31 sommerliche Tage durch Japan

Nach meiner letzten Reise nach Japan im Frühling 2017 schwor ich mir zwei Dinge: Ich werde auf Japanisch kommunizieren und mit dem Zug im Sommer durch Japan reisen, einen Monat lang – koste, was es wolle.

Die Vorbereitungen

Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich gerne plane. Und ganze 31 Tage in Japan zu verbringen, gab mir die Möglichkeit, hunderte Hyperlinks in meinem Internetbrowser zu speichern, abertausende To-Do-Listen zu verfassen und gefühlt Millionen Websites zu lesen. Um alle meine Daten zu verlinken (Flug, Hotels, Zugverbindungen, Things to do), nutze ich Google Sheets und erstellte einen Zeitplan, auch mit dem Hintergedanken, falls ich verloren ginge, Angehörige die Möglichkeit hätten, mein Hotel zum jeweiligen Zeitpunkt kontaktieren zu können.

Für die Planung waren besonders folgende Ressourcen hilfreich: Mein Lieblingsyoutuber aus Japan, Chris Broad von „Abroad in Japan“, sowie die beiden Internetseiten „Wanderweib“ und „Japan Travel Guide“.

Ich legte mir den Japan Rail Pass für drei Wochen zu, der sich durch meine Zugreise tatsächlich mehr als nur rentierte (hier kannst du dir ausrechnen, ob es sich bei dir auch lohnen würde 😊). Mit diesem Ticket kann man in (fast) jeden Zug und sogar in manche Busse in Japan einsteigen, ohne zusätzlich etwas zahlen zu müssen. Zum Planen der Züge benutze ich die Website Hyperdia.com.

Als Veganerin ist auch das Thema Ernährung etwas, das mich auf Reisen beschäftigt. Hierzu nutze ich meine Lieblingswebsite „Happy Cow“, die vegetarische und vegane Speisen und Restaurants in meiner Nähe anzeigt und sehe mir ein paar Videos an, die sich mit diesem Thema näher auseinandersetzen ( Being Vegan in Japan – hard to do?Vegan Snacks in KonbinisVegan Grocery Shopping in Japan).

Mein wichtigstes Ziel: Den Jetlag dieses Mal auszutricksen. Ich konnte mich noch an meine Ankunft in Japan vor zwei Jahren erinnern – sie war verdammt beschissen. Was also tun? Nun, in den beiden letzten Tagen vor meinen Abflug lebte ich schon nach Japanzeit: Das bedeutet, um 17 Uhr schlafen gehen (in Japan wäre es bereits Mitternacht) und um 1 Uhr in der Früh aufstehen (in Japan wäre es bereits 8 Uhr ). Es war verrückt und sehr unpraktikabel, allerdings klappte es – ich konnte dem Jetlag ein Schnippchen schlagen.

Die erste Woche

Nach einem langen Flug von 12 Stunden stand ich zum ersten Mal im Flughafen Narita. Vor zwei Jahren hatte ich das Glück, in Haneda zu landen, einem kleineren Flughafenm rund 30 Minuten aus der Innenstadt Tokyos entfernt. Doch Narita war größer und somit verwirrender: Wo aktiviere ich meinen Japan-Rail Pass, das Allround-Touristen-Zugticket? Wenn ich es nicht weiß, kann ich ja jemanden fragen – aber warte, was heißt eigentlich „aktivieren“ auf Japanisch? In meinem A2-Kurs habe ich dieses Wort noch nicht gelernt.

Nach einigen Verwirrungen sitze ich im Zug nach Sendai, meinem eintägigen Stop-Over. Am Bahnhof esse ich vegane Ramen – einfach delikat.

Es ist Ende August und die Temperaturen sind hoch, so habe ich mich auch gekleidet und vorbereitet. Tja, trotzdem hat es dann wie aus Eimern geschüttet, meine Schuhe komplett durchnässt, so wie mein Rucksack. So einen Platzregen habe ich noch nie erlebt – Regenstiefel waren natürlich nicht mit im Gepäck. Stur wehre ich mich gegen das Kaufen eines Regenschirms, weil „unnedig, hab eh eine Regenjacke“.

Als selbst die dann auch durchgetränkt war (keine Ahnung, wie das möglich ist) und ich immer noch auf der Suche meines Hotels war („eigentlich doch nur die Hauptstraße entlang, dann irgendwo rechts“), bleibe ich in einem kleinen Convenience Store (auch Konbini genannt) stehen, esse ein Onigiri mit Seetang und besorge mir einen Regenschirm.

„Nicht alles am ersten Tag niederreißen.“ (Obwohl, technisch gesehen war es ja fast schon der Dritte – durch Flug, Anreise und Zeitverschiebung).

Irgendwann gelange ich zu meinem Kapselhotel „9 Hours“. Der Flair erinnert ein wenig an Krankenhaus én chic. Meine Kapsel sieht aus wie ein kleines Raumschiff und noch immer mit Regen im Ohr döse ich weg.

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Lied: Ken Hoshino – Idea

Am nächsten Morgen ging es wieder für 8 Stunden auf die Reise – allerdings viel bequemer als im Flugzeug: Ich sitze im Hokkaido Shinkansen, dem Hayabusa, der geradewegs auf die Nordinsel Japans zusteuert. Schnell und effizient, mit Klos, die besser aussehen als in manchen Hotels und einer Stille, die einem das Schlafen ermöglicht.

Sapporo ist zwar eine Millionenstadt, wird allerdings seltener von Touristen aus dem Ausland besucht. Ich hatte aber von der atemberaubenden Landschaft gehört, weswegen ich mich dazu entschloss, den weiten Weg dorthin zu wagen.

Mein Hotel „Grids Sapporo“ (passender Name, wirst du gleich merken) liegt 20 Minuten entfernt zu Fuß vom Hauptbahnhof und istdurch das Gittermuster, nach dem Sapporo aufgebaut ist (erinnert an amerikanische Städte) sehr leicht auffindbar. Es gibt eine Gemeinschaftsküche und einen Aufenthaltsbereich mit Fernseher und einer tollen Aussicht auf eine Einkaufsstraße – perfekt, um Leute zu beobachten, während man an einer Tasse Grünen Tee schlürft.

Eines Morgens spaziere ich durch mein Viertel und realisiere, dass ich wohl nahe des Vergnügungsviertels wohnen muss: Um 7 Uhr in der Früh sieht man auch die letzten Nachteulen in Taxis oder zum nächstgelegenen Supermarkt huschen. Manche Dinge unterscheiden sich sehr von Österreich, meiner Heimat, aber dann doch nicht alles eben…

In Sapporo komme ich zur Ruhe und gewöhne mich langsam wieder an Japan. Ich verliere meine Hemmung, Japanisch zu reden (oder es zumindest zu versuchen) und genieße das einzigartige Stadtbild Sapporos: Berge, Wolkenkratzer, die Schirampe der Olympischen Spiele von 1972 und den morgendlichen Nebel. Obwohl es August ist, sind die Temperaturen sehr angenehm, manchmal sogar etwas zu kühl.

In den nächsten Tagen besuche ich die Aussichtsplattform des JR Towers und sehe das einzigartige Stadtbild von oben, spaziere durch das Gitter von Sapporo, sehe Blumenfelder und esse mich durch einige Restaurants (Itadakizen und Veggy Way), und Blumenfelder. Mehr davon kannst du im folgenden Video sehen!

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Lied: Radwimps feat. Toko Miura – Grand Escape

Die zweite Woche

Die ersten paar Tage bin ich in Hakodate, einer Hafenstadt am Rande Hokkaidos, Heimatstadt der Anfangs-/Endtstation (je nachdem, wie man es sieht :-D) des Hayabusa Shinkansen.

Das Hotel „Share Hostels HakoBa“ ist ein bisschen pricey, aber ich lerne, dass man oft eben genau das bekommt, wofür man zahlt: Ausblick auf den Hafen und das Meer, Gemeinschaftsküche, Dachterrasse und ein Zimmer, in dem man ein Rad schlafen kann.

Gleich zu Beginn fiel mir auf, dass die Stadt erstaunlich gut von anderen Touristen besucht war, besonders auf der Aussichtsplattform des Berges Hakodate. Trotz allem ist es eine empfehlenswerte Stadt, vor allem die Piers und die besonders offenen Leute. Vor rund 150 Jahren war es der Hafen in Hakodate, der den Handel mit anderen Ländern der Welt für Japan eröffnete, deswegen entdeckt man besonders hier viel Architektur, seien es Gebäude, Häuser oder Kirchen, die einen westlichen Einfluss aufweisen.

Hakodate ist wunderschön, als Hafenstadt mit einem Berg und einem „night view worth dying for“. Mit dem Blickwinkel als Veganerin wird die Stadt ein bisschen problematisch, da sie eindeutig auf Meeresfrüchte ausgelegt ist. Mit Supermarktessen gehe ich also durch die Straßen und sehe mir den Sonnenaufgang an.

An einem Tag mache ich einen Ausflug nach Onumakoen, einem Nationalpark. Dort fahre ich mit dem Fahrrad um den großen See und bin stundenlang fasziniert von der Aussicht, die sich mir dort bietet. Als einzige Touristen an einem Mittwochmorgen bin ich alleine auf den Straßen dieses Sees und kann den Gedanken nachhängen.

Einer von ihnen ist zum Beispiel: „Ich bin wirklich hier.“ Es ist eine Sache, Pläne zu haben, detailliert und vollständig, eine andere Sache allerdings, sie umzusetzen. Wenn solch akribische Gedanken Realität werden, erwischt man sich dabei, zu glauben, dass einfach alles möglich sein kann.

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Lied: Kenshi Yonezu – Uma to Shika

Die zweite Hälfte der Woche verbringe ich in Nikko – aber erst, nachdem ich die weite Entfernung hinter mich bringe. Wenn man einen Tag im Zug verbringt, versteht man langsam, wieso so viele Menschen im Zug schlafen: Es ist leise, es ist klimatisiert und es gibt verdammt bequeme Sitze.

Nach 7 Stunde erreiche ich mein Ziel, eingehüllt in Nebel. Mein Hotel „Famitec“ ist eines der wenigen Hochhäuser der Stadt (der Sonnenaufgang ist somit ein echtes Spektakel), direkt an der einzigen Hauptstraße Nikkos.

Die öffentlichen Verkehrsmittel sind effizient, vermutlich aufgrund des hohen Toursitenverkehrs. Als ich ein Fahrrad alleine ausborgen will, werde ich vor wilden Bären in den anliegenden Wäldern gewarnt. Tausende Kilometer aus der Heimat fortzureisen ist eine Sache, freilaufende Bären in einem Kleid zu entkommen ist eine Andere. Ich sah mich somit mehr oder minder dazu gezwungen, mir eine Bärenglocke zu kaufen, die ein Geräusch auslöst, um sie wegzulocken.

Das Highlight in Nikko ist, zumindest meiner Meinung nach, der Toshugu-Schrein, ausgezeichnet als UNESCO-Weltkulturerbe. Die gesamte Stadt ist übersät mit Tempeln und durch den fortwährenden Nebel und die Bäume, die einen umgeben, fühlt ich mich, als wäre ich in eine andere Zeit versetzt.

Ein Ausflugsziel, wenn auch etwas weiter weg, musste für mich Karuizawa sein: Der Ort, an dem Terrace House: Opening New Doors gedreht wurde! Eine japanische Netflix-Serie, die einen an Big Brother erinnern kann, aber dann doch wieder ganz anders ist (absolut empfehlenswert!!!).

Karuizawa besitzt eine kleine, feine Innenstadt, geschmückt mit einer Einkaufsstraße, die nichts zu wünschen übrig lässt. Die Stadt ist nicht auf nichtjapanischen Besuch ausgerichtet und so stehe ich vor Schildern, die ich nicht einmal ansatzweise verstehe. Ein Blick um mich herum und ich entscheide, dass ich einfach den Menschenmassen folge und nachgehe – ich gelange zu einem Fahrradverleih. Aufgrund des guten Wetters entscheide ich mich für die Fahrradtour entlang eines Flusses, mündend auf einer Lichtung, die ich dann schnell wieder verlasse: Schon wieder Bärenwarnung – zu blöd, dass ich die Glocke im Hotel liegen habe lassen….

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Lied: Kenshi Yonezu – Paprika

Nach meinem Solotrip zur Insel Hokkaido und wieder zurück, finde ich mich am Ende der zweiten Woche im Flughafen Narita wieder. Freiwillig natürlich nicht, ich bin dort, um meinen Freund abzuholen, der mir nachgereist ist. Ich setze uns in den nächstbesten Shinkansen gen Westen.

Die dritte Woche

In dieser Stadt lerne ich, wie unterschiedlich die Atmosphäre einer Stadt sein kann: Nikko und Karuizawa waren im Vergleich Dörfer – Kobe ist massiv und ich verlaufe mich ständig. So viel zu mir und meinem Großmaul, das meinem Freund verspricht, dass ich alles schon regeln werde… An dieser Stelle eine Empfehlung von meinem Freundan alle Fleischesserinnen und Fleischesser da draußen: Kobe-Fleisch schmeckt tatsächlich so gut, wie gemunkelt wird. Ich hingegen empfehle ein kleines veganes Café, das auch zufällig die beste Quiche der Welt anbietet, die ich je gegessen habe!

Nach einem kurzen Intermezzo kommen wir in unserem Hotel „Yume-Nomad“ an – merken allerdings erst am letzten Tag, dass wir nahe des Rotlichtviertels wohnen. Dafür wohnen wir nahe am Hafen, der schön ist, wobei auch der Ausblick vom Berg Maya (erreichbar mit einer Seilbahn) auf Kobe und die umliegenden Städte, einfach traumhaft ist.

An einem Tag ging es für uns nach Himeji – wir wollten beide die „Weiße-Reiher-Burg“ sehen! Hier wieder UNESCO-Weltkulturerbe mit den eigenen Augen zu sehen, war schlichtweg beeindruckend.

Man konnte die ganze Burg betreten, die Aussicht von oben genießen und sich vorstellen, wie es wohl wäre, als Samurai diese Burg zu verteidigen.

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Lied: Sumika – Fukkatsu no Jumon

Die restlichen Tage dieser Woche verbrachten wir in Kawaguchiko – oder besser gesagt, am Fuße des Fujis. Wenn man ihn das erste Mal sieht, live, einfach so, aus einem Zugfenster heraus… Da merkt man eigentlich, wie klein selbst ist und noch mehr – wie viel kleiner dann auch die Probleme sind, die einen so täglich befassen.

Unser Ryokan, ein traditionelles, japanisches Hotel, „Senjo“ liegt etwas weiter abgelegen, vom Bahnhof rund 35 Minuten zu Fuß, allerdings mit einem Ausblick, der es schlichtweg in sich hat.

Wir essen sehr gut in Kawaguchiko – das Lokal „Shaw’s Sushi Bar & Dining“ sieht nicht nur verdammt gut aus, sondern schmeckt auch so. Der Besitzer ist der Chefkoch höchstpersönlich, der Fisch wird täglich frisch gefangen. Und wenn die Bilder in der Speisekarte eins zu eins aussehen, wie das, was am Ende vor einem landet und dann auch noch besser schmeckt, kann man gar nicht anders, als an jedem Tag dort zu essen. Besonders empfehlenswert: Das Veggie Roll Set – wer hätte gedacht, dass frittierte Süßkartoffeln und Avocadomaki so gut zusammenpassen können?

Mit einem preisgünstigen Busticket kann man zwei Tage durch die Stadt und die Umgebung fahren, gleich am Bahnhof findet man einen Katalog mit Dingen, die man in der Nähe des Fujis erleben kann. Wir entscheiden uns für die Lava Höhlen, die vor Jahrtausenden entstanden und früher als natürlicher Kühlschrank genutzt wurden – eine kühle Abwechslung zu den 29 Grad an der Oberfläche.

Auch das Fuji World Heritage Center gefällt uns sehr gut, besonders, weil es an diesem Tag sehr bewölkt war und wir somit trotzdem diesen sagenumwobenen Berg sehen können. An einem Tag wagen wir es, mit Eejanaika im Fuji Q Highland, einem Freizeitpark, zu fahren, einer Achterbahn mit den meisten Umdrehungen – Weltrekord approved. Der Plan war es eigentlich, noch mehr Attraktionen zu testen, aber nach diesen zwei Minuten waren wir eigentlich nur froh, dass wir wieder auf festem Boden stehen durften. Für Naruto-Fans ist Fuji Q auch sehr empfehlenswert…

Die Zeit an den fünf Fuji-Seen vergeht einerseits sehr schnell, weil einen die wunderschöne Natur einfach mitreißt, andererseits auch sehr langsam, weil diese kleine Stadt absolute Entspannung ausstrahlt.

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Lied: Oh Wonder – Hallelujah

Die vierte und fünfte Woche

Mit dem Highwaybus von JR fahren wir direkt von Kawaguchiko nach Shinjuku, Tokyo. Von der Kleinstadt zum geschäftigsten Bahnhof der Welt – erstmal hinsetzen und etwas essen. Vielleicht nochmal einen kleinen Blick auf den Tokyo U-Bahn Plan werfen.

Mit der Shinjuku-Line landen wir direkt vor der Haustüre unseres APA Hotels, Kanda Jimbocho. Bei Gott, so ein schmales Hotel habe ich noch nie gesehen. Die nächsten zwei Wochen sollten diese 5 Quadratmeter unser (seeeehr) kleines, feines Zuhause werden. Durch ein- und dasselbe Hotel konnte eine gewisse Routine wiederhergestellt werden, die mir abgegangen ist, allerdings war das Zimmer per se nicht zum stundenlangen Aufenthalt geeignet… Alles Dinge, die einem beim Hotel buchen nicht wirklich durch den Kopf gehen.

Die Temperaturen waren ein wenig niedriger als in Kobe, doch manchmal, wenn die Luftfeuchtigkeit zuschlug, gab es nur eine Rettung: Ab ins nächste Einkaufsgeschäft und erstmal abwarten. Mich fasziniert es bis heute, wie Japan, ein Land, das ich mir früher doch relativ klein vorgestellt habe, so unterschiedliche Temperaturen zu ein- und derselben Zeit haben kann. Von Hokkaido, einer Insel, auf der ich mir warme Kleidung zulegen musste, bis nach Kobe, meinem ungewollten Dampfbad-Aufenthalt.

Die zwei Wochen in Tokyo konnten wir völlig frei gestalten: Wir besuchten den Strand in Kamakura zwei Mal, weil das Meer so schön und das Essen im „Vegetable Cafe“ so gut war.

Wir erkundeten das Digital Art Museum auf Odaiba und lebten einen Tag auf dem Rummel.

Mein Freund erkundete das Ghibli Museum in Mitaka und wir genossen es, im Inokashira Park in einem Schwanen-Tretboot herumzublödeln. Wir spazierten durch Kichijoji und waren froh, mal niedrigere Gebäude erblicken zu können. Der Shinjuku National Gyoen ist auch im Sommer ein echter Hingucker – wenn man ein Plätzchen im Schatten ergattert hat.

Eine Empfehlung von meiner Seite: Wenn man sich in der Nähe des Tokyo Towers befindet (was man absolut tun sollte, weil die Gegend traumhaft schön ist), kann man den besten veganen Döner der Welt bei den „Falafel Brothers“ in Roppongi Hills probieren. Ist auch Fleischesser-approved, keine Sorge 🙂

Wir wandern also zu zweit durch die Stadtbezirke Tokyos und sehen nicht nur unterschiedliche Umgebungen, sondern auch, wie diese die Menschen beeinflusst: Von Anzugträgern, zu Baskenmützen, bis hin zu Laufkleidung und knallbunten Röcken.

Die Tage vergehen auch in Tokyo sehr schnell und sehr langsam zugleich. Wenn es regnet und wir keine Lust haben, schon die Straßen Tokyos zu erkunden, setzen wir uns in den Konbini um die Ecke und sehen bei einem kleinen Snack einfach aus dem Fenster. Manchmal verschlägt es uns in ein Cafe, manchmal landen wir in einem Bonsai-Geschäft und manchmal sitzen wir einfach auf einer Parkbank und beschweren uns, wie sehr uns die Füße vom ganzen Gehen wehtun.

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Lied: Faul & Wad feat. Vertue – Tokyo

Dann finde ich mich am Eingang eines Flugzeugs tief einatmend wieder.

Ich bin einfach kein Fan davon, 12 Stunden auf einem Viertel Quadratmeter zu sitzen. Es ist und bleibt für mich eine sehr unentspannte Erfahrung.

Man versucht, so höflich wie möglich zu sein, nicht zu verdursten, nicht ständig auf die Toilette zu rennen, nicht zu husten. Irgendwann (so zwischen 3 und 4 Filmen) hat man wieder festen Boden unter den Füßen.

Doch Achtung, Kulturschock in retour: Wieso sind die hier so unhöflich und wieso dauert es so lange,  bis das Gepäck hier ist? Wieso ist es so laut im Bus und kann mir mal jemand erklären, wie man Dreck einfach so auf den Boden schmeißen und dann auch noch liegen lassen kann?

Als ich meine Äuglein nach 35 Stunden Reise schließe, muss ich lächeln: Egal wie lange ich darauf warten muss, wie teuer oder unbequem es sein mag – nach Japan wird es mich immer und immer wieder verschlagen.

31 Tage reichen nicht einmal ansatzweise aus, um dieses wunderschöne Land und all seine Abenteuer zu erkunden – but maybe a lifetime...

Wenn auch du diese eine Sache hast, der du dir sicher bist, bleib‘ dabei, mach‘ dir selbst die Freude und arbeite daran. Egal, wie schwer es auch scheinen mag, eigentlich ist es immer dasselbe Muster:

Man stellt sich Fragen, man recherchiert, man versteht so viel, um einen Plan zu erstellen und setzt diese kleinen Schritte um, Tag für Tag.

Und wenn das ein Mädchen mit lila Haaren kann, kannst du das allemal.

Danke an dich für’s Lesen!