Als Veganerin in einer Würstelbude arbeiten *spoiler alert: IT FUCKING SUCKS*

Oh ja. Du hast richtig gelesen. Eine Veganerin arbeitet in einer Würstelbude.

Die letzten beiden Monate habe ich bei einem Weihnachtsmarkt in Wien gearbeitet. Ich war bei verschiedenen Hütten eingeteilt, aber am häufigsten in einer Würstelbude.

Wieso tue ich mir sowas an?

Niemand hat mich zu dieser Arbeit gezwungen. Ich will mir nebenbei etwas dazuverdienen. Ich kratze nicht an der Existenz. Ich will aber auch nicht kündigen oder Ärger machen. Ich bin der Typ Mensch, der die Zähne zusammenbeißt und durchhält.

Wie sieht der Alltag aus?

So schlimm, wie es du dir vorstellst. Selbst, wenn man Fleisch isst, kann ich mir diese Arbeit für jeden nur beschissen vorstellen. Ich stehe am Grill und brate tagtäglich 400 bis 500 Würstel an. Mit dem billigsten Sonnenblumenöl, über mir ein Dunstabzug, der nicht ordentlich funktioniert. Dementsprechend ist alles einfach so verdammt ölig in dieser Bude, selbst, wenn man eine Stunde nach Dienstschluss noch putzt. Das Einzige, was da noch hilft, ist es,  diese Dreckshütte niederzureißen. Ich zähle gar nicht mehr mit, wie oft ich am Boden ausrutsche.

Bratwürstel und Käsekrainer haben wir im Angebot, eins ekeliger, als das andere. Weil es sehr schnell gehen muss, komme ich mit Zangen nicht weit, manchmal muss auch nur ein hauchdünner Handschuh ausreichen, um die Würstel vom Kühlschrank zum Grill zu befördern. Dass sich in mir alles zusammenzieht, muss ich wohl nicht sagen.

Manchmal fragen mich Kunden, welche Würstel mir am besten schmecken. Beim ersten Mal lache ich lauthals los. So werde ich auch unfreiwillig zum Running Gag unter den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen am Weihnachtsmarkt: Diese dumme Veganerin, die in der Würstelbude arbeitet.

So stehe ich also stundenlang am Grill und wenn ich alleine bin, muss ich nebenbei auch den Punsch managen. Wir haben einen Heiße Liebe Punsch und einen Kokospunsch, wo Schlagobers drauf kommt – Punsch oder Würstel, auf beides hat mein inneres Wesen keine Lust. Vor allem, wenn die Kunden herumjammern, dass es schneller gehen soll. Dass die unhöflichsten Leute mir am 24. Dezember begegnen, hätte ich auch niemals gedacht… „Aber es ist die Arbeit“, denke ich stundenlang.

Am Ende meiner Schicht fahre ich nachhause und bin ein Trauerkloß. Zunächst mal duschen und ordentlich desinfizieren. Später fühle ich mich ein wenig sauberer, aber nur ein wenig. Wirklich besser geht es mir, wenn dieser Job endlich vorbei ist.

Von Anfang an alles falsch eingeschätzt

Bei der Arbeitseinteilung im November denke ich, dass ich das schon machen werde, mit links sogar. Durch Prüfungen an der Uni und dem üblichen Weihnachtsstress kommen zudem meine kreisenden Gedanken an die Tiere, die ihr Leben lassen für meine Arbeit. Bin ich eine Mörderin, weil ich sie am Grill lege? Bin ich eine Komplizin, weil ich es schmackhaft mache? Weil ich sie (völlig überteuert) verkaufe?

Die Arbeit kratzt nicht nur an meinen Augen (der beißende Dampf), meiner Nase (der bestialische Geruch), meiner Haut (das ganze Öl), meinen Nerven (die Touristen) und meinem Appetit (ich will nie wieder Fleisch angreifen), sondern auch so extrem an meiner Psyche, was ich nicht erwartet hätte. Ich war viel sensibler auf Tiere und so viel emotionaler. Ich hatte Angst, meine Freunde und Familie zu treffen, weil die Arbeit mich so zermürbte. Ich fühlte mich nicht mehr wie „Ich“ an. Auf der anderen Seite wollte ich aber auch nicht einfach kündigen oder Ärger machen, mich aufregen. Ich wollte es durchstehen und das habe ich. Heute, am ersten Januar, ist der Weihnachtsmarkt endlich vorbei.

Was lerne ich für die Zukunft?

Heute ist der zweimonatige Albtraum vorbei und ich weiß nur, dass ich mich meiner Entscheidung so viel sicherer fühle, als zuvor. 

Ich gehe aus dieser Erfahrung heraus mit der Sicherheit, dass ich niemals wieder Fleisch essen will. Ich will niemals mehr damit kochen und es niemals mehr angreifen. Es ist kein Nahrungsmittel für mich, es widert mich an.

Manche meiner Bekannten dachten, dass ich durch meine Arbeit an der Würstelbude „schwach“ werden würde, Fleisch essen würde. Ich habe mich aber nicht schwach, sondern hilflos gefühlt.

Dieses Gefühl endet aber mit heute!

Vegan

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