und höre plötzlich das Kichern meines kleinen Bruders, der in der Werkstatt sitzt und das Lachen meiner beiden Cousinen, die zeichnen.

Und dann kommt ganz melodisch plötzlich der Klang einer Mundharmonika.

So war es immer bei Opa. Er konnte herzlich lachen und verzauberte alle mit diesem Instrument.

Im Winter bauten wir Schneeburgen, versteckten uns hinterm dem Ofen und sahen uns „Die Drei Musketiere“ an.

Im Sommer kochten wir mit Pflanzen, fuhren Rad im Garten und verkleideten uns.

Wie die Vögel zwitscherten, als ich das Wasser im Teich beobachtete, wie es immer und immer grüner wurde, das weiß ich noch ganz genau.

Wie er uns von der Schule abholte und uns ein Eis kaufte, das weiß ich noch ganz genau.

Wie wir zusammen einkaufen waren und seinem Lieblingscafe einen Besuch abstatteten, das weiß ich noch ganz genau.

Ich erinnere mich nicht klar an ein bestimmtes Gespräch, dafür aber an das Gefühl, bei ihm zu sein. Im Hintergrund höre ich, wie Biene Maja läuft und ich sehe, wie die Sonne schief durch das Fenster scheint, durch all die grünen Pflanzen, die davorstehen. Oma bringt mir Weintrauben und Kekse auf einem Teller. Und dann sehe ich eine große, schwere Uhr, die auf einem Handgelenk ruht und ein verschmitztes Lächeln, wenn Oma sich gerade wegdreht.

Plötzlich wird mir heißt und mir fällt auf, dass ich noch immer in diese Kerze hineinstarre.

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