Die Ablehnungen von den Männern, in die ich verliebt war

Ich bin eine mutige Frau. Aber auch ungeduldig. Manches kann ruhig seine Zeit brauchen, so wie Nudeln im Topf , aber eine Liebesgeschichte in meinen Augen nicht.

Ich frage gerne nach Dates, weil es spannend ist und ich regelrecht aus meiner Komfortzone geschmissen werde. Natürlich kann das schiefgehen: „Und wenn es nicht klappt, habe ich eine neue Geschichte“, das habe ich immer zu mir gesagt.

Tja, liebe Leserin und lieber Leser, du darfst dich glücklich schätzen, hier ist: HOW TO GET REJECTED BY A GUY.

Meistens sieht man nach 0,5 Sekunden, ob es eine Ablehnung geben wird. Ich entdecke dann im Auge meines Gegenübers ein Licht, das gemeinsam mit der Zukunft, die wir meiner Meinung nach teilen hätten sollen, verschwindet.

Bye bye, Baby.

Keine der nachfolgenden Geschichten endete auch nur annähernd in einer Beziehung. Dramatisch und traurig zugleich, ich weiß. Nur eine Geschichte endete in einem Kuss –  und das war dann auch noch mein Erster, also so viel zu den Traumata, die ich im Laufe der Jahre angesammelt habe.

Aus Datenschutzgründen (oder so) werde ich transparent halten, um wen es sich hier genau handelt, auf der anderen Seite: Hey Papa, wenn du das hier  liest – ja, das sind die Arschlöcher, von denen ich dir erzählt habe! 

Mein erster Kuss

Die Abfuhr kam natürlich erst nach dem Kuss. Das tat meinem 16-jährigen Herzen weh, aber heute lache ich darüber.

Gedanken und Hoffnungen habe ich  mir gedacht, leider zu viele und immer dabei mein Gegenüber vergessend. Er war nicht auf Zukunft aus. Und wenn ich ehrlich bin, hätte er wohl nicht mit mir umgehen können. Manchmal merkt man das gleich beim Kennenlernen und manchmal muss man sich erst küssen.

Oder er hat mir eine Abfuhr verpasst, weil ich zu viel Ingwer und Knoblauch an diesem Tag gegessen habe, das kann auch ein Grund sein.

Arbeitskollege Nummer 1

Oh ja, es gibt mehr als nur einen Arbeitskollegen, den ich im Laufe der Jahre mochte. Wahrscheinlich, weil ich so viel Zeit in der Arbeit verbringe glaubt mein Herz, es wäre günstig, sich dort in jemanden zu verschauen.

Wir beide konnten uns super über die Arbeit unterhalten und das war es eigentlich schon. Dass er ein guter Mensch war, hatte ich sofort gespürt.

Ich bastelte für die Arbeit eine Motivationsbox mit Sprüchen, die man sich nehmen kann, um – Trommelwirbel – Motivation zu erhalten.

Dieser eine Typ mochte die Box sehr gerne und am Heimweg, den wir uns sein Stück teilten, erzählte er mir, dass er dieses Mal vergessen hatte, sich einen zu nehmen. Dafür würde er sich nächste Woche gleich zwei nehmen.

Nun ja, ich hatte an Ort und Stelle beschlossen, die Chance zu nutzen und es zu wagen. So bastelte ich in der kommenden Woche einen speziellen Zettel, auf dem stand, ob er nicht mit mir ausgehen wollte. Motivation für sein Dating-Life also, hehe 😉

Als ich ihm diesen Zettel dann gab, fiel eine riesige Last von meinen Schultern, so gerne mochte ich ihn und so gerne wollte ich einfach eine Antwort haben. Zugleich strömte aber auch ein Liter Erdbeersaft über meinen Kopf, so verdammt rot wurde ich.

Dann nach 0,5 Sekunden nicht mehr, als das Licht in seinen grünen Augen verschwand.

Er sagte zu mir, dass es das Süßeste wäre, was jemand jemals für ihn getan hätte und, dass er sich sehr geschmeichelt fühle. Und, dass er in einer glücklichen Beziehung wäre.

„Wow, das ist die beste Ablehnung, die ich mir wünschen hätte können. Er ist so ein toller Mann. Heute habe ich viel von ihm gelernt. Und ich bin mir sicher, dass seine Freundin super ist! Oh Mann, ich freue mich voll für ihn, dass er glücklich ist!“

Diese Reflexion fand natürlich erst im Nachhinein statt, der Arbeitstag war ziiiiiiemlich beschissen.

Arbeitskollege Nummer 2

Er entsprach überhaupt nicht meinem „Typ“, aber durch ich habe ich gelernt, dass ich gar nicht so richtig einen „Typ“ habe, sondern Charakter und Humor die schlagenden Argumente für mich sind. Und er war interessant. Und er mochte Essen.

Meiner Meinung nach hätte also schon der Umzugstrupp anläuten können – wir würden zusammenziehen und wären so ein tolles Team.

Das einzige Problem: Er war verdammt verschwiegen und ich vermutete, dass er einfach nur zu schüchtern war, etwas zu sagen. Deswegen dachte ich mir, ich würde einfach auf ihn zugehen und ihm eine schriftliche Essenseinladung überreichen:

„Willst du mit mir mal was Essen gehen? Kreuze an: 

O Ja         O Ja         O  Ja

Hier ist meine Telefonnummer: 12345678910“

Ziemlich gewagt und frech, aber so mag ich es.

Trotzdem verschwand nach 0,5 Sekunden das Licht in seinen braunen Augen und mich grüßte die Ablehnung – mein alter Bekannter.

Die Arbeit wurde dadurch ziemlich scheiße, weil wir viel gemeinsam zu tun hatten. Manchmal tauchte er urplötzlich in meiner Nähe auf und ich wollte einfach nur kotzen.

Lustig, dass wir jetzt aber befreundet sind. So konnte ich auch sehen, dass ich ihn falsch eingeschätzt hatte – wir wären niemals ein harmonisches Paar gewesen. Und ich habe erfahren, dass er nicht gerne Scharfes isst. Bye bye, Baby. 

Der Verrückte

Das ist die schlimmste Ablehnung, aber eine, die wirklich verdammt notwendig war! Manchmal will ich mit dem Kopf durch die Wand und manchmal muss mir dann jemand eine verpassen, damit ich es endlich einsehe.

Ich war wochenlang in einem emotionalen Konflikt und dann tut mein Gehirn oft etwas sehr Blödes: Ablenkung suchen.

Ich verschaute mich in jemanden, der am anderen Ende Österreichs war, auf Basis davon, dass wir dasselbe Lieblingsvideospiel hatten (Final Fantasy X) und er Disney mochte.

A moment of silence for young Pia.

Ich bin also hingefahren, um den Mann zu treffen, mit dem ich mein Leben verbringen wollte, stattdessen habe ich aber einen Jungen gesehen, der viele Probleme hatte, sich damit nicht auseinandersetzen wollte und mich als Spielzeug verwendete.

Ich wollte es nicht einsehen, sondern unbedingt, dass aus dieser Geschichte etwas wird.

Hunderte Euro, Drohungen, Beleidigungen, Tränen und eine hohe Handyrechnung später, saß ich einem Zug von Vorarlberg nach Wien und war einfach nur mehr froh, dass endlich vorbei war.

Der „Ich-kann-es-nicht-sagen“ Typ

Er wollte mir einfach keine Abfuhr verpassen. Ich sagte mir, dass er einfach zu schüchtern ist, ich sagte mir, dass er den perfekten Zeitpunkt abwarten wollte.

Was ich mir nicht sagte war, dass, wenn ein Typ nichts sagt, er dich vielleicht auch einfach nicht so mag.

Und was macht Pia noch? Sich das Gesicht dieses Typen jahrelang im Hinterkopf behalten und manchmal davon träumen, mit ihm zusammen zu sein.

Am Ende musste ich ihn regelrecht dazu zwingen, mich abzulehnen. Kurz tat er mir leid, aber so konnte er trainieren, das zu verlangen, was er wollte und noch wichtiger: Das Abzulehnen, was er nicht will. Und das war offensichtlich eine Frau, die nach den Sternen greift, sich vegan ernährt und Bollywoodfilme mag.

Ich habe danach bemerkt, dass es mir nie so wirklich um den Typen ging, sondern um die Geschichte, die entstehen würde. „Unsere“ Geschichte, die ich natürlich egoistisch nur aus meiner Sicht sah.

Jetzt beim Schreiben fällt mir auf, dass ich schon sehr oft einen „Ich-kann-es-nicht-sagen“ Typ hatte. Und immer waren es die Schulkollegen, Trainingspartner und Tanzpartner in die ich mich verschaut habe – alles keine klugen Kopfentscheidungen. Ich hab ja gesagt, dass ich mehrere Traumata habe. 😀

 

Wie du siehst bin ich ein großer Fan von:

  1. Essen
  2. braunhaarigen Männern (Ups, das habe ich ja gar nicht hineingeschrieben 😉 )
  3. selbstgeschriebenen Notizen
  4. zynischem Humor

 

Ich habe mich mit einer Freundin schon oft darüber unterhalten, ob das nicht alles ein Kreislauf ist. Ablehnen und abgelehnt werden. Und, wenn der Zähler einmal bei Null ist, lernt man seinen Partner kennen.

So funktioniert das aber nicht.

Am Ende sind Ablehnungen nicht schlimm und ich bin für jede dankbar.

Sie haben mich zu der Frau gemacht, die ich heute bin.

Ich bin immer noch verrückt und ungeduldig in diesen Angelegenheiten – zum Glück hat mein Freund sich auf dieses Abenteuer eingelassen. Ich bin so dankbar, dass er in meinem Leben ist – er ist so super ❤ 🙂

Als ich diese Woche beim Schreiben dieses Eintrags war, bin ich zwei der oben erwähnten Ablehnungen begegnet. Well that was awkward.

Das nächste Mal schreibe ich über einen Lottogewinn, so viel ist klar.

1 Comment

  1. Ach ja, wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Ich wäre auch schon oft gerne im Boden versunken und habe mich gefragt „Wieso? Wieso hast du das nur gemacht?“ Selbst heute verdränge ich so manche Erinnerung an meine „Aktionen“ noch, weil sie mir unangenehm sind. Aber wie du ja selbst schon erkannt hast, jede Erfahrung formt uns. Und heute bin ich glückliche Mama einer tollen Tochter und die Ehefrau, des besten Mannes überhaupt (sorry ladies, but it’s true). Also weiter mit den Wagnissen, dann kann bis auf kleine Stolpersteine gar nichts schiefgehen.

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