Am letzten Tag dieses Jahres möchte ich ein wenig reflektieren. Glücklicherweise arbeite ich heute den ganzen Abend, was mich davon abbringt, meine eigentliche Silvestertradition durchzuleben: Zu weinen.

Nicht, dass ich traurig bin, die meiste Zeit war ich einfach glücklich, dass ich so viel geschaffen habe. Und ja, als Philosophiestudentin weiß ich, dass Zeit nur ein Konstrukt ist und das Gefühl, ein neues Jahr zu beginnen nicht so besonders ist. Jeden Tag könnte man als Beginn eines neuen Jahres sehen – so wäre man zumindest viel motivierter.

Zu Silvester weine ich eigentlich Freudentränen, weil ich stolz bin auf die guten Dinge, die ich erreicht habe, aber mich auch an die schlechten Erlebnisse erinnere. Eigentlich bin ich sehr dankbar, dass ich ein Jahr lang wieder Neues ausprobieren und auf die Fresse fliegen durfte.

Gestern habe ich an mein 2017 gedacht und mich an den beschissensten Tag zurückerinnert. Wenn man ganz genau ist, handelt es sich um zwei Tage, gleich im Januar, als das Jahr noch jung und frisch war.

Es war die Prüfungswoche an der Universität Wien und ich hatte zwar früh genug zu lernen begonnen, das war es nicht, aber ich hatte einen Tag vor den beiden Prüfungen etwas Falsches gegessen. Etwas verdammt Falsches. Mit Schüssel und Zwieback lag ich also herum und war im Arsch. Mein Plan war es, alles zu wiederholen, aber mein Magen wollte etwas anderes tun. Und als mein Magen seinen Willen durchgesetzt hatte, wollte mein Körper schlafen.

So schlief ich also den ganzen Tag und wachte putzmunter und halbwegs gesund um 22 Uhr auf. Ohne gelernt zu haben und die Prüfung war um 8 Uhr.

Was tat ich also?

Anstatt blöd rumzujammern, weil das eh nichts verändern würde, habe ich mir Tee und etwas zu Essen gemacht, mich zum Schreibtisch gesetzt und wiederholt. Bis 6 Uhr in der Früh. Es war verrückt.

Eigentlich tue ich diesem Tag unrecht, wenn ich ihn als den Schlimmsten 2017 beschimpfe. Die Prüfungen habe ich nämlich bestanden – sogar verdammt gut. Und das, obwohl ich krank, müde und verheult war.

Wenn ich also mit Kopfweh, Bauchweh und Übermüdung eine dämliche Prüfung schreiben kann, kann ich so vieles auch. Und wenn ich das kann, kannst du das auch.

Welche Dinge machen dir Angst – wieso zweifelst du, dass du sie nicht schaffen wirst?!

Aber weißt du was?

Heute lache ich über diesen Tag.

Heute weiß ich, dass dieser eine Tag im Jänner den Ton für die restlichen elf Monate angelegt hat.

An diesem Tag habe ich mir selbst bewiesen, dass mir alles passieren kann, ich aber niemals untergehen werde. Egal, ob ich über der Kloschüssel hänge, obwohl ich lernen sollte, oder, ob ich als Veganerin in einer Würstelbude arbeite (dazu morgen mehr!).

Um an einer positiven Note zu enden, möchte ich dir von meinem schönsten Tag in diesem Jahr erzählen. Am 5. April war ich in Tokio und bin morgens zur Shinjuku Station gegangen. Talk about blessings:

 

Es wird alles Sinn ergeben. Das tut es immer. So auch, wenn dir das Herz gebrochen wurde.

Ich wurde bereits von meinem Freund verlassen und kann dir sagen, dass ich diese Herzschmerzen niemandem wünschen würde. Nicht einmal den unfreundlichen Arbeitskollegen, die mich seit Wochen tyrannisieren. Nicht einmal die Wahnsinnigen, die sich trauen, mir mitten ins Gesicht zu rauchen. Nicht einmal meinem schlimmsten Feind.

Wenn man verlassen wird, durchläuft man gewisse Phasen. Zusammenfassen kann man es unter dem Gefühl, dass einem die Seele herausgerissen wird. Den Kopf nicht in den Sand stecken ist das schwierigste. Sich jeden Tag dafür zu entscheiden, dass man nicht aufgibt. Und das geht dann Tag für Tag so, bis es irgendwann aufhört. Keiner weiß, wie lange, keiner weiß, wie sehr es weh tut.

 Heute geht es mir besser, viel besser, sondern gut. Ich bin sogar dankbar für diese Erfahrung und wüsste nicht, wo ich ohne der Schmerzen heute wäre.

Die Liebe ist seltsam und im Laufe einer Trennung realisiert man das. Manchmal liebt man sich und ist nicht zusammen. Manchmal liebt man sich nicht und ist zusammen. Jemanden zu lieben ist verworren, kann weh tun und ist unerklärlich.

Wenn du nun aber deswegen, weil es nicht so einfach ist, wie du gedacht hast, die Hoffnung auf Besserung wegwirfst und ein zynisches Arschloch wirst – was bringt sich dann das? Einfach aufgeben – für nichts? Willst du nicht lieber deinem Zukünftigen oder deiner Zukünftigen erzählen, was du alles erlebt hast, bis es zu der schicksalhaften Begegnung kam?

Und weißt du, es wird zu der schicksalhaften Begegnung kommen. Wenn du dir das selbst nicht abkaufen kannst, ist es okay, aber glaub‘ es mir. Auch ich hatte kürzlich meine schicksalhafte Begegnung und obwohl es mir schon besser ging, hatte dadurch alles noch mehr Sinn gemacht. Heute sehe ich es klar und deutlich vor mir, wie es meinen Weg geebnet hat.

Und so wird es auch deinen Weg ebnen. Kopf hoch!!!!

Da mein Heilmittel Nummer 1. Youtube ist und bleibt, habe ich hier ein paar Hilfsmittel für dich…

Weylie zeigt dir, dass du über sie und über ihn hinwegkommen wirst:

Lilly Singh beschreibt dir, wie deine Trennung noch verlaufen wird und die  verschiedensten Trennungsarten:

Im Zuge dieser Weihnachtswoche habe ich eine Kurzgeschichtenserie geschrieben – am 18., 21. und 24.12. wird jeweils ein Ausschnitt veröffentlicht! Viel Spaß beim Lesen wünsche ich dir und noch ruhige, entspannte Tage der Vorweihnachtszeit!

Es war der 24. Dezember. Es war nicht viel los, die meisten verbrachten ihre Zeit im trauten Heim. Sie mussten aber trotzdem arbeiten.

Heute Abend würden sie bei ihren Familien verbringen, jetzt sahen sie sich aber.

Er stand in seiner Hütte, die Hände in der Hosentasche. Sie beobachtete ihn, als er sich seine Kappe richtete. Er war einfach zu charmant.

Sie kratzte sich unter der rote Mütze. Er beobachtete sie, wie sie in die Ferne starrte. Sie war einfach zu schön.

Irgendwie waren sie beide jetzt froh, am Weihnachtsmarkt arbeiten dürfen. Schon klar, die beste Erfahrung als Mitarbeiter war es jetzt icht und von Zeit zu Zeit war es verdammt stressig. Schon schlimm, wie sich Leute über Brotsuppen oder Brezen aufregen konnten.

Auch beruflich wollten sie eigentlich ganz woanders sein. Er und sie hatten aber jeweils eine Absage für ihren Wunscharbeitsplatz erhalten… Deswegen hatten sie sich freiwillig für den Weihnachtsmarkt gemeldet.

Niemals hätten sie gedacht, dass sie sich hier finden würden, ohne sich gesucht zu haben. Hier hatten sie sich kennengelernt und nun waren sie zusammen.

Die Lichter leuchteten, als es dunkel wurde und gemeinsam schlossen sie ihre Hütten. Endlich war es vorbei.

Händchenhaltend gingen sie zu der Straßenbahnstation.

Sie sah in seine braunen Augen und spürte, wie ihr Herz schneller zu schlagen begann. Sie wusste, dass der Weihnachtsmarkt nun vorbei war, dass aber trotzdem ein neues Kapitel in ihrem Leben begann. Ein Kapitel mit ihm an ihrer Seite.

Er sah ihr nach, als sie in die Straßenbahn einstieg. Er musste lächeln, weil er die bisherigen Strapazen nun verstand. Es hat alles schief laufen müssen, damit er ihr hier begegnen konnte.

Sie hatten keine Wünsche mehr, ihr Weihnachtsfest war perfekt. Weil sie einander gefunden hatten.

Im Zuge dieser Weihnachtswoche habe ich eine Kurzgeschichtenserie geschrieben – am 18., 21. und 24.12. wird jeweils ein Ausschnitt veröffentlicht! Viel Spaß beim Lesen wünsche ich dir und noch ruhige, entspannte Tage der Vorweihnachtszeit!

Morgens stolperte der Typ von gegenüber über die Treppe, die vor seiner Hütte lagen. Jeden Tag, seit zwei Wochen schon. Sie musste auch weiterhin jeden Tag lachen, einfach, weil es so witzig war und er irgendwie auch.

Ständig war ihr kalt, deshalb trug sie Haube, Handschuhe, Skihose und was es sonst noch alles so gab. Sie kam sich vor wie ein Marshmellow, aber dann war es ihr wieder egal.

Er war verdammt süß, wie er die Suppe ausschenkte. Fand sie zumindest. Manchmal war er etwas unbeholfen, was sie lustig fand. Sie sprachen nicht viel miteinander, er grinste immer verlegen. Ob er tatsächlich Single war, wusste sie nicht, sie hatte sich noch nicht getraut, ihn zu fragen.

Im Laufe des Tages spielte es all die Weihnachtslieder: Michael Buble, Pentatonix, Frank Sinatra, David Bowie. Wenn sie zuvor noch nicht alle Lieder auswendig mitsingen konnte, hatte sie spätestens nach dieser Arbeitserfahrung die Fähigkeit gänzlich erworben.

Brezen verkaufen machte ihr Spaß, vor allem, wenn sie sie kleinen Kindern geben konnte. Die kriegten dann total große Augen und lächelten sie an. Ab und zu kaufte auch er eine Breze bei ihr, aber wirklich viel sprachen sie auch dann nicht miteinander. Sie kannte nur seinen Namen: Alex.

Eines Nachts träumte sie davon, wie der Weihnachtsmarkt vorüber war und sie sich fragte, wo er wohl nun war. Weil sie sich nicht getraut hatte, was zu sagen, war nichts passiert. Am nächsten Tag beschloss sie, dass sie das nicht zulassen würde. Sollte er ihr ruhig eine Abfuhr verpassen, das war ihr egal. Sie hatte keine Lust darauf, ihre Gefühle einzusperren und sich für alle Zeiten Fragen wegen eines Typen von einem dämlichen Suppenstand zu stellen.
Als er wieder eine Brezel bei ihr kaufte, gab sie ihm diesen Zettel dazu:

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„Gerne…“, grinste er verlegen. „Überall, nur nicht am Weihnachtsmarkt.“

Im Zuge dieser Weihnachtswoche habe ich eine Kurzgeschichtenserie geschrieben – am 18., 21. und 24.12. wird jeweils ein Ausschnitt veröffentlicht! Viel Spaß beim Lesen wünsche ich dir und noch ruhige, entspannte Tage der Vorweihnachtszeit!

Es war kurz vor 10 Uhr, gleich würden die Läden öffnen. Er dreht die Heizung auf und hofft, dass die dämliche Hütte bald warm werden würde. Er brauchte das Geld und deshalb blieb ihm nichts anderes übrig, als jeden gottverdammten Job anzunehmen. So auch jetzt, hier am Weihnachtsmarkt.

Die Hütte gegenüber verkaufte Brezeln. Die schmeckten scheußlich, aber das war nicht der Grund, wieso er sich ständig erwischte, wie er rüber sah. Sie war dort und trug jeden Tag eine rote Bommelmütze mit Quaste. Gleich am ersten Tag war sie ihm aufgefallen, weil sie so potthässlich war. Wer könnte sowas nur jemals tragen?

Zuerst konnte er nicht wegsehen, weil er die Mütze so hässlich fand. Dann konnte er nicht mehr wegsehen, als er sie einmal ohne ihr erwischte. Gleich in der ersten Woche, als noch nicht so viel los war, haben sie sich in die Augen gesehen – beide gelangweilt, weil sie nichts zu tun hatten. Irgendwie sah sie dann anders aus.

Er half ihr, die Hütte auf- und zuzumachen. Fünf Meter standen ihre Hütten auseinander und jedes Mal, wenn er ihr sich auch nur ein wenig annähern konnte, war es ihm mehr recht. Viel miteinander sprachen sie nicht, meistens lächelte sie nur und bedankte sich.

Dann, nach ein paar Tagen, fiel ihm auf, dass er diese hässliche Bommelmütze langsam nicht mehr als hässlich empfand, sondern als süß.

Sie war leider nicht jeden Tag da, was ihn ärgerte. Morgens ging er aufgeregt zum Weihnachtsmarkt und hoffte, dass sie da sein würde. Wenn er das Rot morgens aus den Augenwinkeln sah, begann er zu lächeln.

Abends versuchte er immer wieder diesen einen letzten Blick zuzuwerfen. Die Haube und sie, irgendwie passten sie zusammen.

Gehen wir deinen Gedankenprozess durch:

Du möchtest etwas ganz Bestimmtes tun oder erreichen.

Du willst es tun, weil du es sonst ewig bereuen wirst.

Zugleich hast du aber auch verdammt viel Angst, weil es so schwer erscheint. Aufwändig ist es auch noch und mit so Dingen wie morgens früher aufstehen verbunden. Also willst du es lieber ganz lassen. Verständlich.

Aber verdammt!

Hör endlich auf so zu tun, als wärst du nicht in der Lage, Entscheidungen zu treffen.

Also hör endlich auf zu zweifeln. Du weißt doch eh, dass du es kannst, wenn du es nur ordentlich willst.

Die Wahrheit ist, dass du zweifelst, weil du nicht beginnen willst, tatsächlich etwas dafür zu tun, oder? Seinen Arsch hochkriegen ist nicht so leicht, das weiß ich. Aber jeden einzelnen Tag verschwendest du eine Möglichkeit mehr, deinem Ziel näher zu kommen.

Wenn du gestattest, ich werde jetzt deinen Schweinehund beim Namen nennen. Du zweifelst zu viel, du redest zu viel. Halt endlich die Klappe von wegen, dass es zu spät ist, dass du zu dumm bist, dass es zu schwer ist. Mach endlich was. Wenn es dann tatsächlich nicht klappt, obwohl du dein Bestes gegeben hast, dann kannst du jammern.

Aber bis dahin: shut up.