Ein ehrlicher Ratschlag für dich zum Schulbeginn

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Zunächst wünsche ich dir einen wunderbaren ersten Schultag. Liebe Grüße auch an deine Eltern, die vermutlich heilfroh sind, dass du endlich wieder etwas zu tun hast 😉

Ich selbst war zwölf Jahre in der Schule und kann mich noch gut zurückerinnern, wie ich mich jedes Jahr am ersten Schultag gefühlt habe: „Das wird MEIN perfektes Schuljahr!“, dachte ich, als ich mein Outfit stylte, das schon seit zwei Wochen fertig gebügelt im Schrank hing. Ready as hell war auch das Glätteisen um meine, bereits mega versplissten, Haarenden zu zerstören. Dass ich eh glatte Haare habe, habe ich für ein, zwei Jahre erfolgreich verdrängt.

Ein kleiner Einblick in die 15-Jährige Pia: Ich höre gerne japanische Musik, aber ich kann dir nicht sagen, welche Lieder es genau sind, weil ich die Schriftzeichen nicht lesen kann. Als meine Mama unabsichtlich meine iPod-Bibliothek löscht, bricht eine Welt für mich zusammen. Wie zur Hölle soll ich wieder zu der Musik kommen? Eine wahrhaft dunkle Episode aus meinem Leben…

Du merkst vielleicht, ich würde heute vermutlich einiges anders machen. Früher Japanisch lernen und mein Glätteisen wegwerfen. Aber vielleicht kann ich dir das Folgende mitgeben: (Und wenn du schon, so wie ich, viel zu alt für die Schule bist, kannst du ja trotzdem weiterlesen und mitlächeln)

  1. Die coolen Kids sind nicht so cool, wie du jetzt gerade glaubst. Du weißt ganz genau, wen ich meine. In meiner Hauptschulzeit waren es die Kids, die geraucht haben, im Gymnasium dann die, die nachts lange unterwegs waren. Ich verurteile niemanden, der eines dieser Dinge tut, dafür aber mich selbst:  „Nur so kann man cool sein… Deshalb werde ich immer komisch und langweilig bleiben!“ Alleine der Wunsch, cool zu sein, den verstehe ich jetzt mit 20 Jahren überhaupt nicht. Und wieso war ich so überzeugt davon, dass ich niemals cool sein kann? Da kommt der Selbsthass auch schon um die Ecke und man macht sich selbst nieder. Perfekt gemacht, Pia! Sei klüger als ich und lass das lieber von Anfang an bleiben!
  2. Ich will gar nicht wissen, wie viel Zeit ich mit dem Aufregen über Noten und anderen Menschen verschwendet habe. (Auffällig ist, dass ich eher über Mädchen gesprochen habe – aber das ist ein anderes Thema, in das ich später mal eintauchen werde). Einfach too much Drama. Habe ich das Drama gesucht und gebraucht? Ich weiß es nicht. Ich bin mir nur sicher, dass ich mehr Zeit mit Essen hätte verbringen können.
  3. Du wirst diese Leute nicht für den Rest deines Lebens jeden Tag sehen. Ich war wirklich zu 100% überzeugt davon, dass ich meine Schulkollegen aus der Volksschule, Hauptschule oder Oberstufe so circa alle drei Wochen sehen werde. But No. Es ist schwieriger, ein Treffen zu organisieren, als man denkt. Einerseits ist das gut, wenn Menschen, die dich unglücklich machen, nicht mehr in deinem Umfeld sind, andererseits ist es traurig, wenn du deine Squad eigentlich öfter sehen willst.
  4. Wenn ich die Chance hätte, in eine Zeitmaschine zu springen und meinem jüngeren Ich etwas zuzuschreien, eintättowieren zu lassen und eine 25-minütige Powerpointpräsentation zu halten, wäre es dieser Satz gewesen: Du musst nicht von allen gemocht werden. Harmoniesüchtig wie ich bin, habe ich mir lange gewünscht, mit jedem befreundet zu sein. Wie viel Zeit ich investiert habe, Leuten, die mich offensichtlich nicht mögen, gefallen zu wollen, will ich gar nicht wissen. Mit zwölf, dreizehn hatte ich dann Anwandlungen einer Erleuchtung, aber letztenendes dauerte es bis zur Matura, bis ich es völlig verstanden habe. Forget the haters.
  5. Der Einfluss eines Lehrers ist groß, aber die Macht in dir ist auch stark. Ich habe jahrelang meine Aversion gegenüber der Mathematik und den Naturwissenschaften all den Lehrern, die mich in diesen Fächern unterrichtet haben, gegeben. Das ist ein dämlicher Abwehrmechanismus, den ich erst nach meiner Schulzeit nachvollziehen kann. Einfach ist es, anderen die Schuld zu geben. Stattdessen hätte ich mich fragen sollen, was mich denn in diesem Bereich so verunsichert. Daraufhin hätte ich aktiv etwas an der Situation ändern können und meinem Jammern wäre eine Ende gesetzt gewesen. Ähnlich war auch meine Aussage, dass ein Fach, in meinem Fall Englisch, einfach zu leicht ist und ich mich unterfordert fühle. Dass ich jemals so einen Bullshit geäußert habe, verpasst mir jetzt die Gänsehaut meines Lebens. Mir ist auch hier erst später in den Sinn gekommen, dass man sich in seiner ebenso Freizeit weiterbilden kann. Es ist einfach, dem Lehrer viel Schuld zuzuschreiben, wenn man sich nicht eingestehen kann oder will, dass man selbst auch verantwortlich ist für sein Leben.
  6. Mach die Dinge, die dir Spaß machen, auch wenn sie verdammt komisch sind. Das ist ein Ratschlag, den ich selbst umgesetzt habe und ich kann dir sagen: Beste Entscheidung ever. Mittlerweile habe ich gehört, dass es modern ist, sich weird und dorky zu verhalten. Alternativ zu sein ist cool, komisch zu sein ist cool. Dieses high-fashion-cute-komisch meine ich aber nicht, sondern dein wirkliches Ich. Als Beispiel werde ich mich jetzt mal outen: Wenn ich mit meinem Hund alleine bin, führe ich Gespräche mit ihm. Aber so richtige Gespräche, nicht nur ein paar Sätze. Ich gebe ihm dann eine Stimme, die mich persönlich an Mister Bean erinnert und wenn ich schon dabei bin: Ich frage mich, wieso es für Frauen Mrs. und Ms. gibt, aber für Männer nur Mr… Total unfair. So und das war jetzt mein wirkliches, seltsames Ich. Lass deins doch auch raus!

Ich wünsche dir einen wunderbaren ersten Schultag und viel Ausdauerkraft für das Schuljahr.

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