Mein minimalistischer Kleidungsschrank

Früher war das Thema Kleidung für mich immer unangenehm. Ich habe einfach das angezogen, was mir gefiel (zumindest dachte ich das). Dass Kinder und Jugendliche manchmal grausam sein können, weißt du sicher und so erhielt ich über die Jahre den einen oder anderen Kommentar, der mich sehr verletzt hat:

„Du ziehst dich an wie ein Junge.“

„Hast du das von deiner Oma bekommen?“

„Ist dein normales Gewand im Wäschekorb?“

Vermutlich war es nicht allzu böse gemeint, für mich haben sie sich aber bis auf alle Zeiten in meinem Gedächtnis eingebrannt. Ich interessierte mich über die Jahre für Mode, besonders aus dem asiatischen Bereich, aber was „mein“ Kleidungsstil ist, wusste ich lange nicht. Vor mittlerweile über einem Jahr bin ich auf die Konmari Methode gestoßen.

Ich nahm also jedes meiner Kleidungsstück vom Kleiderhacken, nahm es in die Hand und fragte mich, wie ich es wirklich fand. Wie fühlt sich der Stoff an? Was denke ich, wenn ich es berühre? Freue ich mich? 

Anfangs fand ich das schon ziemlich seltsam, wieso sollte ich Kleidung besitzen, die ich nicht wirklich mag? Aber trotzdem hatte ich erstaunlich viele Klamotten, in denen ich mich unwohl und hässlich fühlte. Ich hatte öfters solche Gedanken: „Dieses T-Shirt kann ich nur mit dieser Hose anziehen und dann brauche ich noch die Weste und- Scheiße, die ist in der Wäsche!“ Kennst du das auch?

Diese komplizierten Gedanken wollte ich vermeiden für die Zukunft und daher trennte ich mich. Viele dieser Dinge hingen schon lange im Schrank und ich trug sie nur alle paar Vollmonde, aber sie tatsächlich auszusortieren und Platz zu machen für Dinge, die mir wirklich gefielen, auf diese Idee bin ich nie gekommen. Größtenteils habe ich alles gespendet, weil ich mir erhoffe, dass es jemanden gibt, der mehr Freude daran hat als ich.

Es war ein monatelanger Prozess, weil ich oft weiche Knie bekommen habe und dachte: „Och nö, nein, das ziehe ich sicher nochmal an.“ Als wieder Wochen ins Land gezogen sind, habe ich aufgegeben. Ich habe gelernt, dass ich viele Farben zwar mag, aber sie nicht unbedingt anziehen möchte.

Jetzt lebe ich sehr minimalistisch und habe einen Capsule Wardrobe, falls dir das etwas sagt. Ich besitze nur mehr ein Fünftel meines ursprünglichen Schranks, aber alles passt zusammen – wie ein Wunder. Die Kleidungsstücke, die ich liebe und am liebsten jeden Tag anziehen will, weil sie gemütlich, schön und praktisch sind, passen alle zusammen.

Mein Kleidungsstil war immer schon da, ich habe ihn nur nicht genau genug hingesehen.

Witzig ist, dass ich seitdem Komplimente für meine Kleidung bekomme. Umgehen kann ich damit aber nicht so recht, weil ich immer noch die Sticheleien von früher im Kopf habe. Ich frage mich: „Was, ich und guter Geschmack was Mode angeht? Kann nicht sein.“

 

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5 Comments

  1. Ich habe mit der Kon-Mari-Methode / Magic Cleaning meinen gesamten Besitz ausgemistet. Auch wenn es zuerst „radikal“ erscheinen mag – der ganze Prozess war sehr befreiend. Ich kanns einfach nur empfehlen! 🙂

      1. Ich hhabe das Buch angefangen und bin zeitweilig ein wenig vom „Hey meine Methode ist so super toll! Ich habe voll ERfolg damit“ genervt, wobei ich die Kernaussagen auch sehr gut finde. Vielleicht versuch ich es mal lieber über Youtube.

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