Salz in die Wunde streuen

So sagt man doch. Ich finde, dass man sich das ziemlich gut bildlich vorstellen kann. Auf der einen Seite eine Wunde; warm, aufgeschlitzt und blutig, auf der anderen Seite dann die feinen, weißen Mineralien. Wenn sie aufeinandertreffen ergibt das ein Feuerwerk, glaubt mir. Es zerreißt einen förmlich, man verzieht das Gesicht und kämpft gegen die Tränen in den Augen.

Und genauso ging es mir. Ich hab in meine offene, große Wunde von jemandem Salz hineingestreut bekommen. Der erste Schlag, die Verletzung an sich, hat zwar höllisch weh getan, aber das Verheilen ist fast noch schlimmer, weil es Zeit braucht. Und nicht nur das, sondern auch Leute, die einen unterstützen und in den Momenten stark sind, wenn man selbst am Boden liegt. Man benötigt eine gewisse Selbstachtung, um irgendwann das Fragen ruhen zu lassen und sich selbst nicht mehr so fertig zu machen. Man muss sich, seinem Kopf und seinem Herzen selbst Zeit geben, um diese schwere Wunde verheilen zu lassen.

Denn ja, es hat sehr weh getan, aber heute tut es das nicht mehr. Der Wunsch, die Situation ändern zu wollen, ist versiegt, ebenso das Verlangen mit jedem die ganze Zeit darüber sprechen zu wollen, als würde das etwas ändern.

Ich hab mittlerweile eine Narbe an diesem Ort und heute spüre ich noch einen leichten Stich, wenn ich sie sehe. Erinnerungen an Schmerz und dunkle Zeiten überwältigen mich von Zeit zu Zeit, aber der Stolz, es überstanden zu haben ist tausendfach größer. Mit so viel mehr Wissen über mich selbst, meine Kraft und andere Menschen, die für einen da sind, hat man die Möglichkeit, nun auch anderen Menschen mehr helfen zu können. Außerdem können Narben unheimlich schön sein. 

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