Ich bin jetzt 21 und neunmalkluger als je zuvor

Heute habe ich Geburtstag! 🙂  Innerlich fühle ich mich so wie an dem Tag, als ich am Strand von Kamakura (Japan) war: ein grinsendes, nach Glück riechendes Honigkuchenpferd, das jedem Menschen in seiner Umgebung mächtig am Arsch geht, weil es einfach nur nervt.

Mein Morgen beginnt also einfach perfekt für mich. Es ist 6 Uhr, im Ohr höre ich noch die Worte meines Japanischlehrers, esse mein Lieblingsfrühstück, schaue die Videos von iiSuperwomanii, meiner Lieblingsyoutuberin, werde danach meine Lieblingsstrecke laufen und meine Pilatesübungen machen. Im Laufe des Tages besuchen mich alle meine Freundinnen, wir werden ein großes Festessen veranstalten und uns meinen Lieblingsfilm gemeinsam ansehen. Am Ende klopft es an der Tür und mein Liebster steht mit einem Brokkoli-Blumenstrauß vor mir, weil er weiß, dass ich Brokkoli liebe und Blumen, die in drei Tagen sterben, hasse.

Genug von dem idealisierten Bild, das ich gerne rund um die Uhr vermitteln würde. Dieses Jahr war der Wahnsinn, aber ich selbst kann mich nicht anlügen. Und dich will ich nicht anlügen. Goethe beschreibt mein 21. Lebensjahr perfekt: „Himmelhochjauchzend, zu Tode betrübt“.

Und weißt du was? Ich liebe es! Langweilig wäre es, wenn ich alles schon erreicht hätte, was ich noch so vorhabe. Aber später dazu mehr. Ich habe bisher mein Leben wie ein Puzzle gesehen: Je älter ich werde, desto mehr Teile kann ich zu einem Bild zusammensetzen. Was ich aber dieses Jahr gesehen habe, hat mich überrascht: Nicht nur, dass unheimlich viele Teile zu einem Bild wurden, nein, die alten Puzzleteile haben auch eine neue Bedeutung erhalten.

Habe ich genug erlebt, dass ich ernsthaft glaube, Lebensberatung bieten zu können? Du meine Güte, nein. Ich will dir helfen und wenn du auch nur über die eine oder andere Lektion lächelst, die ich dieses Jahr gelernt habe.

Ich habe diesen Blogeintrag mit Musikhintergrund geplant, wenn du also vielleicht auch hineinhören willst:

  1. Just fucking do it. Ich schreibe schon immer Texte, seit ich ein kleines Mädchen bin und habe davon geträumt, dass ich es irgendwann einmal jemanden zeigen werde. Keine Ahnung, was ich genau gedacht habe, vielleicht, dass jemand meine Gedanken liest und für mich eine Blogseite eröffnet – cut the bullshit! Zum Glück habe ich mir letzten Dezember gedacht: „Ja, ich mach das jetzt einfach“ und habe diesen Blog eröffnet. Danke an dieser Stelle an dich, dass du diese Zeilen liest, es bedeutet mir wirklich sehr viel 🙂 Sich konkrete Pläne für die Dinge zu schmieden, die man wirklich machen will, ist verdammt wichtig. Wenn du Pech hast, wirst du es sonst nie machen.
  2. Eine kulinarische Erleuchtung hat mir ein Arbeitskollege verpasst: Gib zu Curry mal einen Apfel dazu – es schmeckt so gut!
  3. Anstatt auch die ganze Zeit über Unnötiges zu reden, spreche ich über die Dinge in meinem Leben, die mir Freude bereiten – seitdem treffe ich auch auf mehr Leute, die diese Leidenschaften teilen. Jahrelang habe ich mich wie ein Chamäleon gefühlt, weil ich eine koreanische Band besonders gerne mag. „Noch nie bin ich jemandem begegnet“, das habe ich mir lange gedacht. Tja, in diesem Jahr hat sich das geändert, weil ich endlich aufgehört habe, über Scheiße zu reden und begonnen habe, Leute nach ihren Leidenschaften zu fragen!
  4. Dieses Jahr habe ich mich in die Veränderungen des Lebens verliebt. Früher haben sie mir Angst gemacht, weil ich nicht wusste, wohin es mich verschlägt. Jetzt liebe ich es. Das Leben ist ein Spiel, jeden Tag gibt es eine neue Herausforderung für mich, völlig unerwartet. An mir allein liegt es, wie ich handle, welche Strategie ich einsetze. Wenn bei einem Videospiel alles immer gleich bleibt, langweilt es mich und ich suche mir etwas Neues. Zum Glück ist mein Leben nicht so und jetzt bin ich dankbar.
  5. Im Laufe dieses Jahres bin ich vielen Personen begegnet, viele coole waren dabei. Aber auch Arschlöcher. Und jedes Mal, wenn mir so etwas passiert und ich verletzt bin, erinnere ich mich daran, wie dankbar ich für meine Familie und die Personen in meinem Leben bin. Danke euch für eure Unterstützung und euer Lachen, große Herzen und offene Ohren! ❤
  6. Ich kann die Welt verändern, wenn ich es nur wirklich will! Jahrelang habe ich mir gedacht, dass ich etwas Gutes für die Welt tun möchte. Habe ich je meinen Arsch hochgekriegt und aktiv was getan? Nein. Zum Glück hat sich das geändert und jetzt weiß ich, dass ich wirklich helfe, wenn ich bei meiner Freiwilligenarbeit bin. Ich warte nicht mehr auf ein Wunder, sondern will das Wunder für jemand anderen sein.
  7. Ich liebe japanischen Funk aus den 80ern! Hör mal rein, wenn du Lust hast!
  8. Manchmal steht in meinem Kalender in lila Schnörkelschrift: „Selbstpflege“. Das hört sich mal ziemlich seltsam an und ich arbeite noch an dem Namen, aber es bedeutet einfach, dass ich mich an diesem Tag um mich selbst kümmere. Wenn ich das Konzert meines Lieblingssängers besuche, wenn ich in die Therme gehe oder die fünf Minuten, wenn ich mitbekomme, dass keiner meiner Mitbewohner da ist und ich in der Küche tanzen kann.
  9. Es ist nie zu spät! Wenn du dir sagst, dass du etwas nicht mehr tun kannst, weil die Zeit einfach schon abgelaufen ist, muss ich dir sagen, dass das die beschissenste Ausrede ist, die es gibt. Es ist nie zu spät. Meld‘ dich für den Töpferkurs an, lass‘ dir das Piercing stechen, entschuldige dich, frag‘ nach dem Date. Denn weißt du, wann es wirklich zu spät ist – wenn du tot bist.
  10. Ich habe aufgehört darüber nachzudenken, was andere von meinen Handlungen halten. Wenn ich was machen will, mache ich es. Weil ich es kann. Vor kurzem habe ich mit dir Haare blond gefärbt und viele haben mich gefragt, wieso. „Ist das eine Lebenskrise?“ – „Geht es um einen Typen?“ – „Wieso genau blond?“ Ich habe ihnen dann die beiden Schritte erläutert, die mich zu der Entscheidung geführt haben: 1) Ich wollte es. 2) Ich habe es getan.
  11. Die 5 Sekunden-Regel von Mel Robbins hat mein Leben so verändert! Ich habe ihre Rede „How to stop screwing yourself over“ gesehen und dann das Buch gelesen. Es ist Wahnsinn, wie man endlich das macht, obwohl man keine Lust hat: Einfach von 5 runterzählen, so wie bei einem Raketenstart und dann die unliebsamen Dinge tun – es funktioniert.
  12. Mein Konflikt mit dem Gefühl der Eifersucht ist bereinigt. Ich habe endlich den Prozess dahinter verstanden. Im Endeffekt habe ich die Personen, auf die ich eifersüchtig war, bewundert.  Ich hatte aber nicht die Kraft, es auszusprechen – bis zu diesem Jahr.
  13. Kinder und Jugendliche sind verdammt interessant! Dieses Jahr habe ich mit Kindern und Jugendlichen zusammengearbeitet und auch viel gelernt. Vielleicht bin ich einfach zu neugierig, das kann natürlich sein. Okay warte, ich wollte dich nicht anlügen – ich bin verdammt neugierig. Für mich ist es spannend, worüber sie nachdenken, was sie bewegt, was sie bedrückt.  Als angehende Lehrerin bin ich es gewohnt, Anweisungen zu geben, aber ich finde es fast spannender, wenn man sie einfach sein lässt und zuhört.
  14. Jeden Tag treffe ich eine Entscheidung: Ich wähle den schwereren Weg. Ich könnte natürlich erst eine halbe Stunde vor Unibeginn aufstehen, dann komme ich gerade rechtzeitig noch hin. Oder, ich stehe drei Stunden früher auf, mache Sport, lerne, koche ein leckeres Frühstück und bin wirklich bereit für den Tag. Es liegt ganz an mir.
  15. Dieses Jahr habe ich mich öfters verlaufen, verfahren oder mir gewünscht, ganz woanders zu sein. Undankbar war ich, deshalb habe ich ein kleines Spiel entwickelt: Wenn ich so denke, stelle ich mir vor, dass ich eigentlich in einem anderen Land bin, die Umgebung aber genauso aussieht. Würde ich andere Dinge wahrnehmen?  „Pia, wenn du jetzt in Japan wärst, mit derselben Landschaft, würdest du es total feiern. Also halt die Klappe.“
  16. Sich Langzeitziele zu erfüllen ist tausendmal schöner als Kurzzeitziele. Ich möchte lieber einen langen Pfad bewandern anstatt eines kurzen Spaziergangs. Wenn ich nur Spaziergänge mache, werde ich nie viel sehen, weil es immer schnell vorbei ist. Einen eisernen Willen braucht es vielleicht um sich aufzuraffen und Geduld zu haben, aber alles andere wäre langweilig.
  17. Manchmal rechtfertigen sich Personen nach einem Konflikt sehr seltsam in meinen Augen. Ich weiß jetzt aber, dass niemand der Schuldige sein will. Weder ich, noch sie. Verantwortung zu übernehmen ist schwer und anstatt, dass ich mich darüber aufrege, arbeite ich daran, Verantwortung in Konfliktsituationen besser übernehmen zu können.
  18. Die Geschichte mit der Liebe ist komplexer, als ich in den letzten Jahren geahnt habe. Ich frage danach, was sich mein Gegenüber von einer Beziehung erwartet – und bin erstaunt: Motivationsredner, Anhimmler oder Puppenspieler werden gesucht. Ich für meinen Teil habe für so etwas keine Lust und Zeit. Wieso soll ich jemand anderes zu seinem eigenen Leben motivieren?
  19. Höre auf dein Bauchgefühl und dein Herz. Credit where credit belongs: Danke dir, Mulan! Wenn man seinem Herzen und seinem Bauchgefühl vertraut, geschieht Unglaubliches! Für mich haben sich viele berufliche und persönliche Möglichkeiten ergeben. Und nicht nur das, die richtigen Leute treffen zum richtigen Zeitpunkt auch auf mich.
  20. Nimm immer Taschentücher mit. Nur, weil du noch nie Nasenbluten gekriegt hast, heißt das nicht, dass du es nie haben wirst. Doppelt so blöd, wenn man kein Blut sehen kann.
  21. Ich liebe es, dass ich noch nicht alles habe, was ich mir wünsche. Früher hatte ich ein anderes Mindset: „Nur noch dieses Videospiel, dann bin ich glücklich“, „nur noch dieser Job, dann bin ich glücklich“, „nur noch diese eine Folge ansehen, dann bin ich glücklich“. Hat mich dieses Mindset weit gebracht – Scheiße, nein! Ich wollte mehr und mehr und war nicht dankbar für die Dinge, die ich bereits hatte. Heute bin ich verliebt in den Prozess jeden Tag 150% zu geben, bin verliebt in den Kampf, verliebt in die Herausforderung. Und wenn mir etwas nicht gelingt, finde ich es fast sogar besser. So habe ich die Möglichkeit, nochmal genau darüber nachzudenken und mir eine neue Strategie zu überlegen. Es ist ein Spiel und ich habe es mir zum Ziel gemacht, es zu meistern. Auch im nächsten Jahr.

Nachdenkliches Ratschläge

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