Wenn man versucht, sich gegen Veränderung zu wehren. Und davon, wie man scheitert.

Früher bin ich immer gescheitert beim Gedanken, mich an Veränderung zu gewöhnen. Ich habe zu Silvester geheult, als mir bewusst wurde, dass ich bald die Volksschule verlassen und auf ein Gymnasium gehen werde. Ich habe den Gedanken monatelang verdrängt, dass ich nach der Matura nicht mehr meine Freundinnen jeden Tag sehen werde.

All diese Strategien haben mich nicht weiter gebracht: Sie konnten die Zukunft weder verändern, noch mir ein gutes Gefühl geben.

Manchmal bin ich traurig, wenn etwas vorbei ist. Meistens bin ich aber viel trauriger, wenn ich realisiere, dass etwas vorbei sein wird. Das verpasst mir einen Stich. Ich habe mich an etwas gewöhnt, etwas ist verlässlich geworden und dann verschwindet es schon wieder aus meinem Leben.

Das Leben ist aber halt keine Konstante, sondern eigentlich nur ein Wandel. Das Leben ist nicht so recht ein Kreislauf, wie ich es gerne sehe, sondern erinnert eher das Plätschern des Regens. Unkontrollierbar, unvorhersehbar, aber immer wieder wird man dabei schrecklich schmutzig.

Eine gute Freundin von mir hat etwas sehr Berührendes geschrieben: „Du hast einen Fingerabdruck auf meinem Herzen hinterlassen.“

Vielleicht geht es darum, einen Fingerabdruck zu hinterlassen und nicht darum, sich ständig zu berühren.

Es ist wohl okay, wenn man sich nicht jeden Wegabschnitt des Lebens teilt.

Es ist wohl okay, wenn man am Ende in entgegengesetzte Richtungen geht.

Bald wohne ich seit zwei Jahren nicht mehr zuhause und es ist seltsam. Natürlich kann ich immer zurück, ob für einen Tag oder eine Woche. Auch über einen Monat würde man sich vermutlich freuen. Trotzdem ist es nicht dasselbe. Wie gerne würde ich zwei Jahre zurückreisen und mir selbst auf die Schulter tippen und sagen: „Halt diesen Moment gut fest. Er kommt nicht wieder.“

Dann wiederum wandeln meine Gedanken weiter und ich erkenne, dass ich mir dasselbe in zwei Jahren über den heutigen Tag denken könnte. Wenn ich mit dem Blick auf den Innenhof meiner Wohnsiedlung sehe, mein Blick über den Nadelbaum hinweg schweifend und eigentlich suchend nach einem Flugzeug, das gen Osten fliegt.

Vielleicht denke ich wieder zu viel an die Zukunft, an die Veränderung, an das, was geht, anstatt an die Dinge, die jetzt sind.

So ist das, wenn man an Veränderung denkt und versucht, sich zu wehren. Und, wenn man kläglich daran scheitert.

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