Bin ich froh, dass du nicht mehr da bist.

Eigentlich dachte ich, dass diese Geschichte das Ende wäre. Also, dass es mit uns endet. Mit uns gemeinsam. Es hat dann geendet, aber nicht mit uns. Aber dann kam das Leben dazwischen. Eigentlich bin ich froh, dass es so kommen musste. Mir geht es verdammt gut, richtig gut, übergut.

Okay.

Ich hör schon damit auf.

Natürlich kann es mir ein paar Monate danach nicht gutgehen. Wie auch? Ich hatte noch nicht einmal die Chance, dir betrunken zu schreiben, wie sehr ich dich vermisse. Hauptsächlich, weil ich dem Alkohol fernbleibe. Trotzdem würde ich gerne dir schreiben. Tue ich aber nicht, auf Hinweise meiner Freunde.

Schämen würde ich mich, wenn es „bewusst“ passieren würde – aber so, wenn ich „eigentlich“ betrunken bin und es eigentlich gar nicht weiß… Dann wäre es okay.

Du wirst mir nie schreiben, das weiß ich. Da könnte ich von einer Karre überfahren werden, selbst dann würde darauf nichts von dir kommen. In der Hinsicht bist du anspruchsvoll, man muss dir hinterherrennen.

Das musste ich, damit du mit mir auf ein Date gehst, das musste ich, damit du mit mir auf Urlaub fährst.

Das habe ich dir während unserer Beziehung, wenn man das überhaupt so nennen darf, auch oft gesagt. Aber das war dir egal. Du hast einfach weiter auf mich und meine Annäherungen gewartet.

Tja und jetzt sitze ich hier und starre aus dem Fenster. Die verdammte Baustelle ist da immer noch, auch nach zwei Jahren. Dass man zum Wohnung bauen so lange braucht, wusste ich echt nicht.

Als unsere Liebesgeschichte begann, hatten sie gerade die Fläche geplättet. Es war so flach und so leer – und so viel schöner als der Zustand jetzt.

Nach einem Monat, da gingen wir gerade händchenhaltend, da haben wir das Schild gesehen, dass dort Wohnungen hinkommen sollen. Wir waren so verliebt und so glücklich.

Nach fünf Monaten, da begannen unsere Auseinandersetzungen, da hast du mir gesagt, du seist mir angeblich egal.

Ich war so wütend, dass du so etwas tatsächlich denken würdest. Ich habe dich ausgelacht und du hast mir gedroht, du würdest auf den Kran gegenüber klettern. Ich habe gesagt, dass du doch tun sollst, was du willst und bin weggegangen.

25 Minuten später hab ich dann auf Snapchat mitverfolgen können, was du jetzt für eine Scheiße fabriziert hast. Auf den dämlichen Kran bist du mitten in der Nacht gestiegen.

Du warst verrückt, das wusste ich. Ich wusste es ganz genau, worauf ich mich mit dir einließ. Auf einen verrückten Haufen. Keine Ziele und schwer zu motivieren. Und anscheinend auch schwer, Vertrauen aufzubauen.

Danach haben wir beide noch versucht, dass es besser wird, aber wir beide waren nie sehr willensstark und auch schlichtweg zu faul, um unsere Beziehung zu verbessern. Es war einfach leichter, es zugrunde gehen zu lassen.

Überraschenderweise dauerte es noch ein Jahr, bis es wirklich zu Ende war.

Jetzt ist es  Frühling und die Wohnungen gegenüber sind fertig zum Beziehen. Bald werden dort glückliche Familien wohnen und ihre kitschigen Vorhänge um die Fenster schmücken, die ich dann anstarren muss.

Das ist aber eigentlich gar nicht so schlimm.

Ich werde dort immer nur den gelben Kran dort stehen sehen, auf den du ja unbedingt klettern musstest, damit ich Angst um dich kriege.

Dass du mir so wichtig warst, konntest du mir nie glauben.

Deine Komplexe mit Vertrauen besprichst du hoffentlich jetzt mit deinem Therapeuten. Vielleicht kannst du so auch endlich glücklich werden.

Denn mir geht es verdammt gut, richtig gut.

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