Was mir geschah, als ich meine unerwiderte Liebe wi(e)dertraf

PIA:

Vor vielen Jahren war ich schrecklich verliebt in diesen Jungen, damals in der Schule. Ich war 14 und es war gleich um mich geschehen. Ich fand ihn so cool, so anders und so witzig, wie keinen andern zuvor. Wirklich befreundet waren wir nie, weil es immer eine Distanz gab, aber ganz fremd waren wir uns auch nicht. Ich spüre, dass er meine Gefühle nie erwidern würde, deswegen habe ich diese seltsame Situation akzeptiert. Ein paar Jahre später verliebe ich mich dann in jemand anders und bin überglücklich. Irgendwann kommt es zum Ende der „Freundschaft“ mit diesem anderen Jungen. Ich denke, dass er mich hasst und distanziere mich.

Sieben Jahre später träume ich von ihm, nie geht es ihm gut und ich mache mir Sorgen. Die nächtlichen Ausflüge hören nach Wochen nicht auf, deswegen entschließe ich mich dazu, nach all der Stille um ein Treffen zu bitten.

Am Anfang kann ich den Jungen nicht so recht ansehen können, so verschüchtert bin ich plötzlich. Aus den Augenwinkeln sehe ich seine hellblauen Converse und muss lächeln. Schon als 14-Jährige mochte ich es, wenn er sie trug. Jetzt, sieben Jahre später, ist das nicht anders. Ich weiß von den Dingen, die ihm geschahen, als wir keine Wegbegleiter mehr waren.  Als ich ihn frage, ob es ihm gut geht, sieht man im blassen Ausdruck seiner Augen, dass meine Träume nicht unbegründet waren.  Froh bin ich, ihm geschrieben zu haben, vielleicht kann ich ihm helfen. Aber so läuft der Abend nicht ab, im Gegenteil, der Junge macht mir Komplimente, als würde sein Leben davon abhängen. Richtig freuen kann ich mich nicht so recht. Die Zeit, in der ich sie so dringend gebraucht habe wie Wasser, war vorbei.

Plötzlich rückt er mit der Wahrheit heraus: Damals, als er sich mir gänzlich abwand, geschah es nicht aus Hass, sondern aus Selbstschutz. Er war in mich verliebt, zu schüchtern und zu unsicher, etwas zu sagen. Er glaubte nicht, dass jemand ihn lieben könnte. Als ich nach einiger Zeit in einer Beziehung war, schien es zu spät. Eifersüchtig versiegelte er seine Lippen, da mein Partner mit ihm auch noch befreundet war. Als ich nach Jahren verlassen wurde und in eine andere Stadt zog, blieben seine Lippen verschlossen. „Ich habe dir zugesehen, wie du lebst. Ich war bei dir“, sagt er. Ich bin selbstsüchtig und wütend um all die Tage, die verschwendet waren, weil er und ich nichts zu sagen wagten.

Ich weiß, dass wir zusammengehören. Jahrelang träumten wir denselben Traum und jetzt haben wir endlich unsere Augen geöffnet.

ER:

Es ist aufregend. Sie ist plötzlich wieder da, wie ein Taifun und ich weiß kaum, wie mir geschieht.  Die Anziehung ist jedes Mal da, wenn ich sie sehe und ich bin süchtig danach. Ich erzähle ihr gerne, was ich all die Jahre so gemacht und gelernt habe, wie gut es mir jetzt geht. Sie hört mir zu und macht mir Mut für in all meine Träume. Es tut mir gut, wenn ich mit Pia zusammen bin. Sie ist eine Kämpferin und stellt mein Glück über ihres. In ihrer Stimme höre ich ein glückliches Lachen und in ihren Augen sehe ich, wie ihre Gefühle wachsen. Meine Gedanken schweifen allerdings ab, zu anderen Frauen und ich frage mich, ob sie mir das geben kann.

Ich fühle nichts mehr. Irgendwie weiß ich das schon in dem Moment, als ich es ihr gestanden habe. Es ist vorbei, bevor es überhaupt begonnen hat.

Sie ist mir bekannt, zu bekannt, als dass es sich für mich lohnt, sie zu testen. In anderen Momenten ist sie mir dann wieder so unbekannt und fremd, dass ich vor ihr Angst habe.

Ich sage ihr, dass es mir leidtut.

Ich sage ihr, dass es jetzt nicht geht.

Ich sage ihr, dass ich noch nicht über meine Ex hinweg bin.

Ich sage ihr, dass sie jemand Besseren verdient.

Ich sage ihr, dass sie so viel stärker ist als ich.

WIR:

Die Geschichte, als sich die unerwiderte Liebe
wi(e)dertraf, handelt von zwei Herzen, die jahrelang hinweg unentdeckt beim Anderen wohnten.

Beide waren zu schüchtern, etwas zu sagen.

Beide verpassten den Zeitpunkt, miteinander sein zu können.

Wenn dir also etwas auf dem Herzen liegt, sprich es aus. Geh mutig auf Andere zu und fürchte dich nicht.

Am Ende ist unsere Geschichte keine Liebesgeschichte.

Aber vielleicht eine Geschichte, wie das Herz erfährt, dass es geliebt wird.
Und, dass es höchste Zeit wird, sich endlich selbst zu lieben.

Geschichten

2 Comments Hinterlasse einen Kommentar

  1. Das freut mich! Mir hilft es, meine Gedanken niederzuschreiben, ich glaube, da geht es uns ähnlich 🙂 sich so einer Situation zu stellen ist schwer, aber machbar, daran glaube ich 🙂 dir alles Gute 🙂

  2. Oha, hab mich gerade unglaublich in deinem Text wiedergefunden. Mir geht es da nämlich mit jemandem genauso, nur dass es bei uns mittlerweile 10 Jahre sind, in denen wir nicht so recht mit aber auch nie ohne konnten…
    In Japan habe ich etwas Abstand von der Sache. Aber davor weglaufen funktioniert trotzdem nicht so ganz, wird es wohl nie. 🙂
    Danke für deine Gedanken ❤️

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