Ein Trip mit Falco in den Himmel

Heute wäre Falco 60 Jahre alt geworden. Ich habe ihm so viel zu verdanken, er war mein musikalischer, revolutionärer Superheld und trägt diesen Titel in meinem Herzen auf alle Zeiten. Aber ich möchte Dir jetzt eine ganz andere Frage stellen: Was macht ein elfjähriges Mädchen in seiner Freizeit?

Egal, was Du jetzt sagen willst, es ist vermutlich falsch. Erst ganz zum Schluss (wenn überhaupt) kommt Dir wahrscheinlich das Schreiben einer Fan-Fiction in den Sinn, in der man selbst Falco im Himmel trifft, weil er einen umgebracht hat (Spoiler-Alert).

Genau das habe ich aber getan. Viel Spaß beim Lesen. Und falls du das irgendwann, irgendwo zu lesen kriegst: Happy Birthday, Hans.


Wie jeden Morgen ging ich zu der Bushaltestelle und wartete auf meine Freundin Anna. Auf der Straße war wieder einiges los, immerhin Montagmorgen. Plötzlich sah ich ein weißes Licht und mich packte jemand. Ich wurde gezwungen in ein fremdes Auto zu steigen und wehrte mich kräftig, doch dieser Mann in Schwarz, der war einfach zu kräftig für mich.

Ich musste mich selbst anschnallen, während der Mann vorne einstieg. Ich dachte gerade, ob das vielleicht doch alles nur ein schlimmer Traum wäre und Tränen stiegen mir in die Augen. In dieser abstrusen Situation stiegen die verrücktesten Gedanken in meinen Kopf, zuletzt dachte ich an „Jeanny“, mein Lieblingslied von Falco. Wenigstens würde es jetzt Sinn ergeben, wieso ich genau dieses Lied von ihm so gerne mag – ich wurde ja entführt. Ich summte die Melodie leise vor mich hin, während mir die Tränen herunter kullerten. Beim Refrain stimmte der Mann mit ein. Ich war noch ganz verwirrt, als er sich plötzlich umdrehte, die Kapuze herunternahm und ich ihn erkannte: Falco!!!

„Jetzt werde ich komplett verrückt!“, dachte ich. „Vielleicht weiß er sogar, dass ich ein Fan von Falco bin und denkt, dass er mich mit dieser erschreckenden Ähnlichkeit beeinflussen könnte.“ Er fragte: „Pia, ist alles in Ordnung?“. Als ich hörte, dass er meinen Namen kannte, fiel ich einfach in Ohnmacht, es war zu viel. Ich wachte in einem ziemlich seltsamen Raum auf. Ich glaubte sogar, ich wäre in einem Filmstudio, denn alles war weiß und mit flauschigen Wolken bedeckt. Als ich meine Hand durch die Wolken steckte, spürte ich keinen Boden. Ich machte ein Loch hinein und sah hindurch. Ich sah zwar den Boden, aber erst nach hunderten von Metern. Ich war in der Luft! Auf einer Wolke! Ich war also nicht im Weltraum sondern etwas tiefer…

Da hörte ich eine Melodie, die mir sehr bekannt vorkam. Ich dachte nach und da fiel es mir ein: „Ihre Tochter“. Ich dachte schon, dass der Mann, der aussah wie Falco, weg wäre. Naja, wenn ich tot bin, kann er mir ja nicht mehr wehtun. So folgte ich der Melodie, die immer lauter wurde. Schließlich kam ich wieder zu dem Mann, aber ich versteckte mich hinter einer weichen Wolke. Er hingegen sah ganz anders aus. Seine Haare waren glatt nach hinten gekämmt und er wirkte gar nicht  mehr angsteinflößend. Fast schon ein wenig traurig und ich bildete mir ein, eine Träne in seinem Auge gesehen zu haben. „Komm her, Pia, ich sehe dich“, meinte er nach kurzer Zeit. Wahrscheinlich hatte ich mich ein wenig zu sehr vorgebeugt. Ich ging langsam zu ihm.

„Als Kind wollte ich nur Popstar werden… Was wolltest du denn einmal sein, Pia?“, fragte er und zerstörte die Stille. „Ich will noch vieles. Mehr verstanden werden zum Beispiel. Für ein Mädchen in meinem Alter ist es nicht üblich, Falco zu hören…“, gab ich als Antwort. Er fragte mich sofort, warum ich Falco sagte, ich konnte doch sagen, dass ich „dich“ hörte.

Mit einem fragenden Blick sah ich in die Richtung dieses schwarzhaarigen Mannes, dunkel wie das Gefieder eines Raben. „Du bist der echte Falco? Ich dachte, dass der Entführer nur so aussah, damit er ein Fünkchen Vertrauen zwischen uns schaffen könnte… Wo bin ich überhaupt? Im Himmel wohl nicht, oder?“. Er sah mich traurig an und ich glaubte zu verstehen.

„Ich bin also wirklich im Himmel und ich bin tot. Nicht mehr auf der Erde…“, sagte ich verzweifelt. Er hingegen starrte auf den Boden. „Ich habe dich gerettet Pia. Du wärst eine Sekunde später von einem Auto überfahren worden.“ Ohne eine Vorwarnung begann ich schlagartig zu weinen. Er legte seinen Atm um meine Schulter und ich verstand nach und nach: „Ich konnte mich noch nicht einmal verabschieden… Von niemandem“.

Plötzlich stand Falco auf und führte mich zu einer Art Fernseher. Daneben stand ein etwas kleinerer Bildschirm: „Füllen Sie bitte die folgenden Fragen aus, wenn Sie eine Person suchen“ Dies tat ich und drückte abschließend einen Knopf. Als Erstes sah ich meine Mama, die auf einem Stuhl saß und fürchterlich weinte. Neben ihr stand die Polizei. Kameraschwenk und dann plötzlich meine Geschwister und zum Schluss kommt mein Papa durch die Türe. Sie alle hatten gerötete Augen und ich verstand mit einem Mal, wieso sie weinten. Ich war ja tot.

„Falco, woher wissen die so genau, dass ich tot bin? Meine Leiche kann nicht gefunden werden!“, flüsterte ich ihm zu.
„Im Moment gehen sie davon aus, dass du entführt wurdest. Sie sind alle sehr traurig… Willst du ihnen ein Zeichen schicken?“

Ich verstand sofort und schwebte in mein Zimmer, schaltete den CD-Player ein. Track Nummer Drei: Jeanny. „Weißt du, Wiener Neustadt kenne ich sogar ein bisschen. Hab hier mal ein Sinfoniekonzert gegeben. Warst du da eigentlich dabei?“, meinte er, als er sich in meinem Zimmer umsah. „Leider war ich da noch nicht mal auf der Welt, also nein“, antwortete ich schlicht. Witzig, früher dachte ich immer, Falco nur auf dem Grab im Zentralfriedhof begegnen zu können, doch jetzt stand ich hier wahrhaftig mit ihm. Auch wenn wir beide tot waren, was die Situation ein wenig grotesk werden ließ.

Wir wanderten in der Wohnung herum, anscheinend waren noch mehr Polizisten da. Man konnte uns nicht sehen. Falco versuchte die Situation mit Smalltalk aufzulockern: „Also Jeanny ist dein Lieblingslied, aber was ist mit deiner restlichen Familie?“. Mit neugierigen Augen blickte er mich an und mir wurde unwohl. Ich war eigentlich der einzig große Fan… „Also meine Mama hört von dir auch gern ‚Junge Römer'“. Gerade als ich von ihr sprach, kamen wir ins Wohnzimmer. Sie sah sich selbst nicht mehr gleich. Wir hatten die Türe zu meinem Zimmer offen gelassen und Jeanny näherte sich dem Refrain. „Frau Hofstättner, Sie müssen uns genau sagen, was Ihnen alles einfällt. Hatte Pia irgendwelche Freunde, die sie vielleicht besuchen wollte?“, meinte der Polizist zu ihr, als sie ruckartig aufstand. „Hörst du das?“, sagte sie zu meinem Papa und ging uns entgegen.

Ich konnte nicht mehr. Schnell rannte ich ins Zimmer und schrieb einige Zeilen auf ein Blatt Papier am Schreibtisch: „Ich möchte mich für alles bedanken, was meine Eltern und Geschwister jemals für mich getan haben“. Dann flog ich schnurstracks in den Himmel zurück und nach einiger Zeit kam Falco nach. „Wieso hast du das auch noch getan? Das wird ihnen das Herz brechen!“, fuhr er mich an. „Ich will ihnen Hinweise auf meinen Tod geben, ich möchte, dass sie damit abschließen können“, sagte ich und die Tränen stiegen mir erneut auf.

Mit dem konnte Falco nicht so gut umgehen, anscheinend heulte ich zu viel für seinen Geschmack, also kam er mit einer seiner Lebensgeschichten. „85 hab ich den Pop Amadeus bekommen, das war ziemlich cool – hast du jemals einen Preis gewonnen?“, fragte er mich. Ich gab keine Antwort und er fuhr fort: „Und am Anfang meiner Karriere hatte ich einen echt witzigen Namen, das weißt du bestimmt nicht, es war-„

„Gott Ära Falco, weiß ich schon“, schnitt ich ihm das Wort ab und grinste. Er hat es geschafft mich aufzuheitern. Aber eines verstand ich trotzdem nicht, wieso wollte er mir so sehr helfen? „Sag mal, wieso hast du mich eigentlich in den Himmel gebracht? Kommt man denn nicht automatisch in den Himmel, wenn man stirbt?“. Erstarrt blickte er mich an, anscheinend hatte ich eine schwache Stelle entdeckt. „Ich war nicht deine Eskorte in den Himmel… es ist meine Schuld, dass du hier bist. Ich habe dich mit dem Auto angefahren – es tut mir leid.“ Ich konnte es nicht fassen! Wieso tat er das! Ich rannte zu ihm, schlug ihm meine Fäuste in die Magengrube. „Ich bin wegen dir tot?! Was soll das!!!“ Ich weinte und schrie und schluchzte, als ich davonlief. Ich rannte, bis ich stürzte und in ein schwarzes Loch fiel.

Als ich aufwachte, lag ich neben meinem Bett und mein Kopf tat höllisch weh. Was war denn bitte bloß passiert? Ich konnte keinen klaren Gedanken fassen und dann kam auch noch mein Papa ins Zimmer und meinte: „Na, hast du gestern vergessen, die Uhr umzustellen? Du musst in die Schule, na hopp, auf jetzt“. So beeilte ich mich, damit ich den Bus noch erwischen konnte und meine Gedanken, die versuchten, sich aus dieser seltsamen Situationen ein Bild zu machen, verschwanden gezwungenermaßen.

Beim Gehen aber hinterfragte ich nach und nach die Erlebnisse, von denen ich dachte, sie wären passiert, aber hier stand ich nun auf Grazer Straße und war eben doch nicht tot. Ein wenig war ich traurig, ich hatte Falco nicht mal annähernd all die Fragen gestellt, die mich so brennend interessieren. Welches Lied ihn am meisten berührt hatte, welche Inspirationsquellen er hatte und was in seinem Innersten brannte. Plötzlich aber fuhr ein Auto vor, genauso wie am Beginn meines Abenteuers. Langsam näherte ich mich den getönten Scheiben und als sie heruntergelassen wurden, sah ich ihn. Falco.

Ich hatte Angst, vielleicht war er ja böse, weil ich weggegangen bin. „Ich bin dir nicht böse, weil du weggelaufen bist. Zum Sterben warst du einfach noch nicht bereit und ich verstehe das. Aber ich hab jetzt niemanden mehr zum Reden…“
„Warte mal, wieso denn das? Wir können doch Kontakt halten!“ Es schien, als würde ihm meine Idee gefallen und nickte. „Dann, bis heute Nacht. Heute möchte ich alles über dich erfahren!“ Dann fuhr er weg und ich stand immer noch auf der Bushaltestelle, zum Glück alleine. Wenn jemand dieses Gespräch mitgehört hätte, wäre ich geliefert gewesen.

Anna erschien und ich erschrak, aber es fiel ihr nicht auf: „Tut mir leid, ich hab heut total verschlafen, hast du schon lange warten müssen?“.
„Och ein wenig schon, aber ich hab mich mit Falco unterhalten, dann ist die Zeit schneller vergangen“, sagte ich nur. Sie sah mich mit diesem „Typisch-Pia“ Blick an, aber ich war schon mit den Gedanken ganz woanders, ganz weit oben.

Im Himmel, bei meinem großen Idol und Vorbild: dem Falken namens Falco.

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