Ein Studium sie zu knechten, sie alle zu finden, ins dunkle Wien zu treiben und ewig zu binden

Ich finde Jammern blöd und unproduktiv. Was passiert schon, wenn ich mich aufrege bei meinen Freunden oder meiner Familie? Wir diskutieren darüber, aber wirklich ändern tue ich nichts, außer, ich schaffe mir einen Schlachtplan, aber das kommt selten vor. Denn wenn ich schon eine Lösung habe, brauche ich ja nicht zu jammern.

Früher habe ich die Universität heiß geliebt. Sie war mein größter Schatz, mein Antrieb. In der Volksschule wurde mir gesagt, dass ich es niemals bis dahin schaffen würde und vielleicht kennst du das – wenn Leute behaupten, dass du etwas nicht schaffen kannst, ist genau das die größte Motivation. Zu Beginn wollte ich es noch diesen anderen Leuten zeigen, am Schluss habe ich mir selbst bewiesen, dass ich es kann. Ich bin alleine nach Wien ohne Plan von irgendetwas und habe mich durchgekämpft.

Seit ein paar Monaten schwirren mir aber Gedanken durch den Kopf, die mich sehr belasten. Anfangs wollte ich mit niemandem darüber sprechen, ich kann doch meine große Liebe nicht anzweifeln…

Ich studiere Deutsch, Psychologie und Philosophie um Lehrerin zu werden. Mir macht es Spaß, mit Kindern und besonders mit Jugendlichen zusammenzuarbeiten. Mehr als die Hälfte meines Studiums habe ich abgeschlossen und seit einigen Monaten arbeite ich mit Jugendlichen intensiver zusammen (Hier kannst du alles über meine Freiwilligenarbeit nachlesen!). Durch diese Praxis habe ich eine neue Lupe bekommen, mit der ich mein Studium betrachte… Eine Sorge erreicht mich immer und immer wieder:

Sind meine Lehrenden wirklich kompetent? Je weiter ich im Studium voranschreite, desto öfter sehe ich Personen an der Universität, bei denen ich mich frage: „Wie habt ihr diesen Posten bekommen?“ Asoziales Verhalten, herablächeln und Sarkasmus soweit das Auge reicht.

Ich bekomme unterrichtet, dass ich meine zukünftigen Schüler und Schülerinnen komplex behandeln soll. Mir Gedanken machen soll, wie es ihnen geht und wie mein Verhalten sie beeinflussen könnte. Fünf Minuten später macht sich genau dieser Lehrende über einen Studierenden lustig. Ich sitze in meinem Kurs und frage mich, ob ich gerade in der Trueman-Show bin – was zur Hölle ist hier los?!

Im Titel dieses Blogeintrags habe ich mein Studium in Wien mit Mordor und dem einen bösen  Ring aus der Herr der Ringe verglichen, das ist natürlich überspitzt. Wenn die Leidenschaft für mein Studium erloschen wäre, hätte ich es schon längst abgebrochen. Die Sache ist aber die, dass ich das Ziel meines Studiums ja erreichen will. Ich werde eine Lehrerin sein, das weiß ich ganz genau. Sind das also dann Selbstzweifel oder Zweifel am System?

Dass mein Weg so verlaufen würde, habe ich nicht gewusst. Vielleicht gehört das dazu.

Momentan gefällt mir der Weg nicht so ganz. Vielleicht tut er das aber bald wieder.

Wie geht es dir mit solchen zweifelnden Gedanken? Kennst du das?

Mein Lieblingspodcast „Be Sheroic“ hat zu diesem Thema auch einen Beitrag gemacht, vielleicht willst du ja reinhören:

2 Comments

  1. „Die größten unter Euch, werden Eure Diener sein“
    Ich habe länger gebraucht um zu erkennen, dass die Intellektualisierung der Gesellschaft absurde Züge annimmt. Oben sitzen nicht immer die Menschen mit großen Herz und großer Leidenschaft, sondern auch leider oftmals die, mit großem Ego.
    Sieh es positiv. Lerne, was Du wirklich fürs Leben gebrauchen kannst. Unsere Welt freut sich stets über Menschen, die wirklich mithelfen wollen eine herzliche Gemeinschaft zu bilden, auch wenn die materielle und weltliche Belohnung dafür eher spärlich ausfällt bekommt man viel Liebe zurück. Positiv ist, dass Dir In der Universität viel Freiraum gegeben wird Dich persönlich zu entfalten. Verschwende dabei nicht zuviel Energie, die Ungerechtigkeiten zu analysieren, sondern ziehe Schlüsse daraus, für Dich selbst und Dein Handeln. Die heiligsten Wesen im Zen, sind diejenigen „Ohne Rang und Namen“.
    Irgendwann schaut man sich dann um und lächelt darüber, dass die Raumpflegerin mehr zur Lebensqualität beisteuert, als der Abteilungsleiter.

    1. Hey Danny! Vielen lieben Dank für deinen Kommentar, ich habe mich sehr gefreut 🙂 Und wow, ich kann dir nur applaudieren – du hast das echt toll auf den Punkt gebracht. Ich hatte eine ganz andere Erwartung und manchmal wird man da dann enttäuscht. Ich stimme dir zu, an der Universität hat man die Möglichkeit, Neues auszuprobieren (was manchmal auch angsteinflößend sein kann) und das wiederum ist echt toll 🙂 „Ohne Rang und Namen“… echt interessant, das werde ich direkt mal nachlesen 🙂

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