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Niemals hätte ich gedacht, dass ich diese Worte schreiben werde. Ich und vegan? Shut up. Die ganzen Stereotypen der „Hippie-Menschen“, die nur Karotten und Blumenkohl essen, wollte ich niemals verkörpern. Trotzdem lebe ich jetzt glücklich seit vier Monaten vegan und die Frage lautet, wie es dazu kommen konnte.

Anfang Mai wollte ich aus Spaß ein wenig meine Selbstbeherrschung trainieren, aber da ich weder rauche, Alkohol trinke oder Drogen nehme, brauchte ich etwas anderes. Gefunden habe ich es in der Tätigkeit, die ich jeden Morgen ausübe, seit ich ein kleines Mädchen bin: Müsli essen. Jeden. Gottverdammten. Tag.

Meine Idee ist es also gewesen, ab dem ersten Mai auf Milchprodukte zu verzichten und zu sehen, wie lange ich durchhalte. Der Aspekt mit dem Fleisch hat mich nicht abgeschreckt, weil ich es schon länger nicht mehr konsumiere. Ich wohne seit einem Jahr alleine und kaufe selbst ein, daher habe ich die Entscheidung getroffen, dass wenn ich schon Fleisch esse, es Bio ist. Das ist wiederum eine kostspielige Angelegenheit und wenn ich ehrlich bin, schmecken mir andere Speisen viel mehr. Ab und zu habe ich es früher gegessen, wenn ich irgendwo zu Besuch war, damit ich mal ordentlich die „Proteine“ hole, die mir durch den fleischlosen Konsum fehlen und meine Ergebnisse im Sport somit schön konstant bleiben. Dass das völliger Bullshit ist, habe ich erst mit der Zeit gelernt.

Das Thema Fisch und Fleisch ist also nicht so das Problem, sondern lediglich die Milchprodukte. Ich hätte mir natürlich Sojamilch kaufen können, aber ich war einfach zu neugierig, wie ich auch ohne Ersatzprodukte agieren würde… Frisch zu kochen ist ebenfalls kein Neuland für mich, sondern ein Hobby, seitdem ich alleine lebe. Neue Rezepte auszuprobieren war eines der Dinge, auf die ich mich am meisten gefreut habe.

Mein Grund vor vier Monaten, vegan zu leben, war also eine reine Challenge. Wie weit kann ich gehen? Wie resistent bin ich bei Zielen, die ich mir vornehme?  Ich bin ohne Erwartungen an die Sache herangegangen und es hat mich wirklich vom Hocker gerissen, was sich verändert hat.

Das ist kein Angriff an dich, wenn du Fleisch isst und Milch trinkst. Ich finde, dass jeder das machen und essen sollte, was Freude macht und tatsächlich auch schmeckt! 🙂 Ich möchte dir einfach die Geschichte erzählen, wie ich mich so VERDAMMT in einer Sache getäuscht habe, wie noch nie.

Der erste Monat – Wo kommen all die Muskeln auf einmal her?

Ich fühle mich irgendwie wacher. Zusammen mit der Vegan-Challenge versuche ich auf meine Gesundheit zu achten und früher schlafen zu gehen, daher hängt es vermutlich nicht direkt mit der Ernährungsumstellung zusammen. Trotzdem freue ich mich sehr.

Ich lese alle Kochbücher, die ich in die Hände kriege, mit Rezepten, die mir allesamt viel zu kompliziert sind. Vielleicht für den einen oder anderen Anlass spannend, aber im Alltag brauch ich so einen Firlefanz echt nicht. Die Antwort finde ich auf der Website Pick Up Limes: Sadia hat Diätologie in Kanada studiert und ihre ruhigen, entspannenden Videos auf Youtube erlegen meinen Übereifer. Die ganze Sache ist einfacher, als ich momentan das Gefühl habe. So eine Umstellung ist schwierig, aber wenn ich die oberste Priorität (auf Milch verzichten) im Auge behalte, wird alles andere an seinen rechten Platz fallen.

In meiner Sportroutine verändere ich nicht viel, im Gegenteil, durch Prüfungen an der Universität komme ich nicht dazu, regelmäßig laufen zu gehen und mache nur weiter mit meinem Pilatestraining und Calisthenics. Komischerweise entwickle ich Muskeln, von denen ich dachte, dass ich schlichtweg nicht die Veranlagung habe, sodass man sie tatsächlich sieht. Solange mir meine Arme helfen, den Einkauf zu tragen, reicht es mir, aber dass ich auf einmal einen richtigen Bizeps habe, ohne die Lichter in meinem Bad zu manipulieren, hat mich schon verwundert. Ich trainiere jetzt seit fast sieben Jahren zwei bis drei Mal wöchentlich (das sind rund 700 Workout-Sessions) und ich dachte, dass ich schon auf meinem Höchstlevel agiere… Da habe ich mich getäuscht. Der vegane Sportler Derek Simnett zeigt mir, dass Muskelaufbau nicht von tierischem Protein abhängt…

Der zweite Monat – The Sixth Sense

Weil es mir so gut gefallen hat und ich mir echt nicht schwer tue, beschließe ich heimlich, dass ich für den Moment so weiterlebe, weil es mir gut tut. Anderen erzähle ich nicht davon, weil es mir ein wenig peinlich ist, jetzt vegan zu leben. Früher habe ich solche Leute verurteilt – vermutlich verurteilen Leute jetzt mich.

An diesem Wochenende höre ich die Rede, die mein Leben nachreichend beeinflusst hat:

Es wird nicht nur über die gesundheitlichen Veränderungen gesprochen, die ich am eigenen Leib fühle, sondern auch über den Umweltschutz und die ethischen Aspekte eines solchen Lebensstils. Zu diesem Zeitpunkt wird meine vegane Ernährung erweitert, es ist keine Challenge mehr für mich, sondern so viel mehr. Ich fühle mich einfach nicht so, als würde ich auf etwas verzichten.

Nach der Rede gehe ich durch den Supermarkt und sehe keine Milchpackungen mehr, sondern Kälber, die die Milch ihre Mütter nicht bekommen. Wusstest du, dass Kühe schwanger sein müssen, um Milch geben zu können? Ich nicht… Ich komme wir vor wie in „The Sixth Sense“ – ich bin besessen von Toten. So etwas kann ich nicht mehr essen!

Es sollte eigentlich nur eine einfache Challenge sein, aber das verwandelt sich gerade in etwas sehr Großes… Am Ende des Monats spreche ich zum ersten Mal den Satz: „Ich bin Veganerin“ aus. Vor meiner Mutter musste ich mich nicht outen, weil sie es von selbst herausgefunden hat – ich habe kein Nutella mehr gegessen (neben Milch mein zweites, ehemaliges Grundnahrungsmittel) und sie hat 1 und 1 zusammen gezählt.

Der dritte Monat – Es wird tricky

Ab dem dritten Monat ist das Thema für mich gegessen (pun intented), weil es kein Aufwand mehr ist. Ich habe meine Rezepte zusammengestellt, all die leckeren Snacks und Mahlzeiten. Die Inhaltsstoffe lese ich nur noch selten, weil ich weiß, was mir gut tut und was nicht. Kurz gesagt: Vegan zu leben ist jetzt Alltag.

Spannend sind in diesem Monat all die Momente, in denen ich mich in Situationen befinde, wo meine Ernährung zu einem verdammt großen und heiß diskutieren Thema wird. Seit ich vegan lebe, werde ich ständig zu Partys und Kochabenden eingeladen. Ich helfe mir damit aus, dass ich immer eine große Portion an Essen mitnehme, damit meine Freunde mitessen und probieren können. Wenn jemand neugierige Fragen hat, beantworte ich sie gerne.

Oft hatte ich aber das Gefühl, dass Leute sich angegriffen fühlen, wenn ich sage, dass ich kein Fleisch esse und „sogar“ Veganerin bin. Eine Diskussion breitet sich aus und ich frage mich: „Soll Essen nicht Menschen an einem großen Tisch mit Freude zusammenbringen? Es ist eine Entscheidung, die mich betrifft und ich respektiere dich doch auch!“

Gerade in dieser Woche lädt mein Lieblingspodcast „Be Sheoric“ eine Folge zu diesem Thema hoch, wenn du willst, kannst du auch mal reinhören:

Ach ja und Manner Schnitten sind auch vegan! 😀

Der vierte Monat – Es ist in Ordnung, wenn ich Mist baue

Den August verbringe ich hauptsächlich bei meiner Familie daheim, was die Situation ein wenig verändert, weil ich nicht mehr für mich alleine einkaufen gehe und koche, sondern für alle. Ich wollte niemals Veganerin sein und schon gar nicht eine, die sich vor Fleisch ziert und ekelt. Leider ist es soweit gekommen. Am Anfang war ich maßlos enttäuscht und wütend, aber diese negativen Gefühle bringen mir auch nichts. Ich habe mit meiner Familie gesprochen und ihnen gesagt, dass es mir leid tut, ich aber Fleisch nicht mehr zubereiten werde.

Außerdem esse ich Chips, in denen Milchpulver ist und merke es erst, als mich eine Freundin darauf hinweist. Erst jetzt verstehe ich es, wenn Leute wegen so etwas ausrasten… Früher habe ich mich darüber lustig gemacht, jetzt frage ich mich selbst, was Milch bei Erdäpfeln eigentlich zu verloren hat!

Weiter stehen meine Kochkreationen nun mehr unter Beobachtung und ab und zu sieht mein Essen einfach nicht sehr ästhetisch aus, ganz egal ob vegan oder nicht-vegan. Ich versuche mich auch darin, selbst Hafermilch zu machen, aber IGITT. Das ist mir mal so gar nicht gelungen… Vielleicht arbeite ich noch an dem Rezept. Vielleicht probiere ich es nie wieder. Krieg‘ immer noch Gänsehaut beim Erinnern an diesen bestialischen Geschmack.

In diesen wenigen Wochen hat sich mein Körper und Mindset so verändert, wie ich es niemals zu glauben gewagt hätte. Ich freue mich, dass diese Challenge sich in etwas so Wichtiges für mich entwickelt hat und ich bin dankbar für all die Leute, die mich unterstützen und in meiner Entscheidung respektieren.

Früher habe ich mich gefragt, was „solche“ Leute verzehren und wie sie das eigentlich durchhalten können. Heute weiß ich, dass es so viele veganes Essen gibt, das mir persönlich einfach super lecker schmeckt und gut tut. Dass Brokkoli mal mein Lieblingsessen sein würde, hätte ich niemals gedacht. Schön, dass das Leben es immer wieder schafft, einen zu überraschen!

Bist du morgens wütend, wenn du aufstehst, obwohl du noch nicht mal auf Instagram dir das Leben anderer, augenscheinlich glücklicherer Menschen angesehen hast? Ist deine Familie zu anstrengend und scheren sich deine Freunde einen Dreck um dich?  Ist die Motivation für Dinge, die dir einst Freude  bereitet haben, verschwunden?  Ist deine To-Do Liste niemals leer, weil du Sachen, die du schon längst erledigt hättest sollen, nacheinander reihst wie Domino-Steine?

Okay, ganz ruhig. Ein- und Ausatmen.

Du hast grad viele Baustellen in deinem Leben und weißt nicht so recht, wo du beginnen sollst. Alles sieht anstrengend aus, also kannst du nicht mal die Strategie verwenden, mit dem anzufangen, was leicht erscheint. Du bist überfordert.

Hast du deine Probleme genau artikuliert oder aufgeschrieben? Überleg‘ dir, was genau das Problem in dieser Situation ist: Wenn deine Freunde dich nicht fragen, ob du mit ihnen ins Kino gehen willst, bist du total wütend, weil sie dich vergessen oder bitter enttäuscht, weil du von ihnen mehr erwartet hast? Ist es vielleicht sogar beides?

Die Schaltstelle für alle deine Probleme bist am Ende du selbst. Du kannst entscheiden, wie du reagierst, du hast die Wahl. Wenn du das Gefühl hast, dass dir die ganze Welt ein beschissenes Leben verpassen will, hast du dich getäuscht. Jeder Mensch schert sich am meisten um sich selbst und ich kann mir nicht vorstellen, dass es jemanden gibt, der einen großen, teuflischen Plan ausheckt, um dir morgens den Kaffee zu versauen.

Lerne dich selbst besser kennen und frage dich, was dir tatsächlich aus einem dunklen Loch heraushilft. Was macht dir Freude, was kann dich aufheitern? Wenn du eine Antwort auf diese Frage hast, ist dir schon sehr geholfen, weil du aktiv etwas dagegen tun kannst!!!

Rufe jemanden an, sage Leuten, dass es dir gerade echt nicht gut geht, damit sie die Chance haben, dir helfen zu können. Und ich weiß, dass es schwer ist, sich selbst verwundbar und empfindlich zu zeigen… Aber wenn verschweigen bisher nie etwas gebracht hat, ist es doch an der Zeit, eine andere Methode zu wählen, findest du nicht?

Wenn du nicht weißt, was dir selbst Freude macht:

1) Bitte führ dich auf ein wunderschönes Date aus und lerne dich selbst kennen (Und keine Sorge, wir wissen beide, dass das erste Date awkward ist. Es lohnt sich aber. Ich weiß, dass du sehr cool und witzig und unglaublich bist)

2) Kennst du Shine? Das ist ein Nachrichtenservice aus Amerika, der dir ein paar Mal in der Woche motivierende, aufbauende und positive SMS schickt. Ich habe Shine über den Facebook-Manager abonniert und freue mich immer, wenn ich morgens so geweckt werde. Die Nachrichten sind auf Englisch und wie ein Gespräch konstruiert, weil man gefragt wird, in welche Richtung sich die Unterhaltung gestalten soll. Shine spricht dich auch mit deinem Namen an, was ich besonders witzig finde.

Superwoman hat dazu ein spannendes Video gedreht: HOW TO STOP THROWING SHADE AND START THROWING SHINE…

Wenn wir aufhören, Bullshit über andere zu reden, wird unser Leben aufhören, uns Bullshit auf dem Morgenteller zu servieren.

Wenn du dieses Video sehen willst, dann immer hier lang und wenn du Shine über Facebook erhalten willst, bitte hier weiter!

Seit einigen Monaten leiste ich in meiner Freizeit Freiwilligenarbeit. Eigentlich will ich das schon seit langem machen, aber so wirklich hat es sich erst ergeben, als ich es als Zusatzleistung für mein Lehramtsstudium an der Universität Wien machen musste.

Wie so vieles im Leben muss man seinen Hintern hochkriegen und etwas tatsächlich planen, wenn man etwas will und nicht nur davon reden:

  • Willst du dir endlich diese eine Serie ansehen? Dann schreib es dir in deinen Kalender.
  • Willst du regelmäßiger Sport machen? Dann behandle es wöchentlich als fixen Termin, so wie das Fortgehen mit deinen Freunden.
  • Willst du früher schlafen gehen? Dann stell dir einen Wecker für’s Schlafengehen. (An diesem Punkt arbeite ich selbst momentan 🙂 )

Und weil ich die Freiwilligenarbeit auch endlich ernstgenommen habe, kann ich jede Woche meinen Beitrag leisten und Jugendlichen helfen.

Ich arbeite beim UniClub  mit, einer Initiative des Kinderbüros der Universität. Wöchentlich gibt es zwei Mal den LernClub, bei dem ich Mädchen und Jungen beim Lernen, Hausaufgaben und dem Vertiefen ihrer Deutschkenntnisse unterstützen kann. Jetzt im Sommer muss natürlich nicht so viel gelernt werden, daher haben wir momentan ausgesorgt mit dem Sommerclub, der Konzertbesuche, und zahlreiche Uno-Wettkämpfe beinhaltet.

Theoretisch könnte ich jetzt aber aufhören, da  ich es nicht mehr zwingend für mein Studium brauche… Wieso bleibe ich aber dabei?

Es ist so, wie ich immer davon gelesen habe. Freiwilligenarbeit gibt dir viel auf deinen eigenen, persönlichen Weg mit – viel mehr, als jemals mit Gehalt aufgewogen werden könnte. Als angehende Lehrerin kann ich so Praxiserfahrung in den unterschiedlichsten Situationen sammeln (wie verhalte ich mich, wenn ich mit 50 Jugendlichen auf einem Ausflug bin? An ein Seminar kann ich mich nicht wenden, weil es das nicht gibt!).

Am meisten überrascht es mich aber Woche für Woche, wie viel Spaß ich dabei habe. Jede Woche freue ich mich auf den Termin, weil ich weiß, dass ich mit einem großen Lächeln nachhause gehen werde…

Wenn du Interesse hast, auch mitzuarbeiten, dann gibt es hier die Website: UniClub! Wenn du das Projekt UniClub unterstützen willst, gibt es hier auch die passende Anlaufstelle: Den UniClub HIER unterstützen!

Mona ist ein kleines Mädchen, das seit langem eine schwere Bürde zu ertragen hat… Sie muss mit einem Dämon zusammenleben.

Mona selbst war stets fröhlich gelaunt und hat Spaß, wenn sie draußen ist und die tägliche Arbeit verrichtet. Aber wenn sie nachhause kommt, geht die Sonne, die sie versucht hatte in ihrem Herzen einzufangen, schnell wieder unter.

Der Dämon hat sie vor vielen Jahren gefangen genommen und weil ihre Eltern nicht das Geld besaßen, um sie freizukaufen, musste sie weiterhin mit ihm zusammenleben. Mona versucht ihr Bestes, dem Dämon alles recht zu machen, nachzufragen, ob es in Ordnung ist, was sie tut – doch letztenendes ist sie der Mistkübel für die furchteinflößenden Emotionen des Dämons.

Manchmal verändert er seine Gestalt und wird zu einem Bär, einer Schlange oder einer Katze. Sein Inneres bleibt aber gleich, er atmet laut, kurz bevor er Mona anschreit und seine Augen funkeln, wenn sie zu weinen anfängt.

Wenn es zu einem Streit kommt, sagt der Dämon immer: „Du wirst hier bleiben, ich brauche dich“. Das weiß Mona bereits, sie kümmert sich um alles, aber heute ist es anders. Diese Worte werden sie nicht mehr aufhalten.

Brauchen sie sich wirklich gegenseitig?

In dieser kühlen Sommernacht beschließt Mona, zu fliehen. Bisher konnte sie diese Option nicht ernsthaft wählen, weil es ihr nicht rechtens vorkam, aber ihr Leben wurde immer mehr wie ein schwarzer Vorhang, sie konnte die Freude nicht mehr sehen. Es war genug.

Sie entkommt mit einer großen List, indem sie das Haus mit Spiegeln ausschmückte. Dem Dämon fiel niemals auf, dass Mona eigentlich weg ist…

Weil der Dämon Mona ist und  Mona der Dämon – sie  sehen gleich aus. Manchmal ein Bär, manchmal eine Schlange und manchmal eine Katze.

Ich kann doch nicht die Einzige sein, die sich beim Gang zum Frisör lieber drei Mal überlegt, ob es denn tatsächlich wieder soweit sein soll. Wirklich das Risiko eingehen und die wertvolle Haarpracht in die Hände eines anderen Menschen legen?

In meinen zarteren Jahren war die Frage nach dem Haarschnitt von der Frisörin an mich immer: „Und, gefällt dir die Frisur?“. Dieser Satz ist mein Kryptonit. Denn nein, natürlich gefällt es mir nicht. Ich wollte eine neue Frisur haben und kein Vogelnest, das sich in meinem Nacken versteckt und mich anhüstelt.

„Was haben Sie da mit dem Föhn gemacht, wieso sehen meine Haare aus, als wäre ich vom prasselnden Regen in ein überhitztes Einkaufszentrum gelaufen und vom Heizungsgebläse einmal ordentlich belästigt worden!?“

Sage ich. Natürlich nicht.

Früher hatte ich sehr lange Haare und natürlich hat ein Frisör das Talent, dir einzureden, dass 15cm Spliss einfach weg müssen. Jedes Mal brauchte ich dann einen mental talk, um mir (nicht erfolgreich) einreden zu können, dass das in einem Monat eh alles nachgewachsen ist. Für mich war die Zeit mit langen Haaren sehr dunkel und vor allem verknotet, daher habe ich mich dazu entschlossen, sie abzuschneiden.

Freundinnen fragen mich, was der Vorteil an kurzen Haaren ist: kurz gesagt (hehe) rundum sparen zu können. An Zeit, am Shampoo und an Nerven. Auch diese desillusionierten Aktionen, wie zum Beispiel sich spontan dafür zu entscheiden, die Haare doch zu glätten, obwohl ich schon längst aus dem Haus sein müsste, weil ich spät dran bin. Mit kurzen Haaren bleibt man realistisch.

Meine Frage zum Schluss an dich: Kennst du auf dieser großen, weiten, bunten Welt eigentlich diesen einen Menschen, der rundum zufrieden und glücklich beim Frisör wieder rausgeht?

Wenn der Vorhang fällt und er noch ein wenig auf der leeren, noch heißen Bühne steht, weiß er, dass er seinen Traumberuf gefunden hat. Sein Hals tut vom Sprechen noch weh, sein Lächeln kann er aber trotzdem nicht verbergen. Eine weitere Vorstellung ist geglückt und er sieht das Lächeln ihrer Augen noch vor sich.

Als Geschichtenerzähler hat man zwar nicht die besten Arbeitszeiten, da Schlaf zum Luxusgut wird. Aufgewogen wird es durch jede Sekunde des Erzählens, da es pures Gold für ihn ist. Jeder Tag ist anders, neue Herausforderungen stellen sich ihm, eine größer als die andere und er ist süchtig danach, an ihnen zu wachsen.

Es gibt nur wenige Bereiche, in denen man die Chance hat, etwas in Menschen auszulösen. Er schafft es – sei es Spannung, Freude oder Mitgefühl. Wenn er diesen Ausdruck in den Gesichtern seiner Zuhörer sieht, weiß er, dass er im Leben mehr nicht braucht.