Eine Piratengeschichte

Einer der anderen Typen auf dem Schiff hat entdeckt, dass ich nicht das bin, was ich vorzugeben scheine.

Ich muss ihn jetzt irgendwie stillhalten. Wie genau, weiß ich leider noch nicht. Seine Augen glühen in der Dunkelheit, als er mich ansieht. Einerseits würde er mich wohl gerne  ausnutzen und missbrauchen, aber auf dem Schiff geht das nicht, weil es dann alle wissen und er vermutlich nichts mehr von mir abkriegt. Ich würge leicht, als ich mich von ihm abwende und meinen Kopf auf das Holz lege.

Es knarrt und riecht seltsam, daher versuche ich mit aller Kraft, mich auf die anderen Gerüche zu konzentrieren, die ich erahnen kann. Gerne würde ich mir etwas zu Essen stibizen, aber ich will meinen Kopf nicht gleich in der ersten Woche auf dem Schiff riskieren. Das wird eine lange, zähe Fahrt werden, aber am Ende lande ich endlich dort, wo ich hingehöre.

Ich werde mich kein einziges Mal waschen, damit mein Gesicht schlecht erkennbar bleibt, außerdem verstecke ich das kurz geschorene, dreckige Haar zusätzlich noch unter einem Stofftuch. Nichts sage ich gegen all die Beleidigungen, die uns der Kapitän zuwirft, ob wir denn tatsächlich Seeleute wären, weil wir uns eigentlich wie Weiber aufführen. Ich halte einfach meine Klappe und versuche, zu überleben. Für meinen Sohn Jul, der schon auf  mich wartet.

Posted In:

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s